Ronny rennt die Zeit davon

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Ronny Ackermann muss um die Olympia-Teilnahme bangen

Ramsau - Für den viermaligen Weltmeister Ronny Ackermann wird's eng. Sechs Weltcupstarts hat der erfolgreichste deutsche nordische Kombinierer dieses Jahrzehnts noch, um zweimal unter die ersten Sechs zu laufen und seine vierte Olympia-Teilnahme zu sichern.

Beim letzten Weltcup dieses Jahres am vergangenen Wochenende in Ramsau verfehlte der Thüringer die Vorgabe jedoch dreimal deutlich und reiste frustriert im Auto mit Team-Sportwissenschaftler Peter Dick vorzeitig nach Hause. Eigentlich hätten die drei Rennen am Fuße des Dachsteins nach einer Wettkampfpause für neues Selbstvertrauen sorgen sollen. Dagegen kamen nach den Plätzen 25 und 27 sowie nur Rang 61 im Springen am letzten Tag neue Zweifel.

“Ich weiß nicht, weshalb ich die guten Trainingssprünge nicht in den Wettkampf bringe“, fragte Ackermann ziemlich ratlos. Und gab gleich darauf die Antwort: “Ich bin zu fest, will's wohl erzwingen. Und das geht nicht.“ Der Ackermanns Dilemma unaufgeregt beobachtende Bundestrainer Hermann Weinbuch stimmte der Analyse seines bisherigen Musterschülers zu, machte ihm aber Mut und nannte weitere Gründe.

“Ronny ist nach dem verkorksten letzten Jahr wegen der langwierigen Viruserkrankung vom Grundvermögen viel näher an der Weltspitze dran, als es die Ergebnisse aussagen. Es sind nur Kleinigkeiten, die noch fehlen“, schätzte Weinbuch ein. “Um es banal zu sagen: Seine Akkus sind noch nicht wieder voll. Er muss jetzt über Weihnachten ein paar Tage ausruhen, gut essen und dann mit Vernunft und Verstand trainieren. Er muss seinen Ehrgeiz etwas bremsen, seinen Körper schonen. Er ist auch keine 20 mehr“, erklärte Weinbuch.

Nachdem mit dem Weltcup-Zweiten Tino Edelmann (Zella-Mehlis), dem auf Platz vier liegenden Eric Frenzel (Oberwiesenthal) und dem Johanngeorgenstädter Björn Kircheisen (6.) das Gerüst des deutschen Olympia-Aufgebots steht, hofft Weinbuch auf Ackermann für die Mannschaft. Das Quartett mit ihm wäre eine Medaillenbank in Vancouver. Seit 2002 hat das Team bei den Saisonhöhepunkten jeweils Silber gewonnen. In diesem Jahr soll es endlich wieder Gold werden. Das schafften deutsche Kombinierer zuletzt 1988 in Calgary.

Dafür braucht Weinbuch einen fitten Ackermann. Knackpunkt sind die Sprünge. Noch hat Ackermann keinen gleichwertigen Ersatz für seine Sprungski, die er bei einem Trainingssturz in Lillehammer zerbrochen hat. “Die neuen liegen etwa bei 85 Prozent“, schätzte Sprungtrainer Andreas Bauer ein. “Entscheidend wird aber sein, dass Ronny seine Sprünge einfach laufen lässt. Gelingt ihm das, wäre er schon in Ramsau die entscheidenden drei, vier Meter weiter gekommen, wäre beim Lauf in der Spitzengruppe mit dabei gewesen und hätte sich nicht bei Aufholjagden verausgaben müssen“, hat der Bundestrainer festgestellt.

Der Weltcup am 2. und 3. Januar in Oberhof soll nun der Wegweiser für die restliche Saison werden. “Die Schanze liebt Ronny. Da kann er sein Fluggefühl ausspielen“, bemerkte Weinbuch. “Dort wird das Feld wohl auch nach dem Springen nicht so eng beisammen sein, wie in der Ramsau. Ich traue Ronny zu, dass er bei seinem Heimwettkampf schon die Olympia-Norm knackt“, sagte Weinbuch und verbreitete Optimismus. “Eines ist aber auch klar: Wenn Ronny nicht mindestens die Nummer fünf im Team ist, werde ich ihn nicht nominieren“, kündigte er an und ergänzte: “Dann würde Ronny auch nicht nach Vancouver wollen“.

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