Bilanz zur Saison 18/19

Videobeweis in der Bundesliga: Projektleiter Drees fordert mehr Gelassenheit – aus diesem Grund

+
Der Videobeweis in der Bundesliga sorgt für Diskussionen. 

Der Videobeweis in der Fußball-Bundesliga sorgte und sorgt für Diskussion. Vor dem Start in die neue Saison hat  Projektleiter Jochen Dress eine klare Forderung.

Update vom 4. August um 11.12 Uhr: In der bolivianischen Liga in Südamerika ist es zu einer kuriosen Entscheidung gekommen, vielleicht sogar der kuriosesten der Fußballgeschichte. Der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter - doch dann wird es wild. 

Update vom 22. Juli um 13.25 Uhr: Der Videobeweis geht in sein drittes Jahr in der Bundesliga, kommt dieses Mal auch zum ersten Mal in der zweiten Liga (Saisonstart: 26. Juli 2019) zum Einsatz. Für Projektleiter Jochen Drees muss sich noch einiges verbessern, er richtet aber auch einen klaren Appell an die Zuschauer: Veränderungen brauchen Zeit.

„Der Video-Assistent befindet sich immer noch in einem sehr guten Prozess, an dem wir kontinuierlich arbeiten und den wir weiter verbessern werden. Wann greift der Video-Assistent ein und wann nicht? Gerade die Frage der Eingriffsschwelle ist ein lebendiges Thema“, fordert Drees in einem Interview mit dem Fußballfachmagazin kicker

Er plädiert aber auch auf mehr Nachsicht im Umgang mit den Protagonisten. „Kein Spieler ist perfekt, kein Schiedsrichter ist perfekt, und kein Video-Assistent ist perfekt. Der Video-Assistent ist ein dynamisches Projekt, und es werden immer Interpretationsspielräume bleiben, das bedingt nun mal die Tätigkeit des Schiedsrichters und die des Video-Assistenten“, so Drees.

Dem DFB ist dabei klar, welche Einschnitte der Einsatz des Video-Beweise mit in die Fußball-Welt bringt. Drees führt daher folgenden Grund an, um der Veränderung eine Chance zu geben: „Wir spielen seit über 100 Jahren Fußball und haben erst seit zwei Jahren den Video-Assistenten, die bisher wohl größte Veränderung unseres Sports.“ Die Fans wird das wenig beeindrucken.

Videobeweis in der Bundesliga - DFB gibt zu: So viele Fehlentscheidungen gab es

Update vom 13. Juni um 13.50 Uhr: Der Videobeweis erhitzt die Gemüter. Immer wieder kam es in der vergangenen Bundesliga-Saison zu strittigen Situationen, wenn der „VAR“ eingesetzt wurde. Insbesondere bei Handspielen waren die Entscheidungen, die Schiedsrichter unter Zuhilfenahme des Video-Assistenten trafen, umstritten. 

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat nun die VAR-Statistik zur vergangenen Saison veröffentlicht. Die Offiziellen ziehen eine durchaus positive Bilanz der abgelaufenen Saison: Insgesamt 82 Fehlentscheidungen wurden in der Bundesliga durch den Videobeweis korrigiert. Das waren nach DFB Angaben 18 mehr als in der Saison 2017/18.

„Dadurch lässt sich erneut zweifelsfrei belegen, dass der Fußball in der Bundesliga durch die Arbeit der Video-Assistenten gerechter und fairer geworden ist“, erklärt Projektleiter Jochen Drees. Die 19 Fehleingriffe aus Köln wollte Drees dagegen „differenziert“ betrachten, da es nur zu zwei falschen Entscheidungen gekommen sei. In den anderen 17 Fällen habe der Referee im Stadion nach Ansicht der TV-Bilder final richtig entschieden.

Insgesamt wurden 1728 Situationen in 306 Spielen überprüft. In 419 Fällen kam es zu einer Kommunikation zwischen dem Unparteiischen und den Video-Assistenten, die 111 Mal eine andere Entscheidung empfahlen. Zehnmal blieb eine Intervention aus, obwohl ein Eingreifen richtig gewesen wäre. 

Video-Schiri-Skandal in Bundesliga? Fans gehen im Netz ab: „SaufiSaufi und du blickst durch“

Erstmeldung vom 4. Mai 2019, 18.40 Uhr: München - Beim Spiel des FC Bayern München gegen Hannover 96 gab es eine Situation, die für viel Gesprächsstoff sorgte: Linton Maina schoss Jerome Boateng an, es gab Eckball (tz.de* berichtete). Oder doch nicht? Schiedsrichter Christian Dingert entschied sich, die Situation noch einmal anzugucken und gab wegen des vermeintlichen Handspiels einen Elfmeter. Selbst Hannover-Spieler Matthias Ostrzolek gab nach dem Spiel zu: „Ich hatte den nicht gegeben“.

Kurios: In Berlin beim Spiel der Hertha gegen den VfB Stuttgart segelte eine Ecke in den Strafraum, ein Stuttgarter kam zum Kopfball, die Kugel wurde geklärt. Doch war da was? Ja, Karim Rekik hatte den Ball ganz klar mit der Hand gespielt. „Er geht hin wie ein Torwart“, gab sogar Schiedsrichter-Experte Markus Merk bei Sky zu.

DFB - Videobeweis bei Handspiel: „SaufiSaufi und du blickst durch“

Und im Internet sammelten sich auch die Stimmen, die sich über den fehlenden Pfiff aufregten. „Es ist so lächerlich“, schreibt der eine über die Situation in Berlin. „Unglaublich!!! Da hat der #VAR aber mal sowas von gepennt. Klares Handspiel von der Hertha im Strafraum!“, macht ein anderer seinen Unmut breit.

Andere kritisierten den Video-Schiedsrichter, der bekanntlich in Köln liegt. „Wo genau in Köln liegt eigentlich dieser Keller des #Var? Sollte er in Rheinnähe sein, ist er vielleicht etwas feucht und zeigt Anzeichen von Schimmelbildung!“, stellte jemand die rhetorische Frage. Ein User postete ein Foto, auf dem der Keller aus seiner Sicht dargestellt wird.

Doch es gab auch andere, wahnwitzige Theorien. „Bei ungeraden Zahlen greift der VAR ein, bei geraden gar nicht“, vergleicht ein Nutzer den Videobeweis mit einem Würfelspiel. Ein anderer meint: „Videoschiri weniger Pornhub mehr Bundesliga“. „Mach‘s wie der #VAR im Kölner Keller - mach #SaufiSaufi und du blickst durch und siehst klar“, meint ein User. Der ehemalige Sky-Reporter Rolf Fuhrmann schrieb: „Ich hab die Schiris immer verteidigt, aber jetzt ist Schluss. Ganz schlimm die meisten Schiris und vor allem der Var“. 

Videobeweis und Handspiel: „Um Himmels Willen“

Andere bezeichneten die Entscheidung als Abgesang des Sports: „VAR & inkompetente Schiris = Der Tod des Fußballs“. „Was zur Hölle lief da bei #BSCVfB falsch? Gefühlt JEDES Handspiel wird gepfiffen, aber DAS nicht? Um Himmels Willen...“, so ein anderer. Wieder einer sieht auch einen Sieger bei den Fehlentscheidungen: „Der Amateurfußball ist der größte Profiteur der Einführung des VAR.“

Ein Hannover-Fan rechtfertigte die Entscheidung pro Elfmeter als fehlendes Glück aus der Saison. „Wir haben die Saison über nur vom #var auf die Fresse bekommen da dürfen wir auch mal Glück haben...so...“

So oder so: Der Videobeweis wird weiter für Diskussionen sorgen. Und die Saison ist noch vorbei. Es laufen noch zwei Spieltage sowie das DFB-Pokal-Finale. 

Es war aber nicht alles schlecht: Eine Einwechslung von Arjen Robben sorgte für rührende Momente in der Allianz Arena. 

ank

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.