Saisonrückblick Kreisliga: Abstieg des TSV Gremersdorf logische Konsequenz aus Trainerroulette und fehlender Teamfitness

HP/FT-Cup-Gewinn nährt die Sorglosigkeit

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Abstieg: Nach dem 2:4 beim SV Hansühn am letzten Spieltag schlägt Fabian Kunkel niedergeschlagen die Hände vors Gesicht.

GREMERSDORF · Als der TSV Gremersdorf an einem Freitag, dem 13., im Januar sensationell den HP/FT-Cup vor zahlreich jubelnden Fans in der Burger Großsporthalle in die Höhe reckte, da war die Fußballwelt des TSV wieder in Ordnung. Die Winterzugänge Pascale Janner und Alexander Pries sowie Freddy Kohlscheen hatten unterm Hallendach voll eingeschlagen, sodass der Klassenerhalt kein Problem zu sein schien. Doch der Cup-Gewinn verschleierte offenbar den Blick für die Realität. Die Folge: nach dreijähriger Klassenzugehörigkeit Abstieg aus der Kreisliga.

„Mit dem Kader darf man nicht absteigen“, hatte Obmann Stefan Schlüter vor dem Rückrundenstart im März noch vollmundig getönt. Es kam ganz anders. Pascale Janner, als Top-Scorer vom OSV II im Winter nach Gremersdorf gewechselt, brachte es gerade einmal auf zwei magere Treffer, davon war einer noch ein Strafstoß. Alexander Pries, nie wirklich fit, netzte auch nur zwei Mal, sodass die personelle Spritze des OSV wirkungslos blieb.

Es knirschte ganz gewaltig im Team-Korsett. So setzte sich die Ende der Saison 2010/11 gestartete Trainer-Posse nahtlos fort. Erst sagte der neu verpflichtete Rainer Gosch am 30. Juni 2011 überraschend ab, dann rückte wieder Thorsten Herrmann-Matthies nach, der zuvor den zurückgetretenen Wolfgang Ruge beerbt hatte. Herrmann-Matthies hatte es nicht leicht, eine wirkliche Handschrift war aber nicht zu erkennen, dem Team fehlte es an einer stabilen Struktur. Zwei Spieltage vor Schluss trennte man sich dann nach dem vorentscheidenden 0:1 beim Mitkonkurrenten FC Scharbeutz von Herrmann-Matthies, um A-Juniorencoach Manfred Urban retten zu lassen, was nicht mehr zu retten war. Urban sprach dann auch offen das Hauptdefizit an: fehlende Kondition wegen mangelnder Trainingsbeteiligung. Und vor dem letzten Spiel in Hansühn verabschiedete sich schließlich noch Stefan Schlüter – er legte sein Amt als Fußballobmann nieder.

Eine wirkliche Katastrophensaison, in der der TSV Gremersdorf nur höchst selten positive Schlagzeilen verbreiten konnte. Die zwei Siege gegen Pönitz waren nicht der Rede wert, gegen das abgeschlagene Schlusslicht gewann fast jeder. Erwähnenswert waren eher schon das 1:0 gegen den SV Fehmarn oder das 2:2 beim TSV Malente und 1:1 in Lensahn. Der 3:0-Erfolg gegen den OSV II kam viel zu spät, das Kind war schon zu tief in den Brunnen gefallen.

Fabian Steinfeld schmerzlich vermisst

War der TSV Gremersdorf in Rückstand geraten, dann war es eigentlich schon um ihn geschehen, denn Druck auf den Gegner ausüben konnte er in der Regel nie. Und derjenige, der die Ärmel aufkrempeln kann, der fehlte verletzungsbedingt die komplette Rückrunde: Fabian Steinfeld. So lag im Mittelfeld die Last viel zu häufig auf Patrick Eichholz. Fabian Kunkel erzielte zwar zwölf Treffer, doch bei ihm fehlte wie bei anderen im Abschluss die Konsequenz. Es wurden einfach zu viele Torchancen vergeben.

In der Fair-Play-Wertung zierte der TSV mit der Svg. Pönitz ebenfalls das Tabellenende. Sechs Gelb-Rote- sowie eine Rote Karte sprechen für sich. So war der Abstieg eigentlich folgerichtig und unausweichlich.

So schön der erstmalige Gewinn des HP/FT-Cup auch war – er trug wohl auch dazu bei, dass das Unternehmen Klassenerhalt zu sorglos angegangen worden war. Elf Punkte in der Hinrunde und zwölf in der zweiten Halbserie reichen eben nicht. · hö

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