Weit über 800 „Freunde“ kommen, um Kevin zu unterstützen / St. Pauli: Eine Selbstverständlichkeit, dass wir kommen

Großartige Resonanz auf Benefiz-Aktion

+
Gut gefüllt war am Dienstag das Stadion am Schauenburger Platz.

OLDENBURG · In der Not rücken die Menschen enger zusammen, sie helfen sich gegenseitig, doch beim Benefizspiel „Kick it for Kevin“ hatte mit einer derartigen Resonanz wirklich niemand gerechnet. So waren am Dienstag weit über 800 Besucher in das weite Rund des Oldenburger Stadions gekommen, um beim Freundschaftsspiel zwischen den B-Junioren-Teams des Oldenburger SV und des FC St. Pauli dabei zu sein und auf diese Weise den vor fünf Wochen schwer verunglückten Kevin Bischof aus der B-Junioren-Elf des OSV (wir berichteten) sowie seine Familie zu unterstützen.

„Es war für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir gekommen sind“, stand für St. Paulis Co-Trainer Dieter Schiller außer Frage, sich in den Dienst der guten Sache zu stellen. Und das taten auch die Zuschauer, die fleißig spendeten, um der Familie des 15-jährigen Kevin Bischof, der bis Dienstag in der Uni-Klinik Lübeck lag und für den am Mittwoch in Geesthacht die erste Reha-Maßnahme startete, auch finanziell zu helfen.

„Zunächst müssen Kevins Muskeln wieder aufgebaut werden, dann stehen weitere Operationen an, ehe es erneut in die Reha geht“, umreißt Yvonne Borgwardt, Mutter des 15-Jährigen, den Umfang der anstehenden Maßnahmen, die dazu dienen, dass ihr Sohn möglichst schnell wieder auf die Beine kommt. „Es ist ein langer Prozess, aber er ist ein Kämpfer“, weiß auch Stiefvater Julian Borgwardt.

Mit etwas Verspätung waren die Paulianer in Oldenburg eingetroffen, denn bis 16 Uhr waren die Jungs noch in der Schule, dann der Berufsverkehr in Hamburg – da dauert es einige Zeit, bis Ostholstein erreicht ist. Doch auch schon vor dem Spiel war einiges los im Stadion. So hatte Initiator Christian Kröger, gleichzeitig Trainer der B-Junioren des OSV, unter anderem den Kreisfußballverband Ostholstein gewinnen können, der mit einer Torschussgeschwindigkeitsmessanlage vor Ort war und die E-Junioren-Kreisauswahl in ein Freundschaftsspiel gegen die FSG Oldenburg-Putlos ins Rennen schickte. Mitorganisator Roland Dieckmann hatte die DAK als Unterstützer mit ins Boot geholt, sodass am Info-Stand mehr als 300 Euro gesammelt wurden und der OSV in „Kick-it-for-Kevin“-Trikots auflaufen konnte. Der NDR war ebenfalls vor Ort, um am Mittwoch auf N 3 im Rahmen des „Schleswig-Holstein-Magazins“ über die Veranstaltung zu berichten, während freiwillige Helfer aus der OSV-Jugendabteilung zahlreiche Bratwürste zugunsten des Verunglückten verkauften.

Voigt: „Danke, dass er solche Freunde hat“

Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt (l.) spricht Christian Kröger (m.) seinen Dank aus für die großartige Initiative, rechts Bürgervorsteher Helmut Schwarze.

So sprach Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt, der gemeinsam mit Bürgervorsteher Helmut Schwarze Gast der Veranstaltung war, der so zahlreich erschienenen Besucherschar, darunter Kevins Lensahner Klassenkameraden sowie ein Teil des an der Grund- und Gemeinschaftsschule Lensahn unterrichtenden Lehrerkollegiums, seinen Dank aus. Gleichzeitig hoffe er, dass durch die große Unterstützung der Grundstein dafür gelegt werden könne, dass Kevin wieder Spaß und Freude am Leben haben kann. „Danke, dass er solche Freunde hat“, gab Voigt das Lob weiter an Christian Kröger, Initiator der Benefizveranstaltung. „Was hier heute abgeht, ist unbeschreiblich, es ist das Größte, was ich in 18 Jahren Trainertätigkeit erlebt habe“, zeigte sich Kröger überwältigt vom großen Zuspruch. Einen Großteil zum Erfolg beigetragen hat sicherlich das soziale Netzwerk „facebook“, über das vor allem zahlreiche jugendliche „Freunde“ den Weg ins Oldenburger Stadion gefunden hatten.

Es wurde an diesem Abend aber auch Fußball gespielt. Gegen die in der Bundesliga Nord antretenden und von Ex-Profi „Hansi“ Bargfrede trainierten B-Junioren des FC St. Pauli hielt sich der Oldenburger SV recht wacker. Beim 0:5 (0:2) hatte er zum Ende der Spielzeit sogar gute Möglichkeiten auf das Ehrentor, das der Kröger-Elf aber verwehrt blieb.

Das rein Sportliche stand an diesem Abend aber ohnehin im Hintergrund, es ging um Kevin. Allein an Spenden und dem Erlös aus einer Tombola waren rund 2 000 Euro zusammengekommen. Der Erlös aus der Gastronomie steht noch aus. Der FC St. Pauli verzichtete auch auf seine Fahrkosten. Wie Roland Dieckmann gegenüber der HP äußerte, habe „Hansi“ Bargfrede ihm in einem Gespräch mitgeteilt, dass der Betrag aus der Mannschaftskasse genommen werde.

So viel Hilfsbereitschaft lässt auch Kevins Mutter warm ums Herz werden: „Es kamen wildfremde Menschen auf mich zu, umarmten mich und sprachen mir und Kevin Mut zu“, so Yvonne Borgwardt überwältigt.

Am 26. September kommt VfB Lübeck

Mittlerweile ist die zweite Benefizaktion perfekt, denn Regionalligist VfB Lübeck hat seine Zusage gegeben, am 26. September um 19 Uhr in Oldenburg ein Benefizspiel gegen den Oldenburger SV zu absolvieren. „Wir freuen uns, dem Jungen helfen zu können“, bekräftigte VfB-Geschäftsstellenleiter Florian Möller gegenüber dem OSV.

Weiterhin können Freunde und Gönner auf dem Spendenkonto der VR Bank Ostholstein Nord-Plön eG (BLZ: 213 900 08, Kto: 610 000 477) unter dem Stichwort „Kick it for Kevin“ spenden. · hö

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.