Afrika bereitet Caster Semenya einen Helden-Empfang

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800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya

Johannesburg - Afrika ist über den Leichtathletik-Weltverband empört: Der Geschlechtstest der 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya sei ohne Wissen der Sportlerin geschehen. Das ganze Land steht nun hinter Caster.

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In Afrika gerät die Glaubwürdigkeit des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF durch den Geschlechtstest der südafrikanischen Ausnahme-Läuferin Caster Semenya zunehmend ins Zwielicht. Wie selten zuvor vereint die Empörung über den Umgang mit der 800-Meter-Weltmeisterin alle Rassen- und Klassengrenzen hinweg die Bevölkerung des jungen Nach-Apartheid-Staates. Der hatte sich seit längerem schon über hartnäckige europäische Zweifler an seiner Organisation der Fußball-Weltmeisterschaft vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 geärgert.

In geradezu trotziger Solidarität wird der jungen Sportstudentin Semenya daher bei der Rückkehr in die Heimat an diesem Dienstag ein heldenhafter Empfang vorbereitet. Landesweit sind zudem Proteste gegen den Test geplant, der nach Angaben der Zeitung “Rapport“ ohne Wissen der Sportlerin vorgenommen wurde. Er wird als bösartige Attacke auf die Würde der afrikanischen Frau interpretiert - und das ausgerechnet in einem Monat, der am Kap eben jener Frauenwürde gewidmet ist. Der Protest zieht derweil immer größere Kreise.

Der Verband der afrikanischen Sportler (CAA) forderte den IAAF zu einer Entschuldigung auf, berichtete die Zeitung “The Sowetan“, die auf ihrer Titelseite meinte: “Afrika vereint hinter Caster“. Schwarz und Weiß schreckt selbst vor harschen Anschuldigungen nicht zurück und vermutet chauvinistische, rassistische oder sexistische Motive. Südafrika hatte bisher nur wenige Athleten, die eine Goldmedaille für den Nach-Apartheid-Staat holten. Umso schlimmer traf ihn daher die Kontroverse um die 18 Jahre alte Goldmedaillen-Gewinnerin von Berlin, die wie in einem schönen Märchen durch Willensstärke, hartes Training und aus armen Verhältnissen nach ganz vorne rannte.

Sie war zum Geschlechtstest aufgefordert worden, nachdem ihre tiefe Stimme, ihr muskulöser Körperbau und ihre schnelle Leistungssteigerung Zweifel an ihrem Geschlecht hatten aufkommen lassen. Die öffentlich geäußerten Zweifel ließen am Kap jedoch Vergleiche mit einer berühmten Buschmann-Frau aufkommen, die im kolonialen Europa einst mit ihrem ausladenden Hinterteil als Monströsität zur Schau gestellt wurde. Die junge Sportlerin selbst hat sich nach Angaben aus ihrem Umfeld bisher weitgehend gelassen gezeigt. Dennoch sitzt der Schock tief, meint der Chef des nationalen Athletikverbands, Leonard Chuene: “Sie wird Behandlung benötigen und muss zu einem Psychologen gehen.“

dpa

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