Riesch: Riesen-Vorfreude auf München

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Maria Riesch freut sich

Semmering - Für Maria Riesch war der Zauberlauf zum zweiten Slalom-Platz von Semmering ein “perfekter Jahresabschluss“, nun geht der Blick nach vorn.

Am Abend seines Geburtstags musste Siegfried Riesch eine schwere Prüfung als Ski-Vater bestehen. Zwei Meter entfernt hockte seine 23-jährige Tochter Susanne am Fuß des Zauberbergs schluchzend im Schnee - auf der Leinwand sah er die drei Jahre ältere Maria über ihren zweiten Slalom-Platz im österreichischen Semmering jubeln.

“Ich hätte es Susanne wirklich mal gegönnt, dass sie vor ihr ist“, sagte der 54 Jahre alte Partenkirchner im Flutlicht und klopfte der jüngeren Schwester, die im zweiten Durchgang von Rang 4 auf 15 zurückgefallen war, auf die Schulter. “Aber ihre Zeit wird kommen.“ Wenn auch noch nicht in München, wo am Sonntag der Parallel-Slalom als nächstes Rennen ansteht.

Am Semmering überstrahlte Maria Riesch mit ihrem siebten Podestplatz im WM-Winter nach einem Zauberlauf von 17 auf 2 und dem “perfekten Jahresabschluss“ wieder einmal alles. Mit 121 Zählern Vorsprung auf Lindsey Vonn (USA) feiert die Führende im Gesamtweltcup Silvester. Ungewohnt offensiv sprach sie zuvor über ihr Punkte-Duell mit der in Österreich ausgeschiedenen Rivalin und Freundin, das sie angesichts der Heim-WM eigentlich stets weit im Hinterkopf wähnte. “Lindsey ist schon schwer zu schlagen in den Speeddisziplinen, da muss man seine Chancen nutzen.“

2010 haben die deutschen Skirennfahrerinnen nur wenige Möglichkeiten ausgelassen zu glänzen. Drei Olympiasiege der “Sportlerin des Jahres“ Maria Riesch und Viktoria Rebensburg, Kristallkugeln für Riesch und Kathrin Hölzl - und auch in der neuen Saison gab es bereits drei Weltcup-Erfolge und 13 Podiumsplätze zu feiern. “Wir sind außergewöhnlich zufrieden mit unseren Leistungen“, resümierte Alpin-Direktor Wolfgang Maier. “Wir hatten 2006 das Ziel ausgegeben, 2010 wieder zu den Topsportarten in Deutschland zu gehören. Das haben wir bei den Frauen mehr als erreicht.“

Auch das Herren-Team um Felix Neureuther und Stephan Keppler, der bei der Abfahrt in Bormio als Neunter das beste deutsche Ergebnis überhaupt einfuhr, sieht der Alpin-Chef auf “einem guten Weg“. Während sich Neureuther dank Wildcard als einziger deutscher Teilnehmer seit einigen Tagen in Garmisch auf den Parallel-Slalom am Dienstag in München vorbereitet, starten Maria Riesch, Kathrin Hölzl und Viktoria Rebensburg am Silvestertag ein kurzes Training für das Stadt-Rennen. “Ich freue mich sehr darauf. Ich glaube, dass das wirklich Spannung erzeugt“, sagte Maria Riesch.

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Auf dem Olympiaberg wird Christina Geiger zwar nicht dabei sein, aber nach ihrer besten Karriereleistung konnte sie in Semmering ihr Glück kaum fassen. “Es ist eine riesige Überraschung, ich hätt's nie gedacht.“ Eigentlich wollte die Junioren-Weltmeisterin nur den siebten Platz aus dem ersten Lauf halten und fand sich plötzlich als Dritte erstmals neben Maria Riesch und Siegerin Marlies Schild aus Österreich auf dem hektisch im Zielraum aufgebauten Podium wieder. “Meine Ziele waren eigentlich, an die Leistungen der letzten Saison anzuknüpfen, und jetzt habe ich sie schon übertroffen.“

So blieb im alten Jahr am Zauberberg einzig der große Wunsch der schon bei Olympia so bitter gescheiterten Susanne Riesch unerfüllt, endlich in einem Rennen mal als Siegerin ihre Schwester zu übertrumpfen und einen Slalom zu gewinnen. Auch Maria Riesch konnte da den Gefühlszwiespalt ihres Vaters nachempfinden: “Mir sind die Tränen ein bisschen in die Augen geschossen, weil ich weiß, wie sie sich fühlt.“

dpa

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