Quälereien und Übergriffe in Gifhorner Wohngruppe

Betreuer-Ehepaar wegen sexuellen Missbrauchs und Misshandlung vor Gericht

+
Wegen sexuellen Kindesmissbrauchs und Misshandlung von Schutzbefohlenen muss sich ein Pädagogenpaar aus Gifhorn vor Gericht verantworten. Dem Angeklagten wird sexueller Missbrauch von Kindern in elf Fällen sowie Misshandlung in vier Fällen vorgeworfen.

Ein Ehepaar aus Gifhorn steht vor Gericht, weil es jahrelang ihnen anvertraute, hilfsbedürftige Mädchen sexuell missbraucht und gequält haben soll. 

  • Ein Ehepaar aus Gifhorn steht wegen schweren sexuellen Missbrauchs und Misshandlungen vor Gericht
  • Das Paar hatte hilfsbedürftige Kinder betreut
  • Ein Mädchen soll in einen Käfig gesperrt worden sein
  • Die Angeklagte möchte weiterhin Kinder betreuen

Hildesheim - Ein Erzieher aus Gifhorn soll in einer familienähnlichen Wohngruppe mehrere Mädchen teils schwer sexuell missbraucht und gequält haben. 

Mitangeklagt am Landgericht Hildesheim ist die Ehefrau des 56-Jährigen. Die 60 Jahre alte Sozialpädagogin soll nicht eingeschritten sein, als ihr Mann beispielsweise ein Mädchen zwang, über Tage Windeln zu tragen, und ein Kind in einen Hundekäfig sperrte. 

16 Fälle von sexuellem Missbrauch und Misshandlung

Das Paar hatte bis zum Bekanntwerden der Vorwürfe im Januar Tag und Nacht hilfebedürftige Kinder in der Familiengruppe betreut. Beide sitzen seit März in Untersuchungshaft. Nach Verlesung der Anklage wurde die Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigung ausgeschlossen, weil die Angeklagten auch über ihre Intimsphäre berichten wollten. 

Die Taten sollen sich bereits zwischen 1998 und 2007 ereignet haben: Dem 56-Jährigen werden sexueller Missbrauch von Kindern in elf Fällen sowie Misshandlung in vier Fällen vorgeworfen. Die 60-Jährige ist in fünf Misshandlungsfällen angeklagt. Das berichtet Kreiszeitung.de*.

Abscheuliche Details zu den Taten

Staatsanwältin Christina Pannek beschrieb in ihrer Anklage die vorgeworfenen Taten mit abscheulichen Details. In mindestens zwei Fällen soll es zu einem schweren sexuellen Missbrauch gekommen sein. Der Angeklagte habe ausgenutzt, dass das Paar die Obhut und Fürsorge für die Kinder ausübte und dass der Alltag gemeinsam gelebt wurde, sagte die Staatsanwältin. 

Sexuelle Übergriffe soll es in der Badewanne, unter der Dusche und im Betreuerschlafzimmer gegeben haben. Die Opfer waren demnach zwischen 6 und 14 Jahre alt. 

Mädchen in Hundekäfig gesperrt

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll ein Kind damit bestraft worden sein, dass es eine Woche lang übereinandergeklebte Windeln tragen musste, die nicht geleert wurden, was ihm erhebliche Schmerzen zufügte. 

Zudem soll ein Mädchen in einen Hundekäfig gesperrt und ihm Hundefutter vorgesetzt worden sein. Ein Kind soll mehrere Tage im Haus eingesperrt worden sein, während die Gruppe einen Ausflug machte. 

Beschuldigte will weiterhin Kinder betreuen

Die selbst kinderlosen Eheleute zeigten im Gericht zunächst kaum Regungen. Als sie in den Saal geführt wurden, verdeckten beide ihre Gesichter mit gelben Mappen. Auf die Mappe des 56-Jährigen war ein Smiley mit geradem Mund gemalt. 

Der schlanke Mann mit Vollbart und Stirnglatze sah im Gesicht mitgenommen aus und wirkte weit älter. Die Frau mit Pagenkopf und Lesebrille gab sich forsch und wollte der Vorsitzenden Richterin nicht ihre frühere Anschrift nennen. 

Beide klagen vor dem Arbeitsgericht Braunschweig gegen ihre fristlosen Kündigungen. Die 60-Jährige will nach Angaben des Trägers, der die Gruppe 2007 übernahm, weiter Kinder betreuen.

Frühere Bewohnerin hatte Missbrauchs gemeldet

Eine der vier Nebenklägerinnen wollte den Prozess im Gerichtssaal verfolgen. Seine Mandantin habe sich schon damals wegen der Taten an eine Betreuerin gewandt, die aber beim damaligen Träger der Einrichtung kein Gehör gefunden habe, sagte Lutz Kesselhut, Rechtsanwalt einer heute 33-Jährigen. 

Die 60 Jahre alte Ehefrau ist in fünf Misshandlungs-Fällen angeklagt, überwiegend weil sie nicht eingeschritten sein soll.

Eine andere frühere Bewohnerin hatte sich im Januar an die Polizei gewandt und die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Der damalige Träger hatte sich 2007 von dem Paar getrennt. Grund seien aber nicht Hinweise auf sexuellen Missbrauch gewesen, erklärte die Dachstiftung Diakonie. 

Das Paar führte seine Betreuungsstelle, in der laut Anklage bis zu sieben hilfebedürftige Kinder, Jugendliche und Erwachsene lebten, mit einem neuen Träger weiter.

dpa

*Kreiszeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Weitere Nachrichten

In Bielefeld steht ein Heilpraktiker wegen schweren sexuellen Missbrauchs vor Gericht.

Ein 14-Jähriger soll sich in einem Schwimmbad an einer 13-Jährigen vergangen haben.

Im Missbrauchsfall im nordrhein-westfälischen Lügde bekommen die beiden Täter hohe Haftstrafen und bleiben danach in Sicherungsverwahrung.

Das könnte Sie auch interessieren

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.