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Risikospiele: Nach dem Aufstieg droht Werder Bremen wieder die Weitergabe anfallender Polizeikosten

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Von: Malte Bürger

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Seit Jahren muss der SV Werder Bremen bei Hochrisikospielen für die zusätzlichen Kosten der Polizei aufkommen.
Seit Jahren muss der SV Werder Bremen bei Hochrisikospielen für die zusätzlichen Kosten der Polizei aufkommen. © gumzmedia

Bremen – Das Geld sitzt beim SV Werder Bremen bekanntlich nicht gerade locker – und doch muss sich der Verein auch in der kommenden Saison wohl wieder darauf einstellen, unschöne Post von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zu bekommen. Nämlich dann, wenn (Hoch-)Risikospiele in Bremen anstehen sollten, die einen erhöhten Polizeiaufwand erfordern. Die Kosten dafür will das Bremer Innenressort nämlich auch weiterhin der DFL in Rechnung stellen, wie eine Sprecherin auf Nachfrage der DeichStube mitteilte. Der Ligaverband wiederum hat die Gebührenbescheide in der Vergangenheit anschließend stets an Werder weitergeleitet, anstatt selbst die Kosten zu tragen. Für Werder entstanden so Mehrausgaben in Millionenhöhe.

In der abgelaufenen Zweitliga-Saison waren vier Partien am Osterdeich von der Polizei als Hochrisikospiele (gegen Hamburg, Hannover, Rostock und Dresden) eingestuft worden, wie es nun nach Werder Bremens Wiederaufstieg in die Bundesliga ausschauen wird, steht noch nicht abschließend fest. „Eine endgültige Festlegung der Einstufungen der Spiele ist im Vorfeld nicht möglich, da jedes Spiel individuell und je nach aktueller Sicherheitslage eingestuft beziehungsweise kurzfristig umgestuft wird“, erklärte Karen Stroink, Pressesprecherin des Innenressorts. „Der Ausblick auf die Saison 2022/2023 mit einer Prognose dazu wird aktuell von der Polizei Bremen geprüft und am kommenden Montag im Örtlichen Ausschuss Sport und Sicherheit (ÖASS) mit der Vereinsführung in einer ersten Runde erörtert.“

Polizeikosten-Streit: Werder Bremen muss wieder mit Hochrisikospielen in der Bundesliga rechnen

Die Polizeikosten haben laut Innenbehörde im Laufe der vergangenen kontinuierlich zugenommen. „Unauffällige Spiele und Risikospiele lösen inzwischen Kosten für die Steuerzahlenden von etwa 115.000 Euro pro Spiel aus“, schilderte Stroink und verweist auf Personalkosten der bremischen Ordnungshüter, eingesetzte Fahrzeuge und Ausgaben für auswärtige Kräfte und deren Einsatzmaterial. Droht eine brenzlige Lage rund ums Weserstadion, wird es erheblich teurer. „Für Hochrisikospiele fällt im Vergleich das Doppelte bis Dreifache an Kosten an“, sagte die Pressesprecherin.

Seit Jahren schon beschäftigt der Bremer Polizeikostenstreit den Verein, den Ligaverband und auch die Justiz. Anfang Februar dieses Jahres hatte sich Innensenator Ulrich Mäurer via Pressemitteilung als Sieger präsentiert, nachdem das Bundesverwaltungsgericht zu Gunsten der Hansestadt entschieden hatte. „Nach der vierten juristischen Niederlage in Serie wird es Zeit für einen Kurswechsel der DFL“, hatte Mäurer damals gefordert und gehofft, dass künftig keine Kostenbescheide mehr an Werder Bremen weitergereicht werden. Zudem bekräftigte er einmal mehr den Wunsch nach einem Solidarfonds aller 36 DFL-Mitglieder, um die anfallenden Kosten gemeinsam aufzubringen und den Steuerzahler zu entlasten. Bislang ohne Erfolg.

Werder Bremen und der Polizeikosten-Streit: „Der geforderte Solidarfonds wird dieses Jahr noch nicht kommen“

„Der geforderte Solidarfonds wird dieses Jahr wohl leider noch nicht kommen. Realistisch und sinnvoll ist der Fonds aber nach wie vor“, betonte Karen Stroink. „Die Rechnungshöfe der Länder und des Bundes haben einstimmig den Beschluss gefasst, dass diese Millionenbeträge im Sinne der Steuerzahlenden nicht unter den Tisch fallen dürfen. Wir sind zuversichtlich, dass die anstehenden Prüfungen der Rechnungshöfe weitere Länder motivieren werden, ihre Haltung in dieser Frage zu überdenken.“ Und die Sprecherin prognostizierte: „Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann der Druck groß genug sein wird.“ (mbü)

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