Konsequenzen nach der Bremer Horror-Saison

Werder-Chefcoach Kohfeldt rasiert zwei Co-Trainer und holt mit Danijel Zenkovic einen neuen

Danijel Zenkovic ist neuer Co-Trainer von Florian Kohfeldt beim SV Werder Bremen.
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Danijel Zenkovic ist neuer Co-Trainer von Florian Kohfeldt beim SV Werder Bremen.

Bremen – Die Veränderungen im Trainerstab von Werder Bremen sind größer als erwartet. Chefcoach Florian Kohfeldt hat sich von gleich zwei Co-Trainern getrennt: Thomas Horsch und Ilia Gruev. Dafür wechselt Danijel Zenkovic vom österreichischen Erstligisten TSV Hardtberg an die Weser und gehört nun ebenso wie Tim Borowski und Christian Vander (Torhüter) zu Kohfeldts Trainerstab.

Das wurde am Montagmittag auf der Pressekonferenz des SV Werder Bremen zum Start der Vorbereitung des Bundesligisten verkündet. Athletikcoach bleibt Günther Stoxreiter (39), er wird künftig von Henrik Frach (32) aus dem Nachwuchsleitungszentrum unterstützt.

Danijel Zenkovic ist eine durchaus spannende Personalie, findet nicht nur Werder-Trainer Florian Kohfeldt: „Danijel bringt ziemlich viel Erfahrung mit sowohl im Jugend- als auch im Profi-Bereich. Er hat bei seinen bisherigen Stationen bereits nachgewiesen, dass er junge Spieler entwickeln kann. Das Thema Entwicklung von Spielern ist etwas, was ich für Danijel als prägend bezeichnen würde.“ 

Werder Bremen: Das ist der neue Co-Trainer Danijel Zenkovic

Der 33-Jährige hat im Jugendbereich für so prominente und auch für ihre gute Nachwuchsarbeit bekannte Clubs wie RB Salzburg und Ajax Amsterdam gearbeitet. Vor einem Jahr wagte er dann aus den Niederlanden den Sprung in den Profi-Fußball und wurde beim TSV Hartberg Co-Trainer von Markus Schopp. Nach nur einem halben Jahr wurde Danijel Zenkovic befördert, fungierte nicht mehr nur noch als Assistenz- und Individualtrainer sowie als Spielanalyst, sondern war als Sportkoordinator auch in die Vorbereitung von Transfers eingebunden. 

Mit dem kleinen Club aus der 7000-Seelen-Gemeinde in der Steiermark erlebte er einen wahren Höhenflug, der völlig überraschend mit der Qualifikation für die Europa League endete. Neben Werder Bremen war angeblich auch der FC Basel an einer Verpflichtung von Danijel Zenkovic interessiert, am Ende machten aber die Bremer das Rennen.

Werder Bremen: Standard-Trainer Ilia Gruev muss gehen

Dort wollte Florian Kohfeldt sein Trainerteam nach der enttäuschenden Saison umbauen. Die Trennung von Ilia Gruev war dabei erwartet worden. Der 50-jährige Ex-Profi hatte vor einem Jahr den Trainerstab ergänzt und sollte sich vor allem auch um die Standards kümmern. Doch dieser Bereich wurde zum großen Problemfall bei Werder Bremen. Immerhin darf Gruev im Verein bleiben, er wird zukünftig die Leihspieler betreuen und damit den neuen Sportlichen Leiter Clemens Fritz entlasten, der diese Aufgabe in der Vergangenheit übernommen hatte.

Thomas Horsch ist schon länger an der Seite von Kohfeldt – seit 2016. Die Zusammenarbeit begann bei der U23, dann nahm ihn Kohfeldt mit zu den Profis. Doch nun muss der 51-Jährige die Bundesliga-Mannschaft verlassen. Etwas überraschend kommt das schon, wenngleich Horsch sehr im Hintergrund arbeitete und öffentlich kaum auftrat. Tim Borowski (40), der gerade seinen DFB-Fußball-Lehrer gemacht hat, und Christian Vander (39) zogen als Ex-Profis mehr Aufmerksamkeit auf sich. Durch die Wechsel wurde das Trainerteam des SV Werder Bremen mit dem 37-jährigen Florian Kohfeldt an der Spitze extrem verjüngt, das Durchschnittsalter beträgt nur noch 38,2 Jahre, zuvor waren es noch 43,2 Jahre gewesen. Außerdem hat Kohfeldt nur noch drei statt zuvor vier Assistenten. (kni)

Letzte Meldung vom 13. Juli 2020:

Der Chef bleibt bei Werder Bremen: Florian Kohfeldt krempelt jetzt Teile seines Trainer-Teams um

Ein Sprichwort sagt: Der Fisch stinkt vom Kopf her! Bei Werder Bremen – dem Club, den Fans anderer Vereine gern als „Fischköppe“ beschimpfen – wird das anders gesehen. Nach dem Beinahe-Abstieg dürfen Cheftrainer Florian Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann bleiben. Doch in der Etage unter ihnen wird nun ein Stühlerücken vorbereitet, dessen Opfer und Profiteure noch nicht namentlich bekannt sind.

Dass es bei Werder Bremen beide geben wird, ist aber schon klar. Florian Kohfeldt kündigt Veränderungen in seinem Mitarbeiterkreis an – heißt: mindestens ein Co-Trainer wird betroffen sein. Vielleicht auch zwei. Zusätzlich soll eine Position für die Schnittstellen zwischen Mannschaft, Trainern, Management und Staff installiert werden.

So, wie Kohfeldt das Thema anfasst, scheint es intern eine heiße Kartoffel zu sein. Jedenfalls seinen direkten Mitarbeiterstab betreffend. Der besteht aus den Assistenten Tim Borowski, Thomas Horsch, Ilia Gruev, Christian Vander und Athletikcoach Günter Stoxreiter. Dass dieses Team so bestehen bleibt, ist nicht zu erwarten. Kohfeldt äußert sich zunächst sehr vorsichtig über die Pläne: „Wir werden mögliche Umverteilungen und Umbesetzungen in meinem engsten Team besprechen. Wen genau das trifft, ist noch nicht abschließend beurteilt.“

Werder Bremen: „Standardtrainer“ Ilia Gruev ein Kandidat für eine Umbesetzung?

Ilia Gruev, erst zu Beginn der vergangenen Saison als zusätzlicher Co-Trainer mit Schwerpunkt „Training der Standardsituationen“ dazugekommen, könnte ein Kandidat sein. Aber Kohfeldt spricht im Plural. Erwartbar also, dass es nicht bei einer Veränderung bleibt. Der Chefcoach bereitet mit entsprechenden Aussagen schon mal auf eine Art Härtefallentscheidung vor, die auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar erscheinen, weil nicht auf Versäumnissen und Fehlern des Betroffenen fußen muss. „Wir haben festgestellt, dass wir trotz hervorragender Expertise und in dem Fall auch extrem hoher menschlicher Kompatibilität überlegen müssen, ob es für uns sinnvoll ist, Reizpunkte zu setzen – um zu erreichen, die bestmögliche Leistung gegenüber der Mannschaft zu erbringen“, erklärt der 37-Jährige. Es könnte bei Werder Bremen also auch Ex-Nationalspieler Borowski oder Ex-Verbandstrainer Horsch treffen.

Frank Baumann bestätigt die Co-Trainer-Überlegungen und macht, was man bei Nachfragen zu heiklen, unausgegorenen Themen sinnvoller Weise immer macht: Er spielt auf Zeit. „Wir denken über personelle Veränderungen im Trainerteam nach, um aus unseren Fehlern zu lernen und uns noch besser aufzustellen. Diese Entscheidungen müssen aber sorgfältig vorbereitet werden. Wir lassen uns auch hier nicht vom öffentlichen Druck treiben. Bis zum Trainingsstart werden wir Entscheidungen treffen.“

Teammanager? Sportdirektor? Werder Bremen und die neue Position ohne Namen

Das gilt auch für die Postion ohne Namen im SV Werder Bremen. Baumann und Kohfeldt wollen eine Art Schnittstellen-Manager installieren, der Konfliktpotenzial im Zusammenspiel von Trainern, Spielern, medizinischer Abteilung und Management aufspürt und beseitigt. Der darüberhinaus aber auch nach außen auftreten kann. „So wie Sebastian Kehl in Dortmund“, sagt Sportchef Frank Baumann: „Wir werden dort einen sehr professionellen Recruitingprozess starten.“ An dessen Ende dann doch in Clemens Fritz ein bekanntes Werder-Gesicht stehen wird? Möglich ist das. Noch sagt Baumann aber nichts zu Namen, nur zur Notwendigkeit der Position. „Nebenkriegsschauplätze“ wie der Zwist in der medizinischen Abteilung – am Ende ging Teamarzt Dr. Benjamin Schnee, wurde Physiotherapeut Uwe Schellhammer entlassen und Athletiktrainer Axel Dörrfuß vom Bundesliga-Team abgezogen – hätten während der Saison abgelenkt sowie Energie und Zeit geraubt. Baumann: „Wir haben gemerkt, dass da Probleme entstehen können. Es kann also sein, dass wir uns da weiter ergänzen.“

Der neue Mann auf der neuen Position soll Florian Kohfeldt entlasten, aber auch Baumann Aufgaben abnehmen. Er soll nahe an der Mannschaft sein und wissen, wie ein Profi denkt und fühlt. Zudem soll er die Standpunkte des Chefcoaches und des Sportchefs vertreten können - nach innen und nach außen. Baumann: „Wir werden in Ruhe prüfen, welche Person zu dem jeweiligen Profil am besten passen würde. Das dauert seine Zeit.“ Aber auch hier gilt: Bis zum Vorbereitungsstart wird der Posten besetzt sein. (csa)

Zur letzten Meldung vom 7. Juli 2020:

Was Werder Bremen nach dem Klassenerhalt braucht: Frisches Geld, mutige Transfers und einen Teammanager

Die groß angekündigte Analyse beim SV Werder Bremen läuft, erste Gespräche wurden am Dienstag keine 24 Stunden nach der Rettung gegen den 1. FC Heidenheim bereits geführt.

Der Aufsichtsrat, die Geschäftsführung und der Trainer des SV Werder Bremen reden über die Zukunft des Clubs, ob es eine gemeinsame wird, muss sich zeigen. Worum geht es vornehmlich, was ist schiefgelaufen und welche Rolle spielen die einzelnen Beteiligten? Die DeichStube gibt Antworten.

Update (9. Juli 2020): Alles klar! Florian Kohfeldt bleibt Trainer bei Werder Bremen - aber was macht Clemens Fritz?

Der Aufsichtsrat

Fast geschlossen war das sechsköpfige Kontrollgremium mit Marco Bode an der Spitze zum Endspiel in Heidenheim gereist. Mehr Rückendeckung geht nicht, anschließend wurde gemeinsam gefeiert. Nach durchaus kontroversen Diskussionen in den vergangenen Wochen scheint inzwischen sicher: Der Aufsichtsrat wird Sportchef Frank Baumann weiter vertrauen und unterstützt auch dessen Vorhaben, die Arbeit mit Trainer Florian Kohfeldt fortzusetzen. 

Allerdings: Baumann und Kohfeldt müssen noch einmal genau darlegen, wie es zu dem Absturz des SV Werder Bremen kommen konnte. Außerdem sollen sie ein Konzept präsentieren, wie sie mit nun weniger Geld wieder mehr erreichen wollen. An dieser Stelle ist aber auch der Aufsichtsrat gefordert. Vor allem die Unternehmer Kurt Zech und Marco Fuchs sowie die Strippenzieher Thomas Krohne und Andreas Hoetzel sollen mithelfen, neue Geldquellen zu erschließen. Pikant: Ihre Amtszeit endet im November, ob sie zur Wiederwahl stehen, ist offen.

Die Geschäftsführung

Der Vertrag von Werder-Boss Klaus Filbry wurde erst im vergangenen Herbst langfristig verlängert, sein Stuhl steht ganz sicher. Genauso wie der von Hubertus Hess-Grunewald, der bekanntlich vom Verein, dem Allein-Gesellschafter der ausgegliederten Profi-Abteilung, entsandt wird. Das Duo bestimmt gemeinsam mit Baumann den Trainer, muss auch Transfers abnicken. In der Regel folgen Filbry und Hess-Grunewald der sportlichen Expertise Baumanns. So wie jetzt auch im Fall Kohfeldt.

Es gibt durchaus Kritik an Filbry und Hess-Grunewald: Beide halten sich eher im Hintergrund auf, geben schwierige Themen gerne auch mal an Frank Baumann ab – wie zum Beispiel den geplanten Neubau des Nachwuchsleistungszentrums. Der Sportchef des SV Werder Bremen wirkte manchmal überlastet, eilte von Sitzung zu Sitzung, wollte zugleich nah am Trainerteam und der Mannschaft sein. Sein Vorhaben, die Infrastruktur rund um die Profis zu verbessern, misslang im medizinischen Bereich, weil er auf das falsche Personal setzte und sich zu spät von angeblichen Quertreibern trennte. Ähnlich unglücklich war sein Händchen bei den Transfers. Die gemeinsam mit Florian Kohfeldt entwickelte Idee, fast nur erfahrene Profis von den Ersatzbänken anderer Bundesligisten zu holen, scheiterte in dieser Saison. Dem Kader fehlen schnelle Spieler und so ungeschliffene Diamanten, wie es einst ein Milot Rashica aus der niederländischen Liga war. Den hat übrigens auch Baumann geholt, er weiß also, wie es geht.

Der Trainer

Durch den Klassenerhalt und der Erneuerung der Jobgarantie durch Baumann ist Florian Kohfeldt zurück in einer starken Position. Er allein entscheidet über seine Zukunft und kann sogar Forderungen stellen. Dabei dürfte es ihm um mehr Unterstützung gehen, gerade was die Öffentlichkeitsarbeit betrifft. Ein Teammanager in Person eines Ex-Profis wie Clemens Fritz wäre da denkbar. Bei Kohfeldt kann mehr Konzentration auf seine Hauptaufgabe gewiss nicht schaden, denn da ist einiges schiefgelaufen. Im Sommer hatte er in Abstimmung mit Baumann der Mannschaft eine Fitness-Kur verordnet, um das nächste Level zu erreichen und so den Rückstand zur individuell besser besetzten Konkurrenz wettzumachen. 

Axel Dörrfuß wurde mit dieser Aufgabe betraut und im Februar dann degradiert. Übrigens nicht zum ersten Mal bei Werder, Kohfeldt-Vorgänger Alexander Nouri hatte Dörrfuß auch schon weggeschickt. Die missglückte Vorbereitung gilt als Hauptgrund für die großen Verletzungssorgen, dazu kam Pech wie beim Trainingsunfall von Niclas Füllkrug. Auch bei der Personalie Ilia Gruev lag Kohfeldt falsch. Der Papa von Jung-Profi Ilia Gruev junior sollte sich um die Standards kümmern – und die wurden dann zum großen Problem. Kohfeldt übernahm den Bereich Ende des Jahres selbst, ohne es groß zu kommunizieren, um Gruev zu schützen.

So hielt er es auch mit der Mannschaft – vor allem mit den Führungsspielern. Gerade erst wiedergenesenen Stars wie zum Beispiel Ömer Toprak stellte er gleich wieder in die Startelf, was die Mannschaft nicht immer sofort stärkte. In der Corona-Pause änderte Kohfeldt sein Vorgehen, er wurde härter, die Mannschaft fitter – und der Coach wagte dank der größeren personellen Möglichkeiten auch bei den Aufstellungen mehr Wechsel, ließ Stars draußen. Die Mannschaft folgte ihm, die Öffentlichkeit in großen Teilen auch, denn Kohfeldt kann seine Ideen so gut erklären wie kaum ein anderer in der Bundesliga. Deswegen will 1899 Hoffenheim Florian Kohfeldt auch verpflichten, was Kohfeldts Position gegenüber Werder Bremen noch weiter verbessert. Gibt es etwa schon einen Plan B, falls Kohfeldt wechseln sollte? Was läuft bei Werder Bremen mit Sandro Schwarz? (kni)

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