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Werder Bremen besteht den Lautstärke-Test in Cottbus – viel mehr interessiert Ole Werner auch nicht

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Von: Björn Knips

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Ole Werner war alles in allem einverstanden mit dem Auftritt des  SV Werder Bremen in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Energie Cottbus.
Ole Werner war alles in allem einverstanden mit dem Auftritt des SV Werder Bremen in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Energie Cottbus. © gumzmedia

Cottbus – Ole Werner musste sich erst mal setzen, bevor er in kleiner Medienrunde den 2:1-Sieg in Cottbus analysierte. Auch für den Coach des SV Werder Bremen war der Pokalauftritt kräftezehrender gewesen, als das gegen einen Regionalligisten eigentlich Not getan hätte. Doch der Bundesligist machte sich das Leben selbst schwer. Durch „Leichtsinnigkeit“, wie Abwehrchef Milos Veljkovic kritisch anmerkte. Seine Kollegen äußerten sich ähnlich ehrlich, was bei einem Reifeprozess fraglos nicht schaden kann. Und als Aufsteiger muss Werder ganz gewiss noch reifen, um in der Bundesliga zu bestehen. Aber Werner betonte auch, dass so eine erste Runde im DFB-Pokal bei einem Viertligisten wenig tauge, um daraus schon Rückschlüsse für den Ligastart am Samstag beim VfL Wolfsburg (15.30 Uhr) zu ziehen.

„Aus diesem Spiel nimmst du nicht so viel mit, weil es zwei unterschiedliche Wettbewerbe mit unterschiedlichen Voraussetzungen sind. Heute waren wir der große Favorit, das wird am Wochenende vielleicht einen Tick anders sein“, meinte Ole Werner und fand dann aber doch noch ein positives Mitbringsel: „Die Tatsache, dass wir vor dieser Kulisse standgehalten haben. Wir hatten in der Vorbereitung leider nicht allzu viele Spiele, in denen Zuschauer dabei sein durften.“

Die Atmosphäre im fast ausverkauften Stadion der Freundschaft war in jedem Fall Bundesliga-reif, die 20078 Zuschauer machten durchweg Alarm. Nur nach den gut herausgespielten Toren des SV Werder Bremen durch Romano Schmid (43.) und Mitchell Weiser (73.) herrschte mal kurz Stille. Hätten die Bremer ihre Überlegenheit konsequenter ausgespielt und in noch mehr Tore umgemünzt, wäre es wohl auch dauerhaft ruhiger geblieben. Doch die Gäste verpassten es, dem Hexenkessel frühzeitig den Stecker zu ziehen.

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„Wir haben es einfach nicht geschafft, den letzten Ball sauber im Strafraum an den Mann zu bringen – obwohl wir insgesamt viele richtige Entscheidungen getroffen haben und wussten, wann geflankt oder gechipt werden musste“, kritisierte Ole Werner einerseits das Verhalten seiner Offensive, lobte es aber gleichzeitig auch. Der Verweis auf erkennbare Abläufe ist ihm wichtig, schließlich ist das der Beweis für die umfangreiche Arbeit des SV Werder Bremen in der Vorbereitung. So langsam muss ein Rädchen ins nächste greifen. Doch gerade am Ende dieser Entscheidungsketten hakte es noch – und das gewaltig.

Ausgerechnet die in der vergangenen Saison so treffsicheren Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug präsentieren sich in Cottbus sehr abschlussschwach, ließen beste Chancen liegen. Ducksch traf sogar nicht ins leere Tor. Da kam schnell wieder die Geschichte hoch, dass er bei all seinen Toren auch als Chancentod gilt. Doch Ole Werner stellte sich sofort vor seine Angreifer: „Ich bin zufrieden mit ihrer Leistung, weil sie sich viele Chancen erspielt haben. Natürlich hätten die Abschlüsse genauer sein können.“

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Es war eben kein perfekter Pokalabend aus Sicht des SV Werder Bremen, sondern in erster Linie ein erfolgreicher. „Und das ist doch das Wichtigste im Pokal“, merkte Veljkovic an und betonte zudem: „Wir sind topfit und jeder hilft dem anderen. Wir haben das am Ende zusammen gemeistert.“ Was auch bitter nötig war. Denn nach einem Fehler von Marco Friedl hatte Tim Heike mit seinem Anschlusstreffer (83.) die Stimmung noch mal ordentlich angeheizt. Die Cottbuser warfen alles nach vorne, Werder stand mächtig unter Druck. Nun rächte sich der etwas lässige Auftritt in Halbzeit zwei, in der die drei Klassen tiefer spielenden Gastgeber plötzlich ebenbürtig waren – kämpferisch sowieso, aber auch spielerisch. Das verwunderte schon ein bisschen und machte Energie-Coach Claus-Dieter „Pele“ Wollitz auch ein bisschen stolz: „Eigentlich geht das ja gar nicht.“ Beinahe wäre auch noch mehr für sein Team gegangen, doch mit Glück und Geschick verteidigten die Bremer den knappen Vorsprung gegen Energie Cottbus.

Ole Werner setzte schnell einen Haken dahinter. „Für die nächsten Tage ist es jetzt einfach wichtig, eine gute Spielvorbereitung hinzubekommen. Da müssen unsere Abläufe noch einmal einen Tick weiter sein, um erfolgreich sein zu können“, meinte Werner mit Blick auf den Bundesliga-Auftakt am Samstag in Wolfsburg. Seine Startelf scheint er dabei fast schon gefunden zu haben. Nach dem Auftritt in Cottbus dürfte eigentlich nur noch die Besetzung der Linksverteidiger-Position offen sein. Neuzugang Lee Buchanan konnte seine Bewährungschance gegen den Regionalligisten nicht nutzen, um weiter Werbung für sich zu machen. Da wird wohl Anthony Jung seinen Stammplatz zurückbekommen. Neuzugang Jens Stage muss sich dagegen noch etwas gedulden. Ihm bleibt aktuell nur die Joker-Rolle. Über einzelne Spieler wollte Werner in Cottbus aber nicht sprechen, es zählte der Teamerfolg: „Unsere Kugel bleibt in der Trommel – und das ist gut so.“ (kni)
 

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