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Nach der DFL-Strafe: Werder Bremen will alle Rechtsmittel ausschöpfen

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Von: Björn Knips, Daniel Cottäus

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Werder Bremens Boss Klaus Filbry sagte auf Nachfrage der DeichStube, dass die Grün-Weißen die DFL-Strafe in Millionen-Höhe nicht akzeptieren und stattdessen alle verfügbaren Rechtsmittel dagegen einlegen werden.
Werder Bremens Boss Klaus Filbry sagte auf Nachfrage der DeichStube, dass die Grün-Weißen die DFL-Strafe in Millionen-Höhe nicht akzeptieren und stattdessen alle verfügbaren Rechtsmittel dagegen einlegen werden. © gumzmedia

Bremen – Diese Strafe tut dem SV Werder Bremen richtig weh – und das aus gleich mehreren Gründen. Deshalb will der Bundesligist alles versuchen, um die von der Deutschen Fußball Liga (DFL) angeordnete Sanktion rückgängig zu machen oder zumindest abzuschwächen. Werder soll wegen eines Verstoßes gegen Kapitalauflagen im Lizenzierungsverfahren 2,5 Millionen Euro bezahlen (wir berichteten) und war mit einem Antrag auf eine Rücknahme der Strafe wegen eines Sonderfalls bedingt durch die Corona-Pandemie und den Abstieg am Donnerstag bei der Vollversammlung der DFL in Frankfurt gescheitert. Doch das will Werder-Boss Klaus Filbry nicht akzeptieren.

„Es gibt Einspruchsmöglichkeiten, die werden wir vollumfänglich ausschöpfen und würden am Ende auch vor ein ordentliches Gericht gehen. Es gibt bei vielen Mitgliedern der DFL großes Verständnis für unsere Situation“, sagte Klaus Filbry am Freitag auf Nachfrage der DeichStube und betonte: „Wir sind nur aufgrund der Pandemie in das negative Eigenkapital gekommen. Durch den Abstieg kamen zusätzliche finanzielle Einschnitte auf uns zu.“ Also unverschuldet, so Filbry. Weil es vielen Clubs ähnlich ging, war das Verbot von negativem Eigenkapital ausgesetzt worden. Für das letzte Lizenzierungsverfahren galt dann, dass sich das vorhandene negative Eigenkapital nicht erheblich verschlechtern darf.

Bezogen auf Werders Geschäftsjahr vom 1. Juli 2021 bis 30. Juni 2022 war das für die Bremer eigentlich kein Problem, sie machten insgesamt sogar ein Plus von acht Millionen Euro, das negative Eigenkapital verbesserte sich von 20,3 Millionen Euro auf zwölf. Entscheidend dafür waren neben harten Sparmaßnahmen vor allem die hohen Transfererlöse im Sommer 2021 von 28 Millionen Euro. Diese Einnahmen wurden Werder Bremen dann aber zum Verhängnis, da die DFL im Lizenzierungsverfahren das Kalenderjahr betrachtet. Und ab dem 1. Januar 2022 gab es keine nennenswerten Transfererlöse, dafür aber höhere Kosten durch Aufstiegsprämien. Dadurch entstand wieder ein Minus beim Eigenkapital, was nun ursächlich für die Strafe ist.

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Werder Bremens Boss Klaus Filbry: „Es gibt Einspruchsmöglichkeiten, die werden wir vollumfänglich ausschöpfen“

„Natürlich war uns das bekannt. Wir hätten ein deutlich schlechteres Gesamtergebnis zur Vermeidung der Strafe in Kauf nehmen müssen, aber das wäre nicht zu verantworten gewesen. Wirtschaftlich unverantwortliches Handeln ist etwas, das wir vermeiden wollen“, meinte Klaus Filbry und fügte noch an: „Für uns ist es schwer nachvollziehbar, dass wirtschaftlich gute Arbeit mit einer Strafzahlung sanktioniert wird“, so der Boss des SV Werder Bremen. Die Ablösesummen durch Ratenzahlung auf mehrere Jahre zu verteilen, verändert die Lage hinsichtlich der DFL-Auflagen übrigens nicht.

Neben dem Einspruch gibt es allerdings noch eine andere Lösung: Werder Bremen könnte den von der DFL beanstandeten Fehlbetrag von 25 Millionen Euro, nach dem sich auch die Strafe berechnet (zehn Prozent), ausgleichen. Aber das ist völlig unrealistisch. Also wird Werder erst mal eine Beschwerde an die Verwaltung der DFL schicken. Weitere Instanzen wären dann das Präsidium und das Ständige Schiedsgericht der DFL, bis es vor ein ordentliches Gericht gehen könnte.

Werder Bremen hat 1,8 Millionen Euro und damit einen Teil der drohenden Strafe als Rückstellung in die Bilanz eingepflegt

Klaus Filbry hätte sich das alles gerne erspart, setzte dabei aber vergebens auf Solidarität in der Liga, was ihn enttäuschte. Nur 19 der 36 Clubs stimmten Werders Antrag zu, den Ermessensspielraum der DFL für diesen Sonderfall zu vergrößern und die Strafe anzupassen. Neun Vereine enthielten sich, sieben stimmten dagegen – vornehmlich Zweitligisten. Damit war die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit verpasst. Die Gegner wollten vor allem keinen Präzedenzfall schaffen. Und es ist gewiss nicht von Nachteil, wenn ein Wettbewerber in der Liga und auf dem Transfermarkt weniger Geld zur Verfügung hat. Werder Bremen hat bereits vorsorglich reagiert und einen Teil der drohenden Strafe (1,8 Millionen Euro) als Rückstellung in die Bilanz eingepflegt, wodurch das Jahresergebnis von acht Millionen Euro auf 6,2 Millionen Euro sank.

Ähnliches wie Werder Bremen widerfährt gerade auch dem 1. FC Nürnberg, dessen Strafe aber nicht siebenstellig sein soll. Union Berlin, der VfL Bochum, Arminia Bielefeld und der Schalke 04 wiesen zuletzt ebenfalls ein negatives Eigenkapital auf, verstießen dabei aus verschiedenen Gründen aber nicht gegen die Kapitalauflagen. (kni/dco)

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