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„Absolutes Unding“: Polizei-Aktion gegen Werder-Fans in Wolfsburg schlägt auch nach Spielschluss hohe Wellen

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Von: Malte Bürger

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Die Polizei-Aktion am Wolfsburger Hauptbahnhof im Vorfeld des Bundesliga-Spiels zwischen VfL Wolfsburg und dem SV Werder Bremen sorgte bei den Verantwortlichen für Fassungslosigkeit.
Die Polizei-Aktion am Wolfsburger Hauptbahnhof im Vorfeld des Bundesliga-Spiels zwischen VfL Wolfsburg und dem SV Werder Bremen sorgte bei den Verantwortlichen für Fassungslosigkeit. © gumzmedia

Wolfsburg – Hubertus Hess-Grunewald war richtig angefressen. „Wir müssen uns ernsthaft fragen: Was wollen wir eigentlich für eine Fankultur?“, schäumte der Präsident des SV Werder Bremen am Mikrofon des TV-Senders Sky. „Wir sind stolz darauf, in Deutschland eine Fankultur zu haben, eine lebendige Fanszene in allen Stadien, Auswärtsfans zu haben. Und wenn wir Gäste dann so willkommen heißen und so behandeln, dann kann das nicht im Sinne des Zuschauersports Fußball sein.“ Rumms, das saß.

Update vom 12. August (16 Uhr): Nach Auswertung des Polizeiberichtes: Niedersächsisches Innenministerium erklärt, dass die Kontrolle der Fans von Werder Bremen überzogen war!

Update vom 11. August (16 Uhr): „Wir haben nicht viel aufzuarbeiten“: Clemens Fritz kann die Polizeiaktion gegen Werder-Bremen-Fans noch immer nicht nachvollziehen!

Update vom 11. August (12 Uhr): „Diesen Vorwurf können wir nicht bestätigen“: Polizei Wolfsburg widerspricht Fans des SV Werder Bremen nach Kontroll-Aktion!

Update vom 10. August (13 Uhr): Niedersachsens Innenministerium verteidigt Polizei-Aktion: Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg war auch früher schon ,Rot-Spiel‘!

Update vom 8. August (17 Uhr): Nach Kontroll-Aktion gegen Fans von Werder Bremen in Wolfsburg: Bremer Innenressort kündigt Nachbesprechung mit niedersächsischer Polizei an!

Es musste also Außergewöhnliches passiert sein im Vorfeld. Und das war es auch. Gegen Mittag, also noch vor dem eigentlichen Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg (2:2) waren zahlreiche Fans des SV Werder Bremen während ihrer Anreise am Wolfsburger Hauptbahnhof von der Polizei festgesetzt worden und durften sich nicht mehr frei bewegen. Logischerweise zum Unmut der betroffenen Personen und auch des Vereins.

„Es wurden Durchsuchungsmaßnahmen und Personenidentitätsfeststellungen angeordnet. Selbst unsere Fanbetreuer hatten am Anfang keine Möglichkeit, rein- und rauszugehen und für Kommunikation zu sorgen, weil auch sie sich immer wieder Kontrollen unterwerfen mussten“, schilderte Hubertus Hess-Grunewald die Ereignisse. „Das hat dann am Ende dazu geführt, dass relevante Teile der Fanszene entschieden haben, nach Hause zu fahren. Das ist eine Entwicklung, die wir wirklich nicht gutheißen können.“ Die Fanhilfe Bremen kündigte bereits an: „Wir werden die Rechtmäßigkeit der Maßnahmen genauestens prüfen.“ Auch Clemens Fritz, Leiter Profifußball bei Werder Bremen, war naturgemäß wenig begeistert von den Entwicklungen am Bahnhof. „Das ist ein absolutes Unding“, kritisierte er das Vorgehen der Polizei und bedauerte den daraus resultierenden Abzug der Ultras gen Heimat.

Werder-Bremen-Präsident Hubertus Hess-Grunewald mit Kritik an Polizei-Kontrolle: „Nicht im Sinne des Zuschauersports“

Die harte Aktion der Beamten überraschte auch deshalb, weil es im Vorfeld keinerlei Anlass dafür gegeben zu haben schien. Laut Hubertus Hess-Grunewald hätten beide Clubs eine Einschätzung zur Sicherheitslage vorgenommen, die Partie sei in die niedrigste, die Kategorie „grün“ eingeordnet worden. Auch in der Vergangenheit war das Duell zwischen Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg nicht gerade dafür bekannt, dass es zu Konflikten unter den Fanlagern kommt – zumal die Wolfsburger über eine – vorsichtig formuliert – verhältnismäßig kleine Anhängerschaft verfügen. Auf Anfrage der DeichStube äußerte sich die Polizei in Wolfsburg bislang nicht zu den Geschehnissen. Zuvor hatte sie lediglich auf Twitter erklärt, dass „aus gefahrentechnischen Gründen“ eine Kontrollstelle eingerichtet worden sei, „um Auseinandersetzungen von Fangruppierungen und das Abbrennen von Pyrotechnik zu verhindern“.

Für mehr Verständnis sorgte diese Mitteilung beim Präsidenten des SV Werder Bremen keineswegs. „Wir haben eigentlich eine sehr gute Zusammenarbeit insbesondere in Bremen mit den Polizeibehörden, das muss ich ausdrücklich loben“, sagte Hubertus Hess-Grunewald, „aber auch hier haben uns die Wolfsburger Kollegen gesagt, dass auch sie von dieser Maßnahme im Vorfeld nichts gewusst haben und davon überrascht waren. Wir haben im Moment kein Verständnis dafür, weil wir den Hintergrund dieser Maßnahme nicht kennen.“

Polizei äußert sich nicht zu Kontrolle am Hauptbahnhof vor Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und VfL Wolfsburg

Die Werder-Profis bekamen derweil vom dezimierten Gästeblock zunächst kaum etwas mit. Auch, weil die übrigen Fans das Bremer Team beim 2:2-Unentschieden gegen den VfL Wolfsburg frenetisch unterstützten. „Zum Aufwärmen, das war schon Weltklasse, wie die Fans uns empfangen haben. Das war ja ein gefühltes Heimspiel heute, das war sehr cool“, lobte etwa Amos Pieper, der völlig überrascht war, als er anschließend von der Polizeiaktion erfuhr. „Also wären es eigentlich noch mehr Fans gewesen? Das ist schade“, betonte der Verteidiger von Werder Bremen. „Vor allem schade für die Fans.“ (mbü)

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