Oldenburger SV 1:0 über Lensahn / Philip Emmrich drohte zu ersticken, gestern aus Klinik entlassen

Zusammenprall überschattet Derby

In Sorge um Philip Emmrich: Marc Gottorf (m.) kümmert sich um seinen am Boden liegenden Mannschaftskameraden, der wenig später ins Krankenhaus eingeliefert wird. Rechts Bruder Christoph Emmrich, links der Lensahner Betreuer Volker Schranz. Foto: Höppner

OLDENBURG (hö)  • Das kampfbetont geführte Verbandsliga-Derby zwischen dem Oldenburger SV und dem TSV Lensahn, das 1:0 (0:0) endete, wurde überschattet von einen schweren Zusammenprall (48.) zwischen dem Lensahner Eric Prieß und OSV-Routinier Philip Emmrich.

Nach einem Kopfballduell in Höhe der Mittellinie sackte Emmrich zusammen. Er verlor das Bewusstsein und verschluckte die Zunge. Ein unter den Zuschauern anwesender Rettungssanitäter leistete sofort Erste Hilfe und bewahrte Emmrich vor dem Ersticken.

„Das war dramatisch, er war 30 Sekunden weg“, beschrieb Holger Bötcher, Co-Trainer des OSV, das Geschehen unmittelbar nach dem Zusammenprall. Emmrich wurde anschließend mit dem Rettungswagen in die Oldenburger Klinik eingeliefert. Eric Prieß, der einige Minuten benommen war, konnte nach 18-minütiger Spielunterbrechung mit einem „Horn“ an der rechten Schläfe weiterspielen. Kurzfristig war überlegt worden, die Partie abzubrechen, doch dann entschieden sich beide Teams zur Wiederaufnahme der Begegnung.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die 160 zahlenden Zuschauer ein enges, aber kein schönes Spiel zu sehen bekommen. Den Spielern muss man zugutehalten, dass auf dem tiefen und unebenen Platz technische Feinheiten keine Chance hatten. Allerdings wurde die Partie über weite Strecken von beiden Seiten verkrampft und hektisch geführt.

Die Gäste hatten gegen die nur mit einer Spitze (Mario Markmann) angetretenen Gastgeber den besseren Start, sie verpassten aber den möglichen Führungstreffer. Maik Lindhorst blockte einen Schuss von Malte Siewert (9.) ab, Eric Prieß (12.) und Christoffer Köhler (17.) verpassten auf den zweiten Pfosten gezogene Flankenbälle nur knapp. Mitte der ersten Hälfte konnte der OSV sich aber befreien und selbst einige offensive Akzente setzen. Gefahr für das Lensahner Tor drohte aber höchstens nach Eckbällen oder bei weiten Reise-Einwürfen. Für TSV-Keeper Karsten Knorr gab es bis zur Pause aber trotzdem nichts Ernsthaftes zu halten. Auf der anderen Seite musste sich OSV-Torsteher Marcel Heisler nur ein einziges Mal strecken, als eine 40 Meter-Flanke von Andre Patzer (35.) immer länger wurde und Heisler die Lederkugel gerade noch über den Querbalken lenken konnte. So ging das 0:0 zur Pause in Ordnung.

Im zweiten Spielabschnitt wirkte sich die Einwechslung von Patrick Gütschow belebend für die Angriffsbemühungen des OSV aus. Im TSV-Strafraum war zumindest kurzzeitig mal was los. So rutschte erst Felix Wenn (56.) an einen der Einwürfe von Christian Reise vorbei, während Patrick Gütschow (60.) nach einer Ecke plötzlich frei war, er jedoch aus drei Metern am großartig reagierenden Karsten Knorr scheiterte. Dann kamen 15 starke Minuten der Gäste, die plötzlich Druck aufbauten und den OSV in der eigenen Hälfte einschnürten. Doch gefährlich zum Abschluss kam der TSV nur ein einziges Mal, als der in der zweiten Hälfte auftauende Malte Siewert (66.) Marcel Heisler im OSV-Tor zu einer Glanztat zwang.

Alles in allem war es zu wenig, was die Gäste aufs OSV-Tor brachten. Trotzdem fiel die Führung der Gastgeber etwas überraschend durch den aufgerückten Alexander Hasler (76.), der am zweiten Pfosten stehend einen Eckball mit dem Tor des Tages abschloss. Da die Gäste Andre Patzer im Anschluss durch Gelb-Rot verloren, brachten sie sich selbst um die Chance auf ein besseres Resultat. Der OSV hatte keine Mühe mehr, in Überzahl den Vorsprung über die Zeit zu bringen. Mit etwas Glück hätte er durch Philip Nielsen (84.) und Christian Reise (88.) sogar noch den zweiten Treffer erzielen können, an Karsten Knorr kamen sie aber nicht vorbei.

Nach dem Schlusspfiff war der Siegesjubel eher verhalten, da noch Ungewissheit ob der Schwere der Verletzung Emmrichs herrschte. „Hochachtung vor meiner Mannschaft“, zollte OSV-Coach Andreas Brunner seinem ersatzgeschwächten Team großen Respekt, wie sie die schwierige Situation nach Emmrichs Ausscheiden meisterte. Ein Blick auf die Tabelle zeigt aber, dass dieser Dreier lebenswichtig war für den OSV. Die Lensahner schmerzt die Niederlage weniger, wenngleich sie aus ihrer Sicht unnötig war. Richtig rund läuft es beim Aufsteiger derzeit wohl nicht, denn „am Dienstag waren nur vier Leute beim Training“, kritisierte Co-Trainer Michael Johnsen.

Die beste Nachricht für den OSV kam dann am Sonntagnachmittag, denn Emmrich durfte das Krankkenhaus – wohl mit einem Brummschädel – wieder verlassen. Und auch Eric Prieß suchte nach dem Spiel noch einmal das Krankenhaus auf. Nach Mitteilung von Michael Johnsen hat aber auch er nur eine Gehirnerschütterung davongetragen. Mittlerweile ist Prieß ebenfalls aus dem Krankenhaus entlassen worden.

OSV: Heisler – Brandt, Hasler, Lindhorst, Gerkens – Emmrich (49. Gütschow), Reise, Nielsen, Wenn, Prvetica – Markmann (80. Lietzow).

Beste Spieler: Lindhorst, Heisler, Emmrich.

Lensahn: K. Knorr – Patzer, Grunert, O. Knorr, Dora – Siewert, Becker, Prieß, Neuhäuser (46. S. Knorr) – Ratzwill, Köhler.

Beste Spieler: O. Knorr, K. Knorr.

Gelb-Rote Karte: (76.) Patzer (Lensahn), wegen Reklamierens.

Schiedsrichter: Puck (SC Kaköhl), verlor nach der Pause die Linie.

Tor: 1:0 (76.) Hasler.

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