Der Blick in die Zukunft ist in Corona-Zeiten schwierig, deshalb müssen die Geschäftsführer des SV Werder Bremen, Klaus Filbry (rechts) und Frank Baumann, auch für den Notfall planen.
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Der Blick in die Zukunft ist in Corona-Zeiten schwierig, deshalb müssen die Geschäftsführer des SV Werder Bremen, Klaus Filbry (rechts) und Frank Baumann, auch für den Notfall planen.

Rekord-Minus in der Coronavirus-Krise

Werder Bremen bringt Anleihe auf den Markt, um sich abzusichern

  • Björn Knips
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Bremen – Es hatte sich angekündigt, nun steht es fest: Bundesligist Werder Bremen bringt in den nächsten Wochen eine Anleihe auf den Markt, um sich auf mögliche weitere finanzielle Folgen der Corona-Pandemie über die aktuelle Saison hinaus vorzubereiten. Dabei handelt es sich nicht um eine Fan-Anleihe, sondern um eine Mittelstandsanleihe, die sich an institutionelle Investoren richtet, also Kreditinstitute, Versicherungen, Investment- und Kapitalgesellschaften oder auch Versorgungswerke sowie Pensionskassen. Erst danach sollen auch kapitalmarkterfahrene Privatanleger angesprochen werden. Ein entsprechender Bericht der „Börsen-Zeitung“ deckt sich mit den Informationen der DeichStube. Es geht um eine Summe von 15 bis 20 Millionen Euro.

Werder Bremen möchte sich aktuell zu dem Thema nicht äußern. Vor vier Wochen hatte Werder-Boss Klaus Filbry im Gespräch mit der DeichStube allerdings erklärt: „Aktuell sieht es finanziell gut aus, wir sind bis zum Saisonende durchfinanziert. Aber für den Fall, dass wir auch in der nächsten Saison ohne Zuschauereinnahmen auskommen müssen, ist es unsere Sorgfaltspflicht, unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen.“ Der Prozess ist nun offenbar abgeschlossen, die Anleihe auf den Weg gebracht.

Werder Bremen hatte bereits Ende vergangenen Jahres mit Hilfe einer Landesbürgschaft einen Kredit in Höhe von 20 Millionen Euro aufgenommen, um in der laufenden Saison abgesichert zu sein. Denn die Mindereinnahmen seit dem ersten Lockdown vor knapp einem Jahr bis zum Saisonende schätzte Filbry zuletzt auf 40 Millionen Euro. Den größten Posten macht dabei das fehlende Ticket-Geschäft aus. Zudem sind die TV-Einnahmen gesunken, und längst nicht alle Sponsoren können ihren kompletten Verpflichtungen nachkommen. Die Saison 2019/20 hat Werder mit einem Rekord-Minus von 23,71 Millionen Euro abgeschlossen. Der Umsatz ist von 157,1 Millionen Euro in der Saison davor auf 116,7 Millionen eingebrochen. Das Eigenkapital von 7,6 Millionen Euro ist nicht nur aufgebraucht, sondern dort steht nun ein Minus von fast 16 Millionen Euro.

Werder Bremen bringt Anleihe auf den Markt: „Ein faires Geschäft mit guter Verzinsung“

Bei der Re-Finanzierung setzt Werder Bremen auch auf Transfers von Leistungsträgern im Sommer. Doch allein darauf wollen sich die Verantwortlichen nicht verlassen. „Wir müssen auf alle Fälle vorbereitet sein. Wir hatten noch keine Pandemie und wissen nicht, was noch alles auf uns zukommen wird“, hatte Filbry unlängst erklärt und zur Anleihe angekündigt: „Es wäre ein faires Geschäft mit einer guten Verzinsung.“

Für den Fall, dass sich die Corona-Lage im Sommer entspannen und das Geld nicht als Ausgleich für fehlende Zuschauereinnahmen benötigt werden sollte, gibt es offenbar auch schon Pläne. Dann könnten Teile der Anleihe dazu benutzt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Mannschaft zu stärken und sie auch strategisch mit jungen Spielern weiterzuentwickeln. So oder so: Es geht um die Zukunft des SV Werder Bremen, die aktuell sportlich und finanziell in der Bundesliga nicht gefährdet ist. Doch die Grün-Weißen wollen sich nicht zu sicher fühlen. (kni) Update: Werder nach Abstieg vor der Insolvenz? Filbry sieht „keine Gefahr“.

Weiter zur letzten Meldung vom 15. Februar 2021:

So plant Werder Bremen den äußersten Notfall: Fan-Anleihen als „allerletzte Option“

Bremen - Sportlich ist Werder Bremen nach dem Fast-Abstieg wieder auf Kurs, wirtschaftlich bleibt die Lage für den Bundesligisten wegen der gravierenden Folgen der Corona-Pandemie aber enorm schwierig. Um auch eine mögliche weitere Saison mit Geisterspielen – also über den Sommer hinaus – überstehen zu können, denkt Werder nach Informationen der DeichStube* über verschiedene Finanzierungsmodelle nach – darunter auch eine Fan-Anleihe, die bislang als Tabu galt.

Auf Nachfrage bestätigt Werder-Boss Klaus Filbry diese Gedankenspiele, betont aber auch ganz klar, dass eine Fan-Anleihe „die allerletzte Option ist, die wir eigentlich nicht ziehen wollen und auch sehr wahrscheinlich nicht ziehen werden“. Dann schon eher eine Mittelstandsanleihe. Im Raum steht eine Summe von 15 bis 20 Millionen Euro, die Werder Bremen generieren möchte, falls der äußerste Notfall eintreten sollte.

Die Zahl will Klaus Filbry nicht bestätigen, aber er erklärt das Vorgehen der Geschäftsführung: „Aktuell sieht es finanziell gut aus, wir sind bis zum Saisonende durchfinanziert. Aber für den Fall, dass wir auch in der nächsten Saison ohne Zuschauereinnahmen auskommen müssen, ist es unsere Sorgfaltspflicht, unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen.“ Dazu würden auch Mittelstandsanleihen und Fan-Anleihen gehören, so Filbry: „In diesem Prozess befinden wir uns gerade, haben es aber noch nicht final entschieden. Anbieter von Fan-Anleihen sind auch in der Vergangenheit immer wieder auf uns zugekommen. Wir haben es stets sorgfältig geprüft, aber nie weiter verfolgt. Und wir hoffen, dass wir auch in diesem Fall diese Option nicht ziehen müssen.“

Werder Bremen hat bereits Kredit über 20 Millionen Euro aufgenommen

Natürlich wäre es einfacher, sich das Geld bei den Banken zu leihen. Doch Werder Bremen hat bereits einen Kredit über 20 Millionen Euro aufgenommen, um die laufende Saison zu überstehen. Dafür brauchte es eine Bürgschaft des Landes Bremen. Will sich Werder weiteres Geld bei Bankhäusern leihen, dürfte das nicht nur schwierig, sondern vor allem sehr teuer werden. Anleihen ermöglichen da einen niedrigeren Zins.

Verschiedene Clubs wie der Hamburger SV, Schalke 04 oder der 1. FC Köln haben bereits Fan-Anleihen getätigt. Oftmals ging es dabei um die Finanzierung des Baus eines Nachwuchsleistungszentrums – also eine Investition in Steine und nicht in Beine. Letzteres hat den Werder-Verantwortlichen bei diesem Thema stets Bauchschmerzen bereitet und die Diskussionen schnell beendet. Es steht nämlich viel Vertrauen auf dem Spiel – und das zum wichtigsten Gut eines Traditionsvereins wie Werder Bremen: den Fans. Die wären über eine Anleihe für das Tagesgeschäft quasi am Kauf von Spielern oder deren Gehalt beteiligt. Das könnte für großen Unmut sorgen, sollten die Profis nicht wie gewünscht Leistung abliefern. Beim Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf.

Fan-Anleihe bei Werder Bremen kann gute Zinsen bringen

Um wie viel Geld es geht, könnte jeder Fan natürlich selbst entscheiden. Um so viele Anhänger wie möglich anzusprechen, liegt der Einstiegsbetrag für solche Anleihen meistens im dreistelligen Euro-Bereich. Die Laufzeit beträgt mehrere Jahre mit einer jährlichen Verzinsung von bis zu sechs Prozent. Es ist auch möglich, sich die Zinsen erst am Ende komplett auszahlen zu lassen. Dabei hoffen die Clubs darauf, dass viele Fans aus Verbundenheit darauf verzichten und die Anleihe weiterlaufen lassen – in welcher Form auch immer.

Die emotionale Bindung an den Verein spielt dabei eben eine große Rolle. Bei einer Mittelstandsanleihe sieht das anders aus. Die richtet sich an institutionelle Investoren, Unternehmen und Privatanleger, die eher eine geschäftliche Bindung zum Verein haben. Denen geht es um die gute Verzinsung, die auf dem Kapitalmarkt ansonsten nicht so leicht zu erzielen ist. „Es wäre ein faires Geschäft mit einer guten Verzinsung“, sagt Filbry. Er würde trotzdem sehr gerne darauf verzichten, „aber wir müssen auf alle Fälle vorbereitet sein. Wir hatten noch keine Pandemie und wissen nicht, was noch alles auf uns zukommen wird.“ Und allein auf Transfererlöse zu setzen, sei auch keine sichere Lösung.

Werder Bremen macht in der Saison 2019/20 Rekord-Minus

Die Mindereinnahmen seit dem ersten Lockdown vor knapp einem Jahr bis zum Saisonende schätzt der Werder-Boss auf 40 Millionen Euro. Den größten Posten macht dabei das fehlende Ticket-Geschäft wegen der Geisterspiele aus. Zudem sind die TV-Einnahmen gesunken, und längst nicht alle Sponsoren können ihren kompletten Verpflichtungen nachkommen, genauso wenig wie Werder Bremen im Stande ist, in der Pandemie alle Leistungen zu erfüllen.

Welch gravierende Folgen das hat, wurde vergangene Woche deutlich. Via „Bild“-Zeitung sickerte durch, dass Werder Bremen in der Saison 2019/20 ein Rekord-Minus von 23,71 Millionen Euro gemacht hat. Der Umsatz ist von 157,1 Millionen Euro in der Saison davor auf 116,7 Millionen eingebrochen. Das Eigenkapital von 7,6 Millionen Euro ist nicht nur aufgebraucht, sondern dort steht nun ein Minus von fast 16 Millionen Euro. Normalerweise wären diese Zahlen längst bei der Mitgliederversammlung bekannt gegeben worden, doch wegen der Corona-Pandemie wird diese Veranstaltung frühestens im Mai stattfinden. In den nächsten Wochen sollen aber alle Gremien und auch die Mitglieder informiert werden, so Filbry. Erst dann möchte er die Zahlen kommentieren – und vielleicht gibt es dann auch einen neuen Stand zum schwierigen Thema Anleihen. (kni) Auch interessant: Kampf um Florian Kohfeldt: So sehr muss Werder Bremen um seinen Trainer zittern!

*DeichStube.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

So funktionieren Fan-Anleihen - das sind die Besonderheiten:

Werder-Notfallplan Fan-Anleihen: Der HSV hat es gemacht, in Aachen ging es schief

Von Fan-Anleihen haben im deutschen Profi-Fußball schon mehrere Clubs Gebrauch gemacht. Zum Beispiel der Hamburger SV, der 1. FC Köln und Schalke 04.

So funktioniert's: Der einzelne Fan kann zwischen wenigen hundert bis mehreren tausend Euro einlegen. Jährlich werden die festgelegten Zinsen fällig, nach Ablauf der Anleihe erfolgt die Rückzahlung des eingelegten Betrages. Oder aber eine neue Anleihe löst die alte ab. Schalke schwenkte später um auf börsennotierte Unternehmensanleihen.

Hamburger SV: Von 2012 bis 2019 hat es bereits eine Anleihe gegeben. 12,5 Millionen Euro wollte der HSV damals für den Bau des „HSV-Campus“ einnehmen, was auch binnen zwei Wochen funktioniert hat. Verzinst wurde die erste Anleihe mit sechs Prozent. Um Rückzahlungen zu minimieren und erneut frisches Geld zu besorgen, wurde 2019 eine zweite Anleihe gestartet. Laufzeit bis 2026, Volumen 17,5 Millionen Euro.

1. FC Köln: Die 2005 gestarteten Fan-Anleihen sind nun schon in der dritten Generation angekommen. Die aktuelle Anleihe startete 2016 und läuft bis 2024. Der Zins ist mit 3,5 Prozent nur etwas für echte Fans, nicht aber für renditebewusste Fremdanleger. Das Gesamtvolumen: 15,5 Millionen Euro. Fans können von 100 bis 5 000 Euro anlegen.

Schalke 04: Die Schalker sind 2010 mit einer Fan-Anleihe (Volumen: 11 Millionen Euro) gestartet, seit 2012 setzt der Club aber auf Unternehmensanleihen (bei Werder Mittelstandsanleihe genannt). Auf die Einnahme von bis zu 50 Millionen Euro ist das Modell ausgelegt. Die Verzinsung liegt bei 4,25 bis 5 Prozent.

Besonderheiten: Zu Fan-Anleihen gehören häufig Schmuckanleihen, auch Schmuckaktien genannt. Heißt: Die Anleihe wird als ein dekoratives Dokument ausgegeben, ist aber nicht Teil eines Wertpapierdepots. Zins- und Rückzahlungen müssen beantragt werden, mitunter verzichtet der Fan darauf, um das Papier nicht abgeben zu müssen und weiter als Wandschmuck nutzen zu können. Er schenkt dem Verein damit sein Geld.

Negatives Beispiel: Alemannia Aachen gab 2008 zur Finanzierung des Stadionbaus die „Tivoli-Anleihe“ heraus. 2013 meldete der Club dann Insolvenz an, die Fans verloren ihr Geld. (csa)

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