Massa: Die Rückkehr

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Das blanke Entsetzen im Blick: Felipe Massa, das verletzte linke Auge zugeschwollen, wird am 25. Juli 2009 von den Helfern in Budapest geborgen.

Budapest - Nein, es ist nicht einfach ein Formel-1-Fahrer, der da spricht. Wenn Felipe Massa vor dem Grand Prix von Ungarn in Budapest redet, dann geht das viel tiefer.

 „Ich weiß, wie schnell es vorbei sein kann. Deswegen lebe ich jetzt viel bewusster, die einfachen Dinge im Leben kann ich jetzt zehnmal mehr genießen als das vor meinem Unfall der Fall war.“ Der Unfall, das war für Massa und die gesamte Formel 1 ein massiver Schock. Massa gibt heute zu, dass der Crash, bei dem ihm eine Stahlfeder des Autos seines Landsmannes Rubens Barrichello mit 240 km/h an den Helm geflogen ist, sein Leben verändert hat. Massa: „Nicht im Rennauto, aber in meinem übrigen Leben.“

Jetzt kehrt Massa an die Stätte zurück, an der er im letzten Jahr dem Tod von der Schippe gesprungen war, wo er zwischenzeitlich im künstlichen Koma gelegen hatte und sein Leben am seidenen Faden hing. Massa: „Zuerst werde ich mich mit den Streckenposten und den Streckenärzten treffen, um mich noch mal herzlich zu bedanken. Sie haben durch ihre schnellen Reaktionen mein Leben gerettet.“ Massa philosophiert in einer Weise, die fast an das Denken seines intellektuellen und in­trovertierten Landsmannes erinnert – an Ayrton Senna, der 1994 in Imola tödlich verunglückte Nationalheld Brasiliens. Massa: „Ich fühle mich erst jetzt als Mensch.“

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Bei Ferrari allerdings ist er seit Hockenheim ein Mensch zweiter Klasse, in Bezug auf seinen Teamkollegen Fernando Alonso, den „König im Ferrari-Team.“ Er darf nur noch gewinnen – soviel ist jetzt klar – wenn Alonso nicht direkt hinter ihm liegt. Und diese Erkenntnis muss für den Brasilianer bitter sein – gerade jetzt, wo er nach Budapest zurückkehrt, der Stätte seiner Wiedergeburt. Aber dort muss er die Gedanken an die Vergangenheit schnell vertreiben. Denn Massa muss nun definitiv sportlich für Furore sorgen, sonst droht ihm in der Heimat ein Fiasko in der Fan-Gunst: Nach dem Stallorder-Skandal von Hockenheim hat er daheim in Anlehnung an Rubens Barrichellos Rolle als „Schumacher-Sklave“ zu Ferrari-Zeiten den Beinamen „Rubens“ bekommen. Und als zweiter Mann mit zuletzt drei Ausfällen (Montreal, Valencia, Silverstone) steht er auch nicht auf der Liste der WM-Kandidaten, was weitere Stallregie wahrscheinlich macht. Bitter – aber so ist das Geschäft. „Uns ist egal, was bei den anderen Teams passiert, wir müssen uns auf uns konzentrieren und zurückschlagen“, sagt dazu beispielsweise der WM-Vierte Sebastian Vettel. Und Massa? Der will jetzt Rennen für Rennen um den Sieg fahren – und vor allem in Budapest genießen, dass er überhaupt noch fährt.

Ralf Bach

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