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Corona: Bringen die Herbstferien die Wende? Lauterbach befürchtet „Marathon gegen das Virus“

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Von: Martina Lippl

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Die Corona-Zahlen in Deutschland scheinen wieder abzufallen. Das RKI meldet am Donnerstag eine Inzidenz von 661,3. Lauterbach hat dafür eine simple Erklärung.

Berlin – Der dritte Corona-Winter steht bevor. Noch ist es Oktober. Doch die Infektionslage in Deutschland derzeit extrem dynamisch. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet am Donnerstag (20. Oktober 2022) eine bundesweite Inzidenz von 661,3 (Vortag: 670,5, Vorwoche: 793,8; Vormonat: 258,8). Innerhalb der letzten 24 Stunden meldeten die Gesundheitsämter 116.806 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 145.213) und 223 Todesfälle (Vorwoche: 176).

Corona in Deutschland: RKI-Fallzahlen vom 20. Oktober 2022

Corona-Inzidenz661,3
Corona-Neuinfektionen116.806
Todesfälle223
Covid-Patienten auf der Intensivstation1.801, davon werden 566 künstlich beatmet

Lauterbach: „Nach den Herbstferien beginnt ein Marathon gegen das Virus“

Der Abwärtstrend bei den Corona-Werten ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Daten-Vergleiche sind nur eingeschränkt möglich. Nicht jeder macht einen PCR-Test, und es kommt bekanntlich häufig zu Nachmeldungen. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer bei den Corona-Fällen aus. Dazu sind in vielen Bundesländern gerade Schulferien.

Corona-Herbst Nummer 3: Die Fallzahlen sind aktuell gebremst (Symbolfoto). Das hat laut Lauterbach nur einen Grund.
Corona-Herbst Nummer 3: Die Fallzahlen sind aktuell gebremst (Symbolfoto). Das liegt allerdings nicht an der FFP-Maske auf den Laubhaufen. © Imago

„Der Anstieg der Corona-Fallzahlen ist zunächst gebremst, ein Effekt der Herbstferien“, twittert Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Mittwoch. „Nach den Herbstferien beginnt ein Marathon gegen das Virus. Jetzt wäre noch eine gute Gelegenheit für die Corona-Impfung und die Grippe-Impfung.“ Lauterbach hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie einen Namen als Mahner gemacht.

Doch eine Booster-Impfung – bei vielen die vierte Corona-Impfung – schützt vor einem schweren Covid-19-Verlauf und auch vor Krankenhauseinweisungen, betonen Corona-Expertinnen und Experten. Noch treibt die Omikron-Variante BA.5 das aktuelle Infektionsgeschehen in Deutschland an. Doch diese Omikron-Variante entwickelt sich weiter und hat es schon getan. 300 verschiedene Omikron-Sublinien zirkulieren laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit. Die meisten davon sind BA.5 Sublinien. Darunter der neue Omikron-Subtyp XXB und BQ.1.1. Beide Corona-Varianten sind hochansteckend. Bisher gibt es keine Daten darüber, ob diese Varianten einen schwereren Krankheitsverlauf verursachen.

Rettungsverband warnt wegen steigender Corona-Zahlen vor Überlastung

Die Rettungsdienste in Deutschland fürchten angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen erneut eine Überlastung. „Derzeit sind weniger Rettungswagen auf der Straße, weil es durch die steigenden Covid-Zahlen zu immer mehr Personalausfällen kommt. Und wir sind erst am Beginn der Welle“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst, Marco König, der Welt.

Damit die Rettungsdienste durch künftige Corona-Wellen nicht wieder an ihre Kapazitätsgrenzen oder darüber hinaus gelangen, forderte König umfassende Reformen bei Rettungsdiensten und Leitstellen. „Es werden zu viele Krankenwagen und Notarztwagen ausgeschickt, auch wenn dies überhaupt nicht notwendig ist. Lediglich zehn bis 15 Prozent der Notarzt-Einsätze sind wirklich gerechtfertigt“, sagte er.

Ein wesentliches Problem sieht König in den Vorgaben für die Leitstellen, in denen die Notrufe eingehen. „Das Computerprogramm bestimmt, wann ein Rettungswagen ausgeschickt wird. Selbst wenn ein Mitarbeiter der Überzeugung ist, dass dies überhaupt nicht notwendig ist, wird der Wagen ausgeschickt und die Verantwortung an das Programm abgeschoben“, sagte König.

Der Verbandsvorsitzende räumte ein, dass es falsche Entscheidungen geben werde, wenn Leitstellenmitarbeiter sich über Anweisungen der Programme hinwegsetzen könnten. Doch das sei nicht zu vermeiden. „Die vorherrschende Vollkasko-Mentalität können wir uns nicht mehr erlauben.“(ml/afp)

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