Werder Bremen hat in Sandhausen gerade noch so ein Unentschieden gerettet. Warum der Matchplan von Trainer Markus Anfang nicht aufging - die Taktik-Analyse.
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Werder Bremen hat in Sandhausen gerade noch so ein Unentschieden gerettet. Warum der Matchplan von Trainer Markus Anfang nicht aufging - die Taktik-Analyse.

Warum der Matchplan von Trainer Anfang nicht aufging

(Fast) alles beim Alten: Der SV Werder mit offensiven Schwächen und defensiven Patzern in Sandhausen - die Taktik-Analyse

  • Tobias Escher
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Sandhausen – Nach dem 0:3 gegen Darmstadt kann Werder Bremen auch gegen Sandhausen nicht gewinnen. Mit den Umstellungen nach der Pause rettete Trainer Markus Anfang seinem Team wenigstens ein Unentschieden, analysiert DeichStube-Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Noch vor wenigen Wochen erfreuten sich Werder-Fans am klaren Fokus des neuen Trainers Markus Anfang. Statt wie seine Vorgänger Woche für Woche Formation und Spieler zu wechseln, setzt er auf feste Abläufe. Nach guten Leistungen zu Beginn der Saison wirkt Werder Bremen mittlerweile jedoch gefangen im eigenen System. Auch gegen Sandhausen gelang es den Bremern nicht, einen individuell schwächeren Gegner zu dominieren.

Trainer Markus Anfang bleibt sich treu: Werder Bremen gegen den SV Sandhausen in der Taktik-Analyse

Wer erwartet hatte, dass Markus Anfang nach der 0:3-Niederlage in Darmstadt den Kehrbesen herausholt, wurde enttäuscht. Bremens Coach veränderte seine Startelf zwar auf drei Positionen: Leonardo Bittencourt, Romano Schmid und Felix Agu rückten für Mitchell Weiser, Eren Dinkci und Manuel Mbom in die Anfangsformation. Taktisch veränderte sich jedoch wenig. Werder Bremen begann erneut in einer Mischung aus 4-3-3 und 4-2-3-1. Im Spielaufbau rückten die Außenverteidiger auf eine Höhe mit Sechser Ilia Gruev. So konnten die übrigen Mittelfeldspieler weit vorrücken, es entstand eine 2-3-2-3-Formation. In dieser Variante baute Werder auch in den vergangenen Wochen das Spiel auf.

Auch defensiv blieb sich Werder Bremen treu. Ein Mittelfeldspieler rückte im Spiel gegen den Ball nach vorne, sodass ein 4-2-3-1 entstand. Sobald der Gegner den Ball in Richtung Mittellinie spielte, übte Werder Druck aus. Gerade auf den Flügeln rückte Werder weit heraus, um den Gegner zu stellen. So weit, so bekannt.

Werder Bremen gegen den SV Sandhausen in der Taktik-Analyse: Frühes Tor für Werder

Die größte Änderung lag in der Wahl der Außenstürmer begründet: Schmid begann überraschend auf der rechten Seite, Bittencourt lief auf Linksaußen auf. Beide Spieler haben ihre Stärken mit dem rechten Fuß. Während Schmid also auf der rechten Seite häufig seine Position hielt, zog es Bittencourt in die Mitte. Diese Bewegungen waren in das Aufbauspiel jedoch kaum eingebunden. Werder Bremen fehlte es an Präsenz im Mittelfeld – mal wieder. Bereits gegen Darmstadt gab es kaum Bälle in den Achter- oder Zehnerraum. Das wiederholte sich gegen Sandhausen.

Gefährlich wurde Werder vor allem dann, wenn die Spieler aus dem starren Korsett ausbrachen. Dann gelangte Werder an den Viererketten des Gegners vorbei. So etwa in der 12. Minute, als Linksverteidiger Marco Friedl nicht ins Zentrum rückte, sondern als klassischer Außenverteidiger in eine Flankenposition gelangte. Er leitete Nicolai Rapps Treffer zum 1:0 ein (12.).

Taktik-Analyse: Sandhausen attackiert die linke Seite von Werder Bremen

Solche Angriffe sah man von Werder Bremen jedoch selten. Stattdessen waren es die Sandhäuser, die nach der frühen Bremer Führung das Spiel an sich rissen. Nachdem sie das Spiel mit einem defensiven 4-5-1 begonnen hatten, stellten sie nun auf ein 4-2-3-1 um. Sie intensivierten vor allem ihre Angriffe über die Flügel. Sandhausen besetzte beide Seiten dreifach: Nicht nur die beiden Außenspieler boten sich hier an, es rückte zudem mindestens ein zentraler Mittelfeldspieler auf die Seiten. Dadurch zogen sie Werders Außenverteidiger immer wieder aus ihrer Position.

Werder verteidigte diese Situationen nicht klug. Wenn ein Außenverteidiger weit herausrückte, sicherte kein Kollege den offenen Raum ab. Sandhausen stieß direkt in diesem Raum vor und besetzte die Lücke. So kam der Gastgeber zu Chancen. Den Ausgleich erzielten sie jedoch nicht nach einem Spielzug über die Flügel, sondern nach einem Bremer Aussetzer im Spielaufbau (29.).

Markus Anfang mit Umstellungen nach der Pause: Werder Bremen in der Taktik-Analyse

Der 1:1-Ausgleich nötigte Markus Anfang, sein System umzustellen. Schon nach dem 1:1 änderte sich Werders Statik im Spielaufbau. Friedl rückte nun nicht mehr nach vorne, sondern bildete mit den beiden Innenverteidigern ein Trio im Spielaufbau. Agu agierte auf der anderen Seite wiederum wie ein klassischer Außenverteidiger. Er rückte weiter nach vorne und erlaubte es Außenstürmer Schmid, ins Zentrum zu ziehen.

Die Grafik zeigt die Schwächen von Werder Bremen in der Flügelverteidigung: Hinter den Außenverteidigern gab es Lücken, wie hier hinter Marco Friedl.

Nach knapp einer Stunde veränderte Anfang sein System weiter: Mit Niclas Füllkrug (57. Für Niklas Schmidt) brachte er einen zweiten Stürmer. Werder Bremen griff fortan in einem 4-4-2-System an. Später agierte Werder situativ sogar in einem 4-1-3-2. Dadurch erhöhte sich die Präsenz im Strafraum; im Spielaufbau schwächelte Werder weiterhin. Nur selten kamen sie an den kompakten Viererketten des Gegners vorbei, etwa wenn Marvin Ducksch auf die linke Seite auswich und hier Überzahlen schuf.

Der zusätzliche Spieler im gegnerischen Strafraum half Werder Bremen zumindest, den Supergau zu vermeiden. Wenige Minuten nachdem Sandhausen zur Führung traf (84.) – erneut ging ein Abspielfehler im Aufbau voraus -, antwortete Füllkrug mit dem Ausgleichstreffer (90+2.). So ersparte sich Werder zumindest eine Blamage. Die Fragen bleiben allerdings – vor allem nach der Taktik von Trainer Markus Anfang. Gegen Sandhausen ging der Plan A des Trainers schief, wie es bereits in der Vorwoche gegen Darmstadt geschehen war.

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