Arnd Zeigler im sogenannten „Pentax-Trikot“ der Saison 1980/81, der Aufstiegssaison des SV Werder Bremen in die Bundesliga.
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Arnd Zeigler im sogenannten „Pentax-Trikot“ der Saison 1980/81, der Aufstiegssaison des SV Werder Bremen in die Bundesliga.

Werder-Stadionsprecher über einen möglichen Aufstieg

Wie Arnd Zeigler mit dem SV Werder zittert: „Ja, ich habe feuchte Hände, aber...“

  • Björn Knips
    VonBjörn Knips
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Bremen – Am Ende vieler Gespräche in Bremen und umzu gab es in dieser Woche dann sehr oft noch diese eine Frage: Die packen das doch, oder? Der Wunsch, dass der SV Werder Bremen die Punktlandung zum Aufstieg wirklich schafft, ist nicht zu überhören. Ein Gemisch aus Sehnsucht und Angst. Grün-Weiß ist nervös. Arnd Zeigler geht das nicht anders, er lebt diesen Verein seit Jahrzehnten – als Fan, als Stadionsprecher, als Anwohner. Die DeichStube hat den 56-Jährigen gefragt, wie er den Aufstiegskrimi am Sonntag gegen Jahn Regensburg meistert – und zwar vor, während und nach dem Spiel.

Die Woche davor

Ahaus, Ahlen, Trier – Arnd Zeigler war in dieser Woche mit seinem Bühnenprogramm „Hat schon Gelb! Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ ordentlich unterwegs. „Die Auftritte haben mir geholfen, nicht zu viel über diesen letzten Spieltag nachzudenken“, gesteht Zeigler: „Werder ist dann ein angenehmes Gefühl im Hinterkopf, im Bauch und im Herzen.“ Er will sich freuen auf dieses Spiel und sich nicht sorgen. „Wenn du nach so einer turbulenten Saison am letzten Spieltag mit einem Punkt gegen Regensburg den Aufstieg schaffen kannst, ist das ein Riesengeschenk“, sagt Zeigler.

Doof nur, dass die Regensburger dem SV Werder Bremen dieses Geschenk wieder wegnehmen könnten. So wie Kiel vor zwei Wochen im Wohninvest Weserstadion den Spielverderber gab. „Ich bin mir sehr sicher, dass so etwas kein zweites Mal passiert“, schießt es aus dem gebürtigen Bremer sofort heraus. Trainer Ole Werner wird dabei zu seinem Anker. „Ole hat Werder so eine Art ,Mia san mia’ auf Bremisch implantiert. Er vertraut fast immer denselben Spielern und damit auch den eigenen Stärken. Damit ist das Urvertrauen zurück – und nicht nur das der Spieler in die eigene Stärke, sondern auch das der ganzen Stadt in die Mannschaft und den Verein. Und dafür bin ich ihm wahnsinnig dankbar“, sagt Arnd Zeigler.

Die richtige Kleidung

„Es ist mir unangenehm. Ich bin schon ein bisschen mitschuldig“, seufzt Zeigler. Gemeint ist der 2:3-Schock gegen Kiel. Werder Bremen hat schlecht verteidigt und Zeigler war schlecht gekleidet. Das „Pentax-Trikot“ fehlte. Vergessen. „Warum auch immer, ich weiß es nicht.“ Mitte der Hinrunde hatte er das Originaltrikot aus Werders bislang einziger Aufstiegssaison 1980/81 aus dem Schrank geholt. „Das muss damals Klaus Fichtel gehört haben. Erstaunlich, dass mir das noch passt“, scherzt Arnd Zeigler, was gut zu dieser Geschichte passt. Natürlich weiß der Stadionsprecher, dass sein Trikot eher keinen Einfluss auf Spielausgänge hat. Doch der Aberglaube gehört zum Fan-Sein dazu wie die Stadionwurst. „Eine schwierige Thematik“, grinst Zeigler: „Aber natürlich werde ich das Trikot am Sonntag wieder anziehen. Ich will mir da nichts nachsagen lassen.“

Der Flugzeug-Trick

Zeigler blickt kurz zurück. „Vor einem Jahr lag hier alles in Sack und Asche, da sind wir gebückt in die 2. Liga gegangen. Da können wir doch jetzt wahnsinnig viel gewinnen.“ Aber eben auch den Aufstieg verlieren. „Natürlich hat man da so eine Restangst, dass es nicht klappen könnte“, gibt Arnd Zeigler zu und präsentiert sofort seine ganz persönliche Lösung für solche Momente: „Ich gehe seit einiger Zeit mit dieser Angst um, als sei es Flugangst. Man steigt ja in ein Flugzeug und weiß: Gleich kommt der Schweißausbruch. Und dann sagt man sich vernunftsmäßig: ,Mensch, im Straßenverkehr kommen viel mehr Menschen ums Leben als beim Fliegen. Wenn ich schon Angst habe, wie soll es dann einer Stewardess gehen, die hin- und herfliegt?’ Also habe ich einfach keine Angst!“ Übertragen auf Werder Bremen bedeutet das für den 56-Jährigen: „Nach menschlichem Ermessen wird sich die Mannschaft das nicht mehr nehmen lassen. Es kann natürlich theoretisch schiefgehen. Aber die Jungs werden so fokussiert sein, dass es klappen wird. So gut sind sie einfach, und das werden sie am Sonntag beweisen wollen – Punkt, aus, Ende der Diskussion.“

Die letzten Stunden

Ausschlafen ist für Arnd Zeigler am Sonntag ganz wichtig, denn nach dem Aufstiegskrimi von Werder Bremen muss er spät abends auch noch seine TV-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs produzieren“. „Hoffentlich als Aufsteiger“, sagt er, um dann sofort wieder in den Vorfreude-Modus zu schalten: „Ich liebe es, gut drei Stunden vor dem Spiel von meiner Wohnung im Viertel zum Stadion zu laufen oder mit dem Rad zu fahren. Da siehst du die ersten Fans mit einem Bier in der Hand stehen. Da halte ich noch das eine oder andere Schwätzchen. Das ist ein schönes Ritual, was eigentlich nur in Bremen möglich ist, weil unser Stadion so schön in der Stadt liegt.“

Ein ganz neues Ritual gibt es inzwischen auf dem Rasen – mit keinem Geringeren als Werder-Bremen-Stürmer Marvin Ducksch. Lange vor dem Anpfiff begutachten die Spieler den Rasen. „Marvin hat immer einen Energydrink in der Hand. Dann plaudern wir ein bisschen“, erzählt Arnd Zeigler und gerät ins Schwärmen: „Das sind die Momente, in denen ich auch nach 21 Jahren als Stadionsprecher sage: ,Ich bin immer noch Fan.’ Es ist unbezahlbar, kurz vor dem Spiel auf dem Rasen zu stehen und die Spieler abzuklatschen – also ein ganz kleines Teil des großen Ganzen zu sein. Ich empfinde das als großes Glück.“

Das Spiel

Vor, in der Halbzeit und nach dem Spiel arbeiten Zeigler und Christian Stoll auf dem Rasen gemeinsam bei Werder Bremen als Stadionsprecher. In der Sprecherkabine sitzt dann aber nur einer. „Gegen Regensburg habe ich in der ersten Hälfte quasi frei, dann werde ich mich wieder hinter das gegnerische Tor stellen – dann bin ich Fan“, erzählt Arnd Zeigler und fügt noch schmunzelnd an: „Ich habe mir ganz lange eingebildet, dass ich dort Glück bringe. Inzwischen kann ich sicher sagen, dass das nicht so ist. Trotzdem macht das total Spaß.“

In Hälfte zwei muss dann Arnd Zeigler Auswechslungen und Torschützen vermelden. Nebenbei läuft ein Fernseher mit der Konferenz der anderen Spiele. Und sollte es richtig spannend werden, dann weiß der erfahrene Mann am Mikro schon, was ihm blüht: „Es fühlt sich wie erhöhte Temperatur an. Du bist aufgeregt und ein bisschen fiebrig. Ja, ich habe dann auch feuchte Hände, aber ich bin mir eigentlich ganz sicher: Der Unfall Abstieg wird repariert! Und dann können alle auf sich stolz sein – die Spieler, der Trainerstab, die Verantwortlichen, der ganze Verein. Das gegen all die Widerstände hinbekommen zu haben, wäre unglaublich.“ 

Das Nachspiel

„Ich bin nach jedem Spiel körperlich komplett erledigt, egal, ob wir gewinnen oder verlieren. Bei so entscheidenden Spielen ist das noch schlimmer“, sagt Arnd Zeigler. Trotzdem wird er natürlich mitfeiern, wenn es etwas zu feiern gibt. Aber nicht lange – seine eigene Sendung ruft. Und was ist, wenn es Werder Bremen nicht schafft? Diese letzte Frage lässt der Stadionsprecher, Sänger, Autor und Fan ganz locker abprallen: „Meine Maxime ist immer: Es macht mehr Spaß an gute als an schlechte Dinge zu glauben. Es bringt dich nicht weiter, vom schlechtesten auszugehen.“ (kni)

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