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Eine Klasse für sich: Fans sorgen für viele Gänsehaut-Momente - und feiern am Saisonende den Bundesliga-Aufstieg

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Von: Mario Nagel

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„Ihr seid erstklassig“: Die Fans des SV Werder Bremen sorgten für viele Gänsehaut-Momente in der 2. Liga-Saison - und durften am Ende den Bundesliga-Aufstieg bejubeln.
„Ihr seid erstklassig“: Die Fans des SV Werder Bremen sorgten für viele Gänsehaut-Momente in der 2. Liga-Saison - und durften am Ende den Bundesliga-Aufstieg bejubeln. © gumzmedia/nordphoto

Bremen - „Ihr seid erstklassig“! Diese drei Worte standen in großen Buchstaben auf dem Tieflader, mit dem die Profis des SV Werder Bremen nur wenige Stunden nach dem erreichten Bundesliga-Aufstieg über den Osterdeich fuhren. Diese Worte, sie waren kein Hinweis darauf, dass die Rückkehr ins Oberhaus perfekt gemacht wurde. Sie waren eine Lobpreisung für die Fans, die in dieser Saison einmal mehr bewiesen hatten, welch großen Stellenwert sie für den Club haben.

Schon vor dem Heimspiel von Werder Bremen gegen Jahn Regensburg zogen Tausende Menschen vom Bremer Marktplatz zum Stadion, sorgten weit vor dem Anpfiff für eine bombastische Stimmung. Die herrschte dann auch während der Partie und erst recht nach dem Schlusspfiff, als das Weserstadion zu einem Tollhaus und die gesamte Stadt zu einer einzigen Partymeile wurde. Ein Jahr nach dem Abstieg aus der Bundesliga waren Fans, Mannschaft und Verein endgültig wieder vereint.

Diesen Zusammenhalt zwischen dem Club und seinen Anhängern hatte es während der Saison nicht immer gegeben. Gerade zu Beginn der Spielzeit hatte es auffällig häufig zwischen den beiden Parteien geknirscht. Im Mittelpunkt stand dabei zunächst vor allem einer: Frank Baumann. Der Sportchef wurde von vielen Fans für den Bundesliga-Abstieg und den wirtschaftlichen Absturz allein verantwortlich gemacht. Als auch der Neuanfang in Liga zwei zu Beginn nicht wie von den Anhängern gewünscht verlief, weil der Kader-Umbau länger dauerte als erhofft, brach es im Heimspiel von Werder Bremen gegen den SC Paderborn (1:4) aus vielen Zuschauern heraus: „Baumann raus“ schallte es von den Tribünen.

Werder Bremen: Heftige Fan-Kritik an Frank Baumann - doch der Sportchef bleibt im Amt

Baumann verriet später, dass ihn die Kritik getroffen habe, aber: „Die Fans sollen ruhig ,Baumann raus’ rufen, dann bin ich eben der Sündenbock.“ Er wolle seine persönliche Reputation nicht über das wirtschaftliche Wohl des Vereins stellen. Rückendeckung bekam er von Marco Bode, dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden von Werder Bremen. Also blieb der Sportchef. Und er verpflichtete in Marvin Ducksch einen Angreifer, der sofort einschlug. In seinem ersten Spiel, beim 3:0-Sieg gegen Hansa Rostock, traf der Neuzugang im September gleich doppelt. Sehr zur Freude der Fans – und sicherlich auch zur Freude von Frank Baumann. Denn bei der Mitgliederversammlung, die eine Woche nach dem Spiel abgehalten wurde, blieb der erwartete starke Gegenwind aus den Fan-Reihen aus. Baumann blieb im Amt, doch die Situation blieb angespannt.

Und sie verschlechterte sich erneut rapide, als Werder Bremen von Mitte September an nur eines seiner sechs folgenden Spiele gewinnen konnte. Während des glücklichen 2:2 beim SV Sandhausen, als Niclas Füllkrug den Grün-Weißen erst in der Nachspielzeit einen Punkt rettete, hatten viele Werder-Fans die Nase voll. „Wir wollen euch kämpfen sehen!“, skandierten sie neben weiteren Schmäh-Rufen während des Spiels. „Natürlich können wir den Frust der Fans nachvollziehen“, sagte Werders Leiter Scouting Clemens Fritz im Anschluss.

Werder Bremen: Enttäuschender Saisonauftakt, doch die Fans strömen trotzdem ins Weserstadion

Doch trotz des Unmuts unter den Anhängern konnte sich Werder Bremen einer Sache immer sicher sein: Die Fans standen trotz aller Kritik hinter ihrem Club. Das wurde eine Woche nach dem Sandhausen-Spiel deutlich, als trotz der sportlich mauen Lage 42.100 Zuschauer ins ausverkaufte Weserstadion zum Heimspiel gegen den FC St. Pauli strömten. „Eine Stimmung wie zu Bundesliga-Zeiten“ wurde ausgemacht, das Stadion war erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie wieder voll, vier weitere ausverkaufte Spiele sollten folgen. Werder erreichte zwar nur ein 1:1, doch für viele Fans hatte dieses Remis gegen den damaligen Spitzenreiter gezeigt: Die Mannschaft lebt.

Vermutlich auch deshalb rückten Fans, Mannschaft und Verein enger zusammen, als Markus Anfang aufgrund seiner Impfpassfälschung den Hut nehmen musste. Es folgte Ole Werner – und mit ihm kehrte aus Fan-Sicht auch endlich der Erfolg nach Bremen zurück. Neun Siege in den ersten zehn Spielen unter Werner katapultierten Werder Bremen zurück in den Aufstiegskampf, den viele Fans schon längst abgeschrieben hatten. Darunter der spektakuläre 3:2-Erfolg im Nordderby beim Hamburger SV, samt großem Bus-Empfang der Fans vor der Abfahrt und legendärer Party nach der Rückkehr vor dem Weserstadion.

Werder Bremen: Fans empfangen Profis nach Derbysieg beim HSV vor der Ostkurve

Ein paar hundert Ultras hatten die Bremer Profis vor der Ostkurve empfangen, Pyrotechnik gezündet und den Derbysieg gefeiert. Mannschaft und Fans grölten zu Liedern wie „Ducksch is on fire“, tanzten zur Musik von DJ Leonardo Bittencourt. Der Zusammenhalt zwischen Anhängern und Club war spätestens jetzt wieder vollständig hergestellt. Und der sorgte auch dafür, dass Werder Bremen in schwierigen Phasen sportlich erfolgreich blieb. Zum Beispiel im Heimspiel gegen Darmstadt 98, als gleich mehrere Profis ausfielen, die Fans ihre Mannschaft aber zu einem denkwürdigen 1:0-Sieg peitschten. Oder beim furiosen 4:1-Sieg bei Schalke 04, als Werder nach drei Remis in Folge als Underdog nach Gelsenkirchen reiste, sich aber trotzdem über 6.000 Bremer Anhänger mit den auf den Weg machten und mit dem gefühlten Bundesliga-Aufstieg in die Hansestadt zurückkehrten. 

Doch im Saisonfinale strauchelte Werder Bremen erneut, der Bus-Empfang von über 4.000 Bremer Fans vor dem Heimspiel gegen Holstein Kiel verpuffte. Die Grün-Weißen verspielten eine 2:0-Führung und verloren noch mit 2:3. Der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga schien nochmal in Gefahr zu geraten, obwohl die Fans ihr Möglichstes taten, um den Club in den letzten beiden Spielen zu unterstützen. Mindestens 2.500 Anhänger waren in Aue dabei, als Werder am vorletzten Spieltag mit 3:0 gewann. Es hätten auch deutlich mehr sein können, wenn die Sachsen ihre Tickets in den freien Verkauf gegeben hätten.

Werder Bremen: Fans feiern große Party am und im Weserstadion nach geschafftem Bundesliga-Aufstieg

Die große Party aber konnte so im Weserstadion steigen. Am letzten Spieltag, vor ausverkauftem Haus. Werders Fans hauten schon vor dem Spiel alles raus. Unglaubliche 12.000 Grün-Weiße trafen sich auf dem Marktplatz in der Innenstadt und zogen singend zum Weserstadion. In der Ostkurve begrüßte ein Mega-Banner die Spieler. Kapitän Ömer Toprak konnte es später kaum fassen. „Was hier heute los war, wie die Fans heute wieder da waren, das ist brutal. Obwohl wir in dieser Saison teilweise echt scheiße gespielt haben.“ Die Anhänger wurden belohnt: Mit dem 2:0-Sieg war Werder Bremen der Bundesliga-Aufstieg nicht mehr zu nehmen, der Club ist nun wieder erstklassig. So, wie es die Fans über die gesamte Spielzeit hinweg schon gewesen waren. (nag)

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