Eine Betrachtung von Heiko Witt vor der Saison 2011/2012: Spaß ist schön, doch der Leistungsgedanke kommt zu kurz

Wohin will der Inselfußball eigentlich?

Eine Szene aus dem letzten Derby: Wohin will der Inselfußball eigentlich? ·

Fehmarn - FEHMARN · Alles wartet auf den Start in die neue Saison 2011/2012. Wirklich ? Ist die Euphorie so groß ?

Die Fans auf der Insel dürfen sich wieder freuen auf viele Nord- und Inselderbys, doch von höherklassigem Fußball wagen sie nicht einmal zu träumen.

Genau da liegt der Knackpunkt, wenn man den Inselfußball betrachtet. Ob in der Jugend oder bei den Herren – die Verbandsliga scheint fast unerreichbar. Eine Ausnahme bildete in der letzten Saison die JSG-D-Jugend, die sich in einer Vorquali in den Verband spielte, zwar Letzter wurde, doch sicher einiges gelernt haben dürfte.

Von der Fusion der Fußballsparten des SV Fehmarn und des RSV Landkirchen als logische Folge der Jugendsportgemeinschaft Fehmarn, sprechen wir hier ausdrücklich nicht. Denn sie war nun mal nicht gewollt. Das ist zu respektieren. Doch eine Spitze muss sein: Es kam uns in den Sinn, den RSV und den SVF in unserer morgen erscheinenden Saisonprognose punkt- und torgleich auf Platz fünf zu tippen ...

So bleibt umso mehr die Frage: Wohin will der Inselfußball eigentlich?

Kurz vor dem Start gibt es durchaus einige Irritationen. Die Trainer des SV Fehmarn, des RSV Landkirchen und des TSV Westfehmarn bekennen freimütig, dass die Vorbereitung „nicht optimal“ gelaufen sei. Man kann es deutlicher sagen: Es wurden nicht die Grundlagen geschaffen, um in den jeweiligen Klassen mit der Spitze mitzuhalten. Man könnte es wahrscheinlich noch deutlicher sagen: Titelkampf geht anders. Und Sponsoren stehen auch nicht Schlange.

Der Stellenwert des Fußballs nimmt ab. Gab es vor knapp 20 Jahren noch 111 Mannschaften im Kreisfußballverband Ostholstein sind es jetzt nur noch 93. Ausgerechnet auf Fehmarn indes meldet eine Mannschaft hinzu: der RSV Landkirchen hat eine „Dritte“. Es gibt also immerhin acht Fußballteams auf Fehmarn in der kommenden Saison. Es macht eben Spaß und das ist schön.

Doch wo ist der Leistungsgedanke?

Keine Frage, die Kreisliga Ostholstein Herren hat nach wie vor einen verhältnismäßig hohen Stellenwert. Darüber spielen nur sechs ostholsteinische Mannschaften: Strand 08 in der Schleswig-Holstein-Liga und der Oldenburger SV, Eutin 08, der Sereetzer SV, der TSV Pansdorf und Strand 08 II in der Verbandsliga.

Wer also Tabellenführer in der Kreisliga ist, wäre, gebe es eine Rangliste des Kreisfußballverbandes, die Nr. 7 von 93 Teams.

Testspielergebnisse sind Schall und Rauch, doch viele horchten auf, als es hieß, der SV Fehmarn verlor gegen die A-Junioren des Oldenburger SV mit 2:7 (bittererweise verletzte sich SVF-Libero Marco Kohlscheen schwer am Innenband).

Beim OSV spielen einige Talente der Insel: Thor-Arne Höfs, Daniel Junge, Freddy Kaps, André Petersen, Jan-Hendrik Seefeldt und Max Nupnau. Ronny Marcos bekam einen Internatsplatz bei Hansa Rostock.

Natürlich ist es richtig, die Talente gehen zu lassen, damit sie sich entwickeln können. Doch den Spieß umzudrehen und selbst Talente auf die Insel zu holen, wie es durchaus einmal das Konzept der JSG war, das wird scheinbar nicht verfolgt. Damals hatte die JSG den Anspruch, neben Eutin 08 und dem OSV dritte Hochburg im Kreis zu sein und die Nr. 1 im hohen Norden.

Die Regel ist denkbar einfach und gilt für den Herren- wie für den Jugendfußball: Kreisliga verzieht Talente, Verbandsliga zieht Talente.

Da bei der JSG die Trainer vor sich hinwurschteln und ein neues Konzept überfällig ist, leidet der Leistungsgedanke schon in der Jugend.

Die JSG A-Junioren verlieren im Test gegen die OSV A-Junioren 0:14, der RSV Landkirchen 1. Herren verliert gegen die Verbandsliga-Herren des OSV mit 1:8. Im Moment ist der Oldenburger SV in jeder Hinsicht mindestens eine Nummer größer als der Inselfußball.

Es muss auf Fehmarn in den kommenden Jahren Kompetenz, die durchaus vorhanden ist, gebündelt werden.

Es muss auch einen gesunden Leistungsgedanken geben, der im Moment viel zu kurz kommt.

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