Bodenhaftung in der Corona-Krise

Baumann wehrt sich gegen Kritik am Fußball und schützt Werder Bremen

Sportchef Frank Baumann sieht Werder Bremen auch in der Coronavirus-Krise nicht die Bodenhaftung verlieren und erinnert an die Werte des Clubs.
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Sportchef Frank Baumann sieht Werder Bremen auch in der Coronavirus-Krise nicht die Bodenhaftung verlieren und erinnert an die Werte des Clubs.

Bremen – Der Ruf des Fußballs hat gerade in den letzten Tagen extrem gelitten. Das ist auch Frank Baumann nicht entgangen, doch der Sportchef des SV Werder Bremen wehrt sich nach einigen Tagen des Schweigens gegen die Kritik.

Vor allem stört ihn, dass eine ganze Branche unter Generalverdacht geraten ist, nur noch ans Geld fernab jeder Realität zu denken: „Wir achten darauf, dass wir die Bodenhaftung eben nicht verlieren. Das kann ich für uns als Werder Bremen in Anspruch nehmen.“

Werder Bremen will sich aus Kritik herauslösen

Frank Baumann sitzt auf dem Podium des Medienraums im Weserstadion – alleine. Jetzt, nachdem die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bei ihrer Mitgliederversammlung die Maßnahmen für die nächsten Wochen beschlossen hat, stellt er sich wieder den Fragen der Öffentlichkeit. Er hatte sich zurückgehalten, obwohl die Ministerpräsidenten Markus Söder (Bayern) und Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen) mit ihrer bei „Bild-TV“ inszenierten Ankündigung eines möglichen Restarts der Bundesliga am 9. Mai dem Fußball zur Seite gesprungen und danach Clubbosse wie Joachim Watzke (Borussia Dortmund) und Karl-Heinz Rummenigge (FC Bayern München) ebenso gut inszeniert in Jubel ausgebrochen waren. Das bescherte den Protagonisten und vor allem dem Fußball zu Wochenbeginn einen Shitstorm, wie es Neu-Deutsch so schön heißt.

„Es ist schade, dass die Fußball-Branche aktuell in einem schlechten Licht dargestellt wird“, sagt Baumann. Es ist die Antwort auf die Frage, welchen Einfluss Werder Bremen als Mitglied der DFL habe. Der Club sei einer von 36 Mitgliedern, erklärt Baumann, was natürlich jeder weiß. Sein „Es-ist-schade-Satz“ ist der Anfang eines Versuchs, Werder aus dem im Kreuzfeuer der Kritik stehenden Fußball herauszulösen.

Frank Baumann und die Werder-Familie: „Werte für uns wichtig“

„Wir sind uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Wir haben eine sehr große Nähe zu den Fans. Und wir suchen sogar unsere Spieler danach aus, dass sie genau wissen, für welchen Club sie spielen“, betont der 44-Jährige, beteuert die Bodenhaftung und setzt zu einem wahren Plädoyer an: „Wir haben immer auch das Interesse des Vereins, der Mitglieder und der Fans im Auge. Insbesondere in solch schwierigen Zeiten. Es wird oft von der Werder-Familie gesprochen, jetzt merkt man, dass wir ein besonderer Club sind. Wir wissen genau, für was der Club steht, dass gewisse Werte für uns wichtig sind. Danach leben unsere Spieler.“

Aber ohne Geld gehe es nun einmal nicht. Keine Spiele, keine Einnahmen. „Wir tun nichts anderes, als unseren Betrieb am Laufen zu halten“, verteidigt Baumann die baldige Durchführung von Geisterspielen. Dafür sei von der DFL ein „sehr, sehr ausführliches und schlüssiges Konzept“ ausgearbeitet worden. Genauso würde dies auch in vielen anderen Branchen geschehen, bei den Frisören, den Gastronomen, aber auch den Schulen und in den Kirchen. An oberster Stelle stehe dabei in der Coronavirus-Krise immer die Gesundheit – der Mitarbeiter und der Bevölkerung.

Werder Bremen: Lösungen suchen, um Spielbetrieb wieder aufnehmen zu dürfen

Anders als DFL-Boss Christian Seifert, der in seiner Pressekonferenz das Überleben der Bundesliga von der Durchführung von Geisterspielen abhängig machte, zeichnet Frank Baumann kein Schreckensszenario. Er erinnert lieber an das Schöne, an die Spiele mit Zuschauern, die es nun wahrscheinlich für viele Wochen, eher sogar Monate nicht geben werde.

„Das wird uns wehtun, unabhängig von allen finanziellen Auswirkungen. Denn wir lieben diesen Fußball. Diese Begeisterung der Menschen für unseren Sport spürt man jeden Tag – insbesondere bei den Spielen.“ Deswegen sei es richtig, nach Lösungen zu suchen, um den Spielbetrieb wieder aufnehmen zu dürfen. Gleichzeitig könne sich jeder hinterfragen, „was man in der Zukunft besser machen kann“. Dem Ruf des Fußballs kann das nur zuträglich sein. (kni)

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