Nach 1:0-Pausenführung noch 1:6 beim Meister NTSV Strand 08 / Kaum zu glauben: Platz zehn!!!

SV Heringsdorf 45 Minuten top

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Kevin Rehberg (r.) kann Enis Gashi im letzten Moment den Ball wegspitzeln.

HERINGSDORF (hö) · 16 Spiele in der Rückserie hatte Wolfgang Ruge, der nach der Winterpause das Traineramt beim SV Heringsdorf übernahm, sein Team stets 90 Minuten lang an der Seitenlinie stehend laustark dirigiert. Am Sonnabend bei der bedeutungslosen Partie beim Meister NTSV Strand 08 – der Klassenerhalt in der Verbandsliga Südost war bekanntlich am letzten Wochenende in Siems realisiert worden – hatte er es sich hingegen bequem gemacht auf der Auswechselbank. Von hier aus verfolgte er stressfrei und äußerlich fast regungslos das 1:6 (1:0). Die entscheidende Arbeit war ja 16 Spiele zuvor verrichtet worden.

„Es war eine tolle Rückserie“, freute sich Ruge rückblickend. Das letzte Spiel ohne Abstiegssorgen über die Bühne bringen zu können, das habe er zwar gehofft, doch richtig daran geglaubt, das habe er nicht, gestand der „Retter-Coach“. So muss der 50-Jährige wohl betitelt werden, denn nach der Hinserie hatte der Aufsteiger gerade einmal zwölf magere Zähler auf dem Konto, sodass die Blau-Weißen als einer der heißesten Abstiegskandidaten galten. Der Trainerwechsel – Wolfgang Ruge für Karsten Jark – brachte jedoch neuen Schub und schier unfassbare 26 Punkte aus 17 Spielen.

Und im ersten Spielabschnitt knüpften die Blau-Weißen am Sonnabend auch an die Erfolge der letzten Wochen an. Nach hinten standen sie sehr diszipliniert, auch die Offensivkräfte stellten die Räume gut zu und die Entlastungsangriffe wurden strukturiert vorgetragen.

Die Folge: Der ohne den letzten Biss spielende Meister musste bis zur 19. Minute warten, ehe Torjäger Philipp Baasch den ersten Schuss aufs Heringsdorfer Tor abgab, Keeper Sven Flindt dabei aber vor keine große Bewährungsprobe gestellt wurde. Ganz keck hingegen der SVH, der im Mittelfeld den Ball abfing, Christian Heinritz einfach mal abzog, 08-Torhüter Sunny Singh die Lederkugel nicht festhalten konnte und Marcel Gebert (21.) seinen Torriecher unter Beweis stellte, indem er gekonnt zur Führung abstaubte. Gebert trug am Sonnabend die Kapitänsbinde – vielleicht war‘s noch einmal eine besondere Motivation, eine gute Partie für den SVH abzuliefern, und möglicherweise überlegt er sich ja doch noch einmal seine kürzlich angekündigte Rückkehr in seine Heimat Mecklenburg-Vorpommern.

Gebrauchen können ihn die Blau-Weißen allemal, wie eine weitere Szene verdeutlichte, als wieder sein Torriecher gefragt war. Enis Gashi (31.) hatte abgezogen, sein leicht abgefälschter Schuss landete vor den Füßen Geberts, doch nun hatte Singh das bessere Ende für sich. Per Fußabwehr verhinderte er das 0:2.

Und was war mit dem „Hunderter-Sturm“ des Gastgebers? Der war zunächst kaum präsent, wenngleich die Ruge-Elf auch Glück hatte bei einem Latten-Kopfball von Bastian Zeh (30.) sowie einer „Hundertprozentigen“ von Baasch (35.), die dieser sich normalerweise nicht entgehen lässt. Dann war die erste Hälfte vorbei und SVH-Keeper Sven Flindt stellte ein wenig ungläubig fest: „Die Halbzeit haben wir gewonnen.“

Im zweiten Spielabschnitt gab‘s dann aber nicht mal mehr einen Blumentopf zu gewinnen für den SVH. Strand 08 machte nun ernst. Der gerade 30 Sekunden auf dem Platz stehende Manuel Manuel Plähn (52.) traf zum Ausgleich und Torjäger Philipp Baasch machte schließlich sein 39. und 40. Saisontor (53., 60.). Von da an spielte nur noch der Meister, der durch Gohrke (66.), Stahl (80.) und Zeh (83.) drei weitere Treffer erzielte.

Zum Schluss also doch noch eine Abfuhr für den SV Heringsdorf. Aber wirklich gestört hat es kaum noch jemanden, denn der Blick auf die Tabelle wird nicht nur bei den Heringsdorfer Fußballfans noch einige Tage eine gewisse Ungläubigkeit hervorrufen: Platz zehn für den besten Aufsteiger – direkt hinter dem Oldenburger SV und dem TSV Pansdorf. Wer hätte das gedacht ?

SVH: Flindt – Rosenthal – Ruske, Boldt (46. Thielmann) – Heinritz, Albrecht, Antunes, Meyer, Wölk – Gebert, Gashi.

Beste Spieler: Rosenthal, Heinritz.

Gelb-Rote Karte: (81.) Rosenthal (Heringsdorf), wegen Ballwegschlagens.

Schiedsrichter: Gastrock (GH Neumünster), gut.

Tore: 0:1 (21.) Gebert, 1:1 (52.) Plähn, 2:1 (53.) und 3:1 (60.) Baasch, 4:1 (66.) Gohrke, 5:1 (80.) Stahl, 6:1 (83.) Zeh.

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