Das Scheusal im Porträt

Charles Manson ist tot: Mörder, Sektenführer und perverse Pop-Ikone

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Charles Manson 1969 bei der Anklageverlesung im Zusammenhang mit dem Mord an der Schauspielerin Sharon Tate und weiterer Menschen.

Der berüchtigte Mörder Charles Manson ist tot. Seine „Manson Family“ brachte in den USA die schwangere Schauspielerin Sharon Tate und andere Opfer um.

Der berüchtigte US-Mörder Charles Manson schaffte es immer wieder in die Schlagzeilen - nun wohl zum letzten Mal: Nachdem er aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes in ein Krankenhaus gebracht wurde, starb Manson am Sonntag im Alter von 83-Jahren. Der Tod von Charles Manson sorgt noch einmal weltweit für Aufmerksamkeit - und weckt Erinnerungen an seine grausamsten Taten.

Im Sommer 1969 schockten bestialische Morde nicht nur die USA, sondern die ganze Welt. In den Vereinigten Staaten ging damals der Geist von „Flower Power“ und „Freier Liebe“ um. Da schlachtete eine Hippie-Sekte, die „Manson Family“, in Kalifornien scheinbar wahllos Menschen ab. Anführer des irren Kults: Charles Manson.

Doch wer war dieser grausame Mensch davor? Welches Leben hat Charles Manson in seiner Kindheit und Jugend geführt und wie kam es zu seiner Entscheidung, eine Kommune zu gründen, die Menschen tötet? Alle Antworten finden Sie hier.

Charles Manson - Kindheit und Jugend

Um zu erfahren was für ein Mensch der berüchtigte Mörder als Kind war, ist eine Reise in die dreißiger Jahre nach Cincinnati, Ohio, nötig. Dort wuchs Charles Manson bei seiner Mutter auf, die bei seiner Geburt sechzehn Jahre alt war. Doch es war kein harmonisches Leben: Sein Vater war dem kleinen Charles Manson nie bekannt, seine Mutter vermutlich Alkoholikerin. 

Doch auch die verlässt ihren Sohn im Alter von fünf Jahren, weil sie für fünf Jahre ins Gefängnis muss. Manson führte daraufhin ein Leben mit scheinbar wenig Zuneigung: Nachdem er während dieser Jahre bei seinem Onkel und seiner Tante lebte, durfte er wieder zu seiner Mutter zurück. Doch die versuchte vergeblich, Charles in Pflegefamilien abzuschieben. Letztendlich landete der Junge in einem Internat, was vom Gericht angeordnet wurde, doch nach nur wenigen Wochen floh er von dort.

Charles Manson am 05.03.1971 in einen Gerichtssaal in Los Angeles (USA)

Charles Manson: Die ersten kriminellen Tätigkeiten

Damit nahm seine Entwicklung zum Kleinkriminellen seinen Lauf: Er schlug sich mit Überfällen auf Tankstellen und Gemüseläden, Autodiebstählen und Scheckfälschungenn durch. Doch damit gab sich Charles Manson scheinbar noch nicht zufrieden und machte auch in jungen Jahren bereits einen Menschen zu seinem Opfer: Manson war Zuhälter eines 16-jährigen Mädchens.

Schon früh in seinem Leben zeigte sich also die kriminelle Ader des späteren Anführers der „Manson Family“ - mit 32 Jahren hatte er bereits die zweite Haftstrafe und zwanzig Jahre im Gefängnis oder Jugendbesserungsanstalten hinter sich.

Charles Manson gründet die „Manson Family“

Man könnte es fast schon einen überaus unglücklichen Zufall nennen, dass Charles Manson nach seinen zahlreichen Jahren im Gefängnis ausgerechnet im Jahr 1967 auf freiem Fuß in den USA war. Denn genau diese Zeit ermöglichte ihm die Gründung der als Sekte bezeichneten „Manson Family“, indem er gezielt die Hippie-Szene in San Francisco ausnutzte.

Das lief folgendermaßen ab: Charles Manson gründete eine eigene Hippie-Kommune, in der er sich seine Anhänger mithilfe von Drogen wie LSD und mit Gruppensex gefügig machen konnte - die sogenannte „Manson Family“ in den USA war damit geboren.

Daraufhin begann der neue Anführer, seiner „Familie“ wirre Theorien einzutrichtern: Es würde ein Rassenkrieg bevorstehen, der von den Schwarzen ausgehen wird, die die Weißen vernichten wollen. Diesen angeblichen Krieg wollte er ausnutzen, um selbst inmitten des Chaos als neuer Anführer herauszuragen. Aus diesem Grund nahm er auch nur Menschen mit weißer Hautfarbe in seiner Kommune auf.

Ebenfalls betonte er, dass sich die Frau dem Mann unterordnen solle und diesem in ihrem Leben dienen muss. Doch seine weiblichen Anhänger ließen sich davon nicht abschrecken, ganz im Gegenteil: Neben den allgemeinen Verehrungen als Vater oder „Jesus Christus“, wollten die Frauen der „Manson Family“ den Anführer Charles Manson besonders als Liebhaber.

Das von der kalifornischen Gefängnisbehörde herausgegebene Handout zeigt Charles Manson aufgenommen am 08.10.2014.

Die „Manson Family“ bringt Opfer

Da es nie zu dem von Charles Manson angekündigten Rassenkrieg kam, wird vermutet, dass er diesen durch Morde selbst anzetteln wollte. So kam es wenig später zu ersten Opfern, die die „Manson Family“ für ihren Anführer brachten. Darunter: Die schwangere Schauspielerin Sharon Tate, Frau des Hollywood-Regisseurs Roman Polanski. Für die „weiße Oberschicht“ standen in der verrückten Weltanschauung Mansons Polanski und Sharon Tate.

Zudem habe er die Morde aus Umweltgründen beauftragen müssen, wie Charles Manson zynisch erklärte: Er wollte der zu hohen Bevölkerungszahl in der Welt entgegenwirken und somit die Umwelt schützen.

Das wohl bekannteste Opfer der „Manson Family“: Sharon Tate

In der Nacht auf den 9. August 1969 erhielten drei  Family-Mitglieder von Manson den Auftrag, in das Haus von Polanski und Tate in Los Angeles einzudringen und jeden Anwesenden zu töten. Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Charles Watson taten wie ihnen geheißen: Sie schlichen sich auf das Gelände. Auf dem Weg zum Haus stoppten sie das Auto des Studenten Stephen Parent (18). Tex Watson erschoss ihn mit vier Kugeln.

Während Polanski jedoch nicht im Haus am Cielo Drive und somit außer Gefahr war, traf die „Manson Family“ nur auf dessen Ehefrau Sharon Tate, die zu diesem Zeitpunkt schwanger war und mehrere Gäste eingeladen hatte. 

Die drei Mitglieder der „Manson Family“ stürmten das Haus, wo gerade eine Party stattfand. Mit Küchenmessern stachen sie auf jeden ein, den sie fanden. An diesem Abend tötete die Manson-Family fünf Menschen. Neben Sharon Tate starben Voityck Frykowski, Stephen Parent, Jay Sebring und Abigail Folger.

Sharon Tate hatte keine Chance: Die vier Anhänger von Charles Manson stachen sechzehn Mal auf die Frau und ihr noch ungeborenes Kind ein und töteten beide. Mit dem Blut von Sharon Tate schrieb Susan Atkins das Wort „PIG“ (deutsch: „Schwein“) an die Haustür. Wie die Polizei später rekonstruierte, hatten sich die Opfer Frykowski und Folger noch bis in den Vorgarten geschleppt. Auf Jay Sebring hatten die Killer mehrfach eingestochen und ihn im Haus mit mehreren Schüssen getötet.

Der Regisseur Roman Polanski mit seiner Ehefrau Sharon Tate, die von der „Manson Family“ ermordet wurde.

Auch weitere Menschen fielen der „Manson Family“ zum Opfer

Mit dem Mord an der schwangeren Sharon Tate gab sich Charles Manson aber noch nicht zufrieden: Einen Tag nach seinem ersten beauftragten Mord in den USA schickte er seine selbst geschaffene „Manson Family“ für weitere Opfer los. 

Am 10. August 1969 ermordeten die drei Hippie-Killer, dieses Mal begleitet von Leslie Van Houten, den Industriellen Leno LaBianca und seine Frau Rosemary. Mit Blut wurden unter anderem die Parolen „Tod den Schweinen“ und „Erhebt Euch“ an die Wände des Hauses geschrieben. Zudem hinterließen sie die Botschaft „Helter Skelter“, was übersetzt sowas wie „Holterdiepolter“ bedeuten soll. Dabei handelte es sich um den Titel eines Beatles-Songs.

Charles Manson zeigte niemals Reue für seine Taten - seine „Manson Family“ jedoch schon

Am 12. Oktober 1969 fand auf der Barker Ranch im Death-Valley-Nationalpark, wo Manson und seine Anhänger inzwischen hausten, eine Polizei-Razzia statt. Die Beweisstücke führten im Lauf der kommenden Wochen zur Verhaftung Mansons und seiner Anhänger.

Die Barker Ranch gibt es noch heute - so wie Manson und seine Anhänger sie hinterlassen haben. Das alte Quartier der „Manson Family“ gilt heute als morbide Touristenattraktion.

1970 begann der Prozess gegen Manson und die Mörder aus dem Kreis seiner Family. Das Verfahren sorgte für ein beispielloses Medieninteresse. Auch nach seiner Festnahme zeigte der Charles Manson nie Reue, was seine schrecklichen Taten betrifft. Vielmehr habe er bedauert, nicht hunderte von Menschen zuliebe der Natur getötet zu haben.

Manson inszenierte sich vor Gericht als Irrer, als das Böse schlechthin. Vor dem Richter erklärte er: „Ich bin der Teufel.“ In seine Stirn hatte er sich während des Prozesses ein Hakenkreuz geritzt. Sicher ist: Die Family plante weitere Morde. Bei bis zu sechs noch heute ungeklärten Morden gelten die Hippie-Killer als verdächtig.

Während des Prozesses waren die Mitangeklagten Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Leslie Van Houten ihrem Anführer Charles Manson noch treu ergeben und hielten zu dem Angeklagten. Später jedoch distanzierte sich die ehemalige „Manson Family“ von Manson und die Frauen gaben an, ihre Tat zu bedauern.

Das Urteil über die Angeklagten der „Manson Family“

Am Ende des Prozesses konnten zum einen die angeklagten Frauen der „Manson Family“ für ihre begangenen Morde als schuldig erklärt werden. Am 29. März 1971 verurteilte eine Jury in Los Angeles Charles Manson und die drei angeklagten Frauen zum Tod in der Gaskammer. Außerdem konnte man Charles Manson trotz seinem Abstreiten nachweisen, dass er die Morde in Aufrag gegeben hat.

Das Bild entstand während einer Pause des Manson-Prozesses am 19.11.1970: Leslie van Houten(l.), Susan Atkins und Patricia Krenwinkel

Manson und die anderen Verurteilten hatten Glück: Schon 1972 erklärte der Oberste Gerichtshof von Kalifornien die Todesstrafe  für verfassungswidrig, die Urteile wurden in „lebenslang“ umgewandelt. 1978 wurde die Todesstrafe wiedereingeführt. Für die Verurteilten im Manson-Prozess blieb diese Entscheidung aber unwirksam.

Charles Manson versuchte zahlreiche Male, Anträge auf eine frühzeitige Entlassung zu stellen, die jedoch alle abgewiesen wurden. Auch die verurteilte Anhängerin der „Manson Family“ Susan Atkins versuchte, frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen zu werden. Doch auch ihr wurde der Antrag abgelehnt. Sie verstarb im Jahr 2009 im Alter von 61 Jahren an Krebs.

Die „Manson Family“ Noch immer findet Charles Manson neue Anhänger

Auch nachdem der ehemalige Anführer der sektenähnlichen Kommune „Manson Family“ für immer hinter Gitter kam, fand Charles Manson viel Zuspruch von außen. Ein bekannter Fall ist beispielsweise eine junge Frau, die Manson im Gefängnis heiraten wollte. Auch dieser Antrag wurde letztendlich verweigert.

Und dann gibt es noch Künstler, die am Mythos Manson verdienen: Zum Beispiel Schock-Rocker Marilyn Manson. Wie er beteuert, soll sein Name keine Verehrung von Charles Manson ausdrücken. Er wolle in seinem Pseudonym nur die beiden Extreme US-amerikanischer Popularität, Marilyn Monroe und Charles Manson, zusammenfassen

Allerdings veröffentlichte der Schock-Rocker ein Lied von Charles Manson (My Monkey) auf seinem Album „Portrait of an American Family“. Auch die Band System of a Down zeigt sich zum Teil von Charles Manson inspiriert, etwa mit dem Song „ATWA“ auf dem Album Toxicity. Und dann kassierten auch noch Guns N’ Roses mit dem Manson-Mythos ab: Die Rocker veröffentlichten 1993 auf ihrem Album „The Spaghetti Incident?“ den Manson-Song „Look at Your Game Girl“. Lead-Sänger Axl Rose trug schon 1991/92 auf der Guns-N’-Roses-Welttournee ein Shirt mit dem Porträt von Charles.

Pervers: Das Monster wurde zur Pop-Ikone..

Charles Manson stirbt in einem Alter von 83 Jahren

Manson starb am Sonntagabend (US-Ortszeit) im Alter von 83 Jahren im Knast. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes wurde er in ein Krankenhaus in Kern County eingeliefert, woraufhin er aufgrund eines natürlichen Todes verstarb. Bis zuletzt zeigte er keine Spur Reue. 

nz

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