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„Es geht massiv wieder los“ – Bundesverband privater Pflegeeinrichtungen schlägt Alarm

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Von: Martina Lippl

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Corona in Deutschland: Auf dem Gang in einem Pflegeheim Heidelberg Deutschland
Corona in Deutschland: In Pflegeeinrichtung sind die Corona-Infektionszahlen schon jetzt auf Höchststand (Symbolfoto). © Ute Grabowsky/imago

Die Corona-Herbstwelle schlägt in den Pflegeeinrichtungen auf. Corona-Fallzahlen steigen laut dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) massiv.

Berlin – In Pflegeeinrichtung in Deutschland grassiert das Coronavirus. Aus Bayern und Nordrheinwestfalen sind allein in der letzten Woche jeweils rund 2.000 Neuinfektionen gemeldet worden. Das teilt der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) am Mittwoch mit. Die Infektionszahlen befinden sich demnach schon auf dem Niveau der bisherigen Höchststände. Eine „schwindelerregende Höhe“ erreiche die bundesweite Hospitalisierungsrate mit über 10 Prozent.

Corona in Deutschland: „NRW und Bayern sind ein Seismograph für das, was uns in den nächsten Wochen bevorsteht“

„Es geht massiv wieder los. Die mit Abstand bevölkerungsreichsten Bundesländer NRW und Bayern sind ein Seismograph für das, was uns in den nächsten Wochen bevorsteht“, sagt bpa-Präsident Bernd Meurer. „Hinzu kommen bundesweit zehntausende infizierte oder abgesonderte Pflegekräfte, die dringend in der Versorgung fehlen. Dabei befinden wir uns noch am Beginn der angekündigten Herbstwelle.“ Gleichzeitig fordert Meurer die Wiederauflage des Corona-Rettungsschirms, um die Kosten für die Schutzmaßnahmen und Hygienevorkehrungen sowie auch bei den Pflegekräften zu stemmen.

Herbstwelle im Anmarsch: Corona-Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen

Die Zahl der Covid-19-Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen ist im Vergleich zur Vorwoche angestiegen, ist im jüngsten Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) (Stand: 6. Oktober 2022). Auch „die Zahl der neu übermittelten ausbruchsassoziierten Todesfälle ist im Vergleich zur Vorwoche sowohl in medizinischen Einrichtungen als auch in Alten- und Pflegeheimen weiter angestiegen“, heißt es dort weiter.

Corona in Deutschland: Inzidenz schnellt laut RKI auf 799,9

Das Infektionsgeschehen nimmt seit Anfang Oktober in Deutschland Fahrt auf. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz legt seit Wochen zu – auf 799,9 Stand Mittwoch (12. Oktober). In der Vorwoche lag der Wert noch bei 414,0. Schon da zeigte sich laut einem Experten ein Trend. In Bayern (1.081) und dem Saarland (1.673,5) liegen die Werte aktuell über der 1000er-Marke. In den vergangenen 24 Stunden sind bundesweit 136.748 Corona-Neuinfektionen und 199 Corona-Tote gemeldet worden.

7-Tage Inzidenz799,9 (Mittwoch, 12. Oktober)414,0 (Vorwoche)216,0 Vormonat

Die Fallzahlen und Inzidenz spiegeln nach Ansicht von Experten das Infektionsgeschehen nur teilweise wider. Nicht jeder Corona-Positive lässt einen PCR-Test machen und nur die fließen in die Statistik ein. Wichtiger sei die Zahl der Covid-Patienten, die in einem Krankenhaus behandelt werden müssen.

Das RKI-Pandemieradar zeigt einen flotten Anstieg der 7-Tage-Inzidenz auf 799,9 am Mittwoch (12. Oktober 2022).
Das RKI-Pandemieradar zeigt einen flotten Anstieg der 7-Tage-Inzidenz auf 799,9 am Mittwoch (12. Oktober 2022). © Screenshot RKI-Pandemieradar

Corona-Hospitalisierungsinzidenz bei über 11

„Wir haben einen Zuwachs von 50 Prozent im Vergleich zur Vorwoche, das ist schon eine gehörige Dynamik, die wir da erleben“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft Gerald Gaß, am Mittwoch in Berlin, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. In den Kliniken gebe es zurzeit mehr Corona-positive Patienten als zur Spitze der Sommerwelle. Die Patienten seien zwar überwiegend auf Normalstationen und kämen vielfach mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus und nicht wegen schwerer Covid-Symptome. „Aber sie verursachen im Krankenhaus natürlich einen enormen Mehraufwand.“ Dazu käme eine „hohe Ausfallrate“ bei den Beschäftigten unter anderem wegen einer Corona-Infektion.

Corona: So ist die Lage auf den Intensivstationen

1.657 Corona-Infizierte müssen derzeit auf einer Intensivstation behandelt werden. Davon werden 464 künstlich beatmet. Das geht aus den Daten des DIVI-Intensivregisters am Mittwoch hervor. Die Kurve steigt im Augenblick auf der Grafik steil an. Vergangenes Jahr im Oktober 2022 waren es etwa 300 Intensivpatienten weniger.

Die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten Fälle liegt laut RKI Tagesbericht (12. Oktober) bei 11,8 Fällen pro 100.000 Einwohnern – ein Plus von 5,72, wie aus dem Pandemieradar hervorgeht.

Kommt jetzt die Corona-Maskenpflicht zurück? Berlin denkt bereits über schärfere Maßnahmen nach

Angesichts der Infektionszahlen will Berlin die Maskenpflicht in Innenräumen wieder einführen. Das kündigte die Berliner Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) an. In der kommenden Woche soll der Senat über eine Maskenpflicht in Supermärkten und Geschäften abstimmen, berichtet der rbb.

Sie beobachte „gerade aktuell und sehr rasant ein Ansteigen des Infektionsgeschehens in Berlin“, sagte Gote demnach. Dabei liegt die Inzidenz in Berlin aktuell bei 467. Auch Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) kann sich eine Maskenpflicht für ihr Land (Inzidenz: 807,1) vorstellen.

Im Saarland mit der bundesweit höchsten 7-Tage-Inzidenz (1.673,5) ist eine Verschärfung der Corona-Regeln wie der Maskenpflicht zunächst nicht vorgesehen. Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) rief die Menschen am Mittwoch dazu auf, wieder Masken in Innenräumen zu tragen. (ml)

 

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