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„Werde auch nächstes Jahr der gleiche Mensch sein“: Werder-Trainer Ole Werner über Popularität, sein Bundesliga-Debüt und Schnäpse im Aufstiegsrennen

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Von: Malte Bürger, Björn Knips

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Trainer Ole Werner spricht im DeichStube-Interview ausführlich über den SV Werder Bremen, seinen Plan und Ziele.
Trainer Ole Werner spricht im DeichStube-Interview ausführlich über den SV Werder Bremen, seinen Plan und Ziele. © gumzmedia

Zell - Die Fans bejubeln Ole Werner als Aufstiegsheld, die Spieler des SV Werder Bremen schwärmen von den Methoden ihres Trainers. Der 34-Jährige steht demnächst erstmals in seiner Karriere in der 1. Bundesliga an der Seitenlinie, im Interview mit der DeichStube ist von Nervosität aber trotzdem überhaupt keine Spur. Vielmehr präsentiert sich Werner als Coach, der genau weiß, was er will und mit dem ganzen Wirbel um seine Person ziemlich gelassen umgeht.

Ole Werner, wie ist es eigentlich, in einem Stadion ein Training vor 400 Zuschauern zu leiten, von denen einige doch schon sehr in Partylaune sind?

Zunächst einmal ist es schön, dass uns so viele Fans begleiten und das wieder möglich ist. Es gibt angenehme Begegnungen, bei denen einem viel Zuspruch und viel Liebe dem Verein gegenüber entgegengebracht wird. Für die Arbeit selbst ist es aber manchmal schwierig, weil einen die Spieler nicht immer unbedingt verstehen. Aber das nehmen wir in Kauf und ist kein großes Drama.

Müssen Sie Rücksicht darauf nehmen, wie Sie in dieser Zeit Ihre Ansprachen machen?

Rücksicht muss ich eigentlich nicht nehmen. Wenn man aber Dinge auf der Tafel zeigt, von denen man nicht möchte, dass sie direkt abfotografiert werden und danach öffentlich sind, dann muss man schon schauen, wo gerade vielleicht nicht ganz so viele Leute stehen. Wenn es aber beispielsweise einen Grund gäbe, laut zu werden, dann würde ich auch laut werden. Es muss nur in einer respektvollen Art und Weise passieren, was bei uns aber auch der Fall ist.

Werder Bremen-Trainer Ole Werner im DeichStube-Interview: „Wer mich kennt, weiß, dass ich meine Rolle nicht überschätze“

Sie sind jetzt ungefähr acht Monate Coach des SV Werder Bremen, wie sehr beugen Sie sich noch den Gepflogenheiten des neuen Vereins? Oder bestimmt man da schon längst, wie alles zu funktionieren hat?

Man spricht natürlich bei ganz vielen Themen mit. Für mich ist aber immer die Frage, wie viel ich ändern muss, damit das, was ich vorhabe auch funktioniert. Jeder Verein hat seit Jahren seine gefestigten Abläufe, weil sie für den Verein Sinn ergeben. Wenn ich aber eine Maßnahme sehe, von der ich glaube, dass sie den sportlichen Erfolg gefährdet, dann spreche ich das an.

Was waren das für Maßnahmen?

Das sind eher klassische Konflikte, wo zwischen finanziellen und sportlichen Aspekten abgewogen werden muss. Etwa bei Auswärtsspielen, wo es gewisse Zug- oder Flugverbindungen gibt, aber auch der Charterflug eine Option wäre. Da weiß man, dass er ein Vielfaches kostet, es aber vielleicht trotzdem für dieses eine Spiel und aufgrund einer kurzen Woche ganz wichtig wäre, wenn wir das hinbekommen. Da haben wir aber immer eine sehr gute Lösung gefunden.

Für die Werder-Fans sind Sie der Aufstiegsheld. Wie gehen Sie mit dieser Popularität um?

Wer mich kennt, weiß, dass ich meine Rolle nicht überschätze. Ich bin froh, ein Teil davon zu sein, dass wir erfolgreich waren in der letzten Saison. Mir ist aber auch bewusst, dass sich der Wind im Fußball schnell mal dreht. Wichtiger als die Wahrnehmung von außen ist mir die Wahrnehmung von innen. Mich stört es nicht, erkannt und angesprochen zu werden, aber mein Job wäre auch nicht schlechter, wenn mich niemand erkennen würde.

Haben Sie sich Grenzen gesetzt bei dem, was Sie mitmachen und was nicht?

Wenn Menschen mich ansprechen und ein Foto oder Autogramm wollen, dann versuche ich, diesem Wunsch gerecht zu werden. Wenn ich aber etwa mit meiner Freundin oder der Familie unterwegs bin, im Restaurant sitze und etwas esse, dann finde ich es unpassend und verweise darauf, dass wir das zu einem späteren Zeitpunkt gern machen können.

Ole Werner, Trainer des SV Werder Bremen, im Gespräch mit den DeichStube-Reportern Malte Bürger (li.) und Björn Knips (re.).
Ole Werner, Trainer des SV Werder Bremen, im Gespräch mit den DeichStube-Reportern Malte Bürger (li.) und Björn Knips (re.). © gumzmedia

Nun ist es an der Zeit für eine neue Erfahrung. Wie haben Sie sich auf Ihre erste Bundesliga-Saison vorbereitet?

Ich habe im Urlaub ganz viele Spiele aus der ersten Liga geguckt, gerade von den Mannschaften, die in den letzten zwei Jahren aufgestiegen sind. Ich wollte sehen, wie sie ihre ersten Spiele gemacht haben, welche Entwicklungen es gab. In solch einer Phase, in der ich Ruhe und Zeit hatte, war es für mich wichtig, taktische Unterschiede zu sehen und Dynamiken einer Saison zu erkennen.

Viele Trainer haben berichtet, dass sie in der ersten Liga ein Netzwerk haben und sich untereinander austauschen. Sie sind neu in der Bundesliga – wie ist das bei Ihnen?

Ich habe mich viel mit den Kollegen hier bei Werder Bremen unterhalten, die schon einmal die 1. Liga erfahren haben. Auch mit Spielern habe ich mich darüber ausgetauscht, inwiefern sie selbst für ihr Spiel Unterschiede sehen. Es ist aber nicht so, dass ich drei, vier Trainer habe, die ich anrufen würde. Ich denke, dass man mit dem, was man sieht, Unterschiede ganz gut festmachen kann.

Glauben Sie, dass sich für Sie persönlich etwas als Bundesligatrainer ändern wird?

Es ist sicherlich noch einmal eine andere Aufmerksamkeit vorhanden. Das merkt man auch jetzt schon, es gibt deutlich mehr mediale Anfragen. Da muss man filtern und überlegen, wann man was machen kann, damit noch genügend Energie für die Mannschaft und Mitarbeiter vorhanden ist. Der Job hat zudem andere Inhalte, es entstehen neue Situationen. In der 2. Liga wusste ich schon sehr genau, was mich erwartet. Für mich als Person – losgelöst vom Trainerjob – wird sich aber nicht viel ändern. Ich denke, dass ich auch in einem Jahr noch ziemlich genau der gleiche Mensch sein werde. Nur mit mehr Erfahrung.

Wie ist Ole Werner eigentlich, wenn die Ergebnisse nicht stimmen?

Sicherlich bin ich schlechter gelaunt und empfinde das, was ich mache, als anstrengender. Aber ich lasse das nicht an die Mannschaft heran. Ich muss derjenige sein, der die Ruhe bewahrt – das ist allerdings auch das, was es anstrengend macht. Es entsteht aber sonst ganz schnell von außen Unruhe, dann können auch intern Konflikte auftreten. Das beste Leben der Welt hast du als Fußballtrainer jedenfalls, wenn du am Wochenende gewonnen hast. Da gibt es nichts Schöneres, als in die nächste Woche zu gehen.

Nehmen wir die kuriose 2:3-Niederlage gegen Holstein Kiel kurz vor Ende der vergangenen Zweitliga-Saison. Wie gut gelingt es Ihnen da, dieses Erlebnis möglichst schnell wieder loszuwerden, wenn doch der gesamte Aufstieg aus den Händen zu gleiten droht?

Erst einmal hast du eine sehr, sehr unruhige Nacht, wenn du ein Spiel auf solche Art und Weise nicht gewinnst. Ich bin in den Abläufen trotzdem gleich, schaue mir das Spiel an und versuche rationale Gründe dafür zu finden, damit so etwas nicht wieder vorkommt. Das hilft mir total, wenn ich Dinge erklären kann. Trotzdem habe ich damals das Gefühl der Enttäuschung ein paar Tage mit mir herumgetragen und eine gewisse Unruhe gespürt.

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Werder Bremen-Trainer Ole Werner im Interview mit der DeichStube: „Zum Glück standen dann zwei Kurze da ...“

Werder Bremen hat kurz darauf von der Darmstadt-Niederlage gegen Düsseldorf profitiert. Sie haben immer erzählt, dass Sie zeitgleich einen privaten Termin hatten und dieses Spiel gar nicht gesehen haben. Jetzt können Sie es ja verraten: Sie haben anschließend doch bestimmt mehr als nur die Faust geballt, oder?

Nun kann ich es tatsächlich erzählen: Ich war an dem Abend mit meinem Berater essen, was schon länger geplant war. Das Spiel begann um 18.30 Uhr, wir waren für 19 Uhr verabredet. Meine Freundin war auch in Bremen und ich habe zu ihr schon gesagt, dass wir das Handy auslassen, weil ich an diesem Abend keine schlechte Laune haben möchte. Dann habe ich meinen Berater auf dem Parkplatz vor dem Restaurant getroffen und er sagt direkt: ,Na, dir muss es ja richtig gut gehen gerade‘.

Weil es schon 2:0 für Düsseldorf stand…

Ich habe ihm nur gesagt, dass er die Klappe halten soll. Ich wollte nicht darüber reden und mich damit beschäftigen. Stattdessen haben wir dann abgemacht, dass er später mal aufs Handy schauen darf – und wenn ich dann mal auf die Toilette gehe, er zwei Schnäpse bestellen soll, wenn es gut gelaufen ist. Und wenn da dann nichts steht, dann hätte ich ja auch Bescheid gewusst. Zum Glück standen dann zwei Kurze da, und da wusste ich, dass es ganz gut gelaufen ist. (lacht)

Apropos Alkohol: Oliver Burke hat nach seinem Doppelpack im Test gegen Karlsruhe gesagt, dass er sich gern ein Bier gönnen würde – wenn man ihn lässt. Haben Sie ihn gelassen?

Wir waren nach dem Spiel gemeinsam als Mannschaft noch auf der Hütte, haben einen richtig schönen Abend mit gutem Essen gehabt. Ich habe jetzt nicht geschaut, was Olli getrunken hat, aber wenn er ein Bier trinken wollte, dann hatte er dort dazu die Möglichkeit.

In der Vorbereitung erwarten Sie körperlich viel von den Spielern, aber auch sonst gibt es viel Input. Woher wissen Sie, dass es nicht zu viel wird?

Im athletischen Bereich ist das sehr gut prüf- und messbar. Da vertraue ich komplett den Athletiktrainern, was die Sache für mich sehr einfach macht. Aktuell ist es auch das Wichtigste, dass wir diese Belastung durchbringen.

So bereitet sich Trainer Ole Werner auf seine erste Bundesliga-Saison mit dem SV Werder Bremen vor

Machen Sie da für eine Bundesliga-Saison mehr als vorher in der 2. Liga?

Ich denke schon, dass wir dieses Jahr härter trainieren und höhere Umfänge fahren. Die Analyse hat gezeigt, dass wir in der 2. Liga sehr viel den Ball hatten, uns dabei auch mal erholen konnten. Bei den Lauf- und Sprintleistungen waren wir da nicht so gefordert, wie wir das in der neuen Saison sein werden. Ich bin davon überzeugt, dass es uns eine gute Grundlage schafft, wenn schon jetzt der Schweinehund besiegt werden muss – und man anschließend auch das Wissen hat, dass man es geschafft hat und dadurch vielleicht fitter als der Gegenspieler ist.

Und im taktischen Bereich?

Natürlich hat man auch da Erfahrungswerte. Vielleicht hatte ich Momente in Vorbereitungen, in denen ich zu schnell zu viel wollte, was Spieler dann überfordert hat. Auch da ist dann eine offene Kommunikation wichtig. Ich kriege dann zu hören, dass Spieler sich wünschen, dass wieder mehr frei gespielt wird, weil ihnen das fehlt. Andere sagen, dass sie gewisse Dinge klarer haben möchten, damit sie genauer wissen, was sie machen sollen. Über diese Gespräche findet man heraus, wann es zu viel oder auch zu wenig ist.

Wie ist es, wenn Sie einen Fehler gemacht haben? Geben Sie das offen gegenüber der Mannschaft zu?

Ohne jetzt unsere Doku zu teasern, die bald zu sehen sein wird: Das kommt schon mal vor und da bricht mir auch kein Zacken aus der Krone. Wenn wir ein Spiel spielen, in dem ich eine falsche Entscheidung getroffen habe, die Auswirkung auf unsere Leistung hatte, dann kann ich das auch sagen. Und dann erwarte ich auch, dass die Spieler mir sagen, ob es schlecht erklärt war oder kein Vertrauen in diese Lösung gab. Umgekehrt erwarte ich aber auch, dass jeder Spieler bei sich selbst anfängt. Wenn ich etwas gut erklärt habe – und meistens weiß ich das, weil ich es so gespiegelt bekomme –, der Spieler es aber trotzdem nicht umgesetzt hat, dann bekommt er einen auf den Deckel.

Sie sind nun einer von 18 Bundesligatrainern – und die müssen vor der Saison alle immer eine Frage beantworten.

Wer Meister wird?

Ganz genau.

Auch da bin ich Realist, wenngleich der Liga etwas mehr Spannung sicherlich guttun würde. Aber normalerweise wird Bayern München Meister – und ich gehe auch dieses Mal davon aus. (kni/mbü)

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