Verantwortliche reagieren

Skandal in Impfzentrum: DRK-Mitarbeiterin tauscht Biontech gegen Kochsalzlösung aus - Polizei ermittelt

  • Martina Lippl
    VonMartina Lippl
    schließen

Die Polizei ermittelt gegen eine DRK-Mitarbeiterin in einem Impfzentrum. Sie soll den Impfstoff durch Kochsalzlösung ersetzt haben.

Update vom 25. April, 22.32 Uhr: Inzwischen hat der Landkreis ein Bürgertelefon eingerichtet, an das sich möglicherweise Betroffene am Montag wenden können. Nach Angaben des Impfzentrums kann es passieren, dass mehr als sechs Personen von den am Mittwoch Geimpften keine Antikörper aufweisen. Sie alle sollen dann am 12. Mai eine Impfdosis erhalten.

Skandal im Impfzentrum Friesland: Landkreis gibt Details zum Vorfall bekannt

Update vom 25. April, 13.47 Uhr: Zu dem Vorfall im Impfzentrum in Friesland gab der Landkreis in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz weitere Details bekannt. Eine DRK-Mitarbeiterin soll sechs Spritzen nur mit Kochsalzlösung aufgezogen haben. Die examinierte Krankenschwester, die etwa 40 Jahre sein soll, war im Impfzentrum mit der Aufgabe, die Spritzen vorzubereiten betraut. Dabei fiel der Mitarbeiterin offenbar eine Ampulle mit dem Biontech-Impfstoff auf den Boden und zerbrach, wie der NDR berichtet. Daraufhin soll sie die Spritzen ausschließlich mit der zur Verdünnung vorgesehen Kochsalzlösung aufgezogen haben.

Um das Missgeschick zu vertuschen, habe die Krankenschwester zunächst nichts gesagt, so die Angaben des Leiters des Impfzentrums Uwe Nitsche. Der Vorfall soll sich demnach am Mittwoch gegen 8 Uhr ereignet haben. Erst am Samstagabend (24. April) habe sich die Mitarbeiterin einer Kollegin anvertraut. Diese habe dann die Verantwortlichen informiert. Die Krankenschwester sei daraufhin sofort von ihrer Tätigkeit entbunden worden. Mittlerweile habe sie vom Deutschen Roten Kreuz eine fristlose Kündigung erhalten. Die Polizei Wilhelmshaven hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg müsse nun die strafrechtliche Relevanz prüfen (siehe auch Erstmeldung). Die Beschuldigte habe bei ihrer Vernehmung umfänglich ausgesagt.

Welche sechs Personen die Spritzen mit der Kochsalzlösung erhalten haben, kann laut Landkreis derzeit nicht nachvollzogen werden. Alle Betroffenen 200 will der Landkreis kontaktieren. Ein Antigentest am 5. Mai soll klären, ob eine Biontech-Impfung wie vorgesehen erfolgt ist. Die Impfung dieser Personen soll drei Wochen nach dem ursprünglichen Termin am 12. Mai erfolgen.

Skandal in Impfzentrum: DRK-Mitarbeiterin tauscht Biontech-Impfstoff gegen Kochsalzlösung aus

Erstmeldung vom 25. April 2021: Wilhelmshaven - Im Impfzentrum Friesland (Niedersachsen) soll eine Mitarbeiterin in sechs Fällen den Corona-Impfstoff durch eine Kochsalzlösung ausgetauscht haben. Der Vorfall soll sich am Mittwoch (21. April) ereignet haben, teilt die Polizei am Sonntag mit.

Ein Bürgertelefon mit der Telefonnummer (04461)-919-70-15 wurde eingerichtet. Und die Polizei weist darauf hin, dass es „keine gesundheitlichen Folgen für betroffene Personen“ gibt. Aber: „Es kann derzeit nicht nachvollzogen werden, welche der Personen, die am Mittwoch, den 21.4.2021, bis mittags geimpft wurden, eine der 6 Spritzen mit Kochsalzlösung erhalten haben.“

Skandal im Impfzentrum: Mitarbeiterin tauscht Biontech-Impfstoff gegen Kochsalzlösung aus

Die Mitarbeiterin hat offenbar einfach den Biontech-Impfstoff* durch eine Kochsalzlösung ersetzt und damit sechs Personen geimpft. Wie konnte das passieren? Die Mitarbeiterin hatte die Aufgabe, Spritzen für die Impfungen vorzubereiten, so die Polizei. Dabei sei ihr nach eigenen Angaben eine Ampulle mit dem Biontech-Impfstoff zu Boden gefallen. Den Impfstoff ersetzte die Frau dann für sechs Impfungen durch eine Kochsalzlösung. Zog also in die Spritzen für die Corona-Impfungen Kochsalzlösung auf.

Offenbar plagte die Mitarbeiterin des DRK-Kreisverbandes Jeverland e.V. danach das schlechte Gewissen. Laut Polizei habe die Frau zu einem späteren Zeitpunkt einer Kollegin von dem Vorfall berichtet. Diese Kollegin informierte schließlich am Samstag (24. April) einen Mitarbeiter des Landkreises Friesland darüber. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben daraufhin sofort Ermittlungen auf. Die Mitarbeiterin im Impfzentrum sowie eine Zeugin seien vernommen worden.

Als Motiv gab die Frau gegenüber der Polizei an, so gehandelt zu haben, um nicht über eine heruntergefallene Ampulle informieren zu müssen. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg prüft die strafrechtliche Relevanz, wie auch 24hamburg.de* berichtet.

Skandal im Impfzentrum: Betroffene werden noch gesucht

Welche sechs Personen die Spritzen mit Kochsalzlösung erhalten haben, kann laut Polizei derzeit nicht nachvollzogen werden. Der Landkreis Friesland kontaktiert daher ab Sonntag möglicherweise betroffene Personen. Es handelt sich um insgesamt 200 Menschen, die im Zeitraum bis 13 Uhr an dem geimpft wurden. Die Bürger:innen würden einen Antigentest erhalten, um festzustellen, ob die Biontech-Impfung erfolgt ist, heißt es in der Mitteilung der Polizei.

Landrat ordnet Vier-Augen-Prinzip an

Frieslands Landrat Sven Ambrosy zeigte sich entsetzt über den Vorfall: „Dieser Fall ist zutiefst schockierend und für mich hat jetzt oberste Priorität die betroffenen Bürgerinnen und Bürger zu kontaktieren.“ Wichtig sei es einen Vorfall wie diesen zu verhindern. „Da die Person alleine handelte, habe ich im Impfzentrum ab sofort ein Vier-Augen-Prinzip vorgegeben, sodass immer 2 Personen gleichzeitig beim Umgang mit den Impfdosen und Aufziehen der Spritzen beteiligt sind“, teilte Ambrosy mit. (ml) *Merkur.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Mohssen Assanimoghaddam/dpa-Bildfunk

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.