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Corona: Stiko-Chef Mertens hält nichts von einer Booster-Impfung für alle

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Von: Martina Lippl

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Stiko-Chef Mertens rechnet mit einem Anstieg der Infektionszahlen im Dezember. Eine Empfehlung für den zweiten Booster will er aber trotzdem nicht geben.

Berlin – Der dritte Corona-Herbst steht Deutschland bevor. Aktuell ist vor allem die Omikron-Variante BA.5 für die Corona-Fälle verantwortlich. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wirbt für einen Booster. Eine Auffrischungsimpfung – für die meisten eine vierte Corona-Impfung – sei für bestimmte Personengruppen besonders wichtig. Ein Omikron BA.4 und BA.5 angepasster Impfstoff von Biontech/Pfizer ist in Deutschland bereits zuhaben. Vom Pharmahersteller Moderna hat die EU-Kommission den sogenannten bivalenten Corona-Impfstoff Spikevax gegen die Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 vergangene Woche (20. Oktober) zugelassen.

Prof. Dr. Thomas Mertens - Coronavirus
Stiko-Chef Thomas Mertens auf einer Pressekonferenz in Berlin Archivfoto). © Stefan Boness/imago

Vierte Corona-Impfung: Stiko will keine Empfehlung für zweiten Booster für alle

Trotz steigender Infektionszahlen und angepasster Corona-Impfstoffe hält die Ständige Impfkommission (Stiko) weiterhin an ihrer Empfehlung fest: Ein Omikron-Booster sei weiterhin nur 60-Jährigen und Menschen mit Vorerkrankungen gedacht. Es sei derzeit keine Ausweitung der bestehenden Corona-Impfempfehlungen geplant, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens der Deutschen Presse-Agentur. Dazu gebe es keinen Anlass. „Denn es zeigt sich, dass die Impfung keinen längerfristigen Schutz vor einer Corona-Infektion bietet, allerdings wohl vor einem schweren Verlauf“, sagte der Ulmer Virologe.

Impfung bietet keinen längerfristigen Schutz vor einer Corona-Infektion

Stiko-Chef Thomas Mertens

Corona-Welle im Herbst und Winter: „Jeder werde sich absehbar immer mal wieder infizieren“

Es sei nicht denkbar, die breite Öffentlichkeit regelmäßig impfen zu lassen, um Infektionen zu vermeiden. Jeder werde sich absehbar immer mal wieder infizieren. Zur Entwicklung der aktuellen Corona-Infektionslage sagte Mertens, diese sei sehr schwer vorherzusagen. Er rechne aber mit einem Anstieg der Infektionszahlen bis Dezember. Derzeit gebe es wieder eine Corona-Erkrankungswelle, die Kliniken aber vor allem wegen Personalengpässen auch infolge von Ausfällen teilweise vor Probleme stelle. Mertens rechnet zudem zu einem gewissen Maß mit Nachholinfektionen bei Grippe.

Omikron-Booster: Das empfiehlt die Stiko zur zweiten Booster-Impfung (Stand: Oktober 2022)

Corona-Impfung: Drei Impfungen gegen Corona sind nötig

Im Vergleich zu den bisherigen monovalenten mRNA-Impfstoffen lösen die neuen Impfstoffe eine verbesserte Antikörperantwort gegenüber verschiedenen Omikron-Varianten aus, teilt das RKI mit. Zudem würden sie gegenüber dem Wildtyp-Virus eine gleichbleibend gute Antikörperantwort erzielen.

Corona-Experten empfehlen dringend, sich jetzt impfen zu lassen. Die neuen an die Omikron-Varianten angepasste Impfstoffe seien gut geeignet, die Immunantwort zu verbreitern, erklärt Prof. Leif Erik Sander, Klinikdirektor der Infektiologie der Charité in einem Video mit dem Titel „Warum soll ich mich jetzt impfen lassen“ auf Instagram.

Für einen vollständigen Impfschutz seien mindestens drei Impfungen nötig. Wer noch keine dritte Impfung habe, solle dies nachholen. Bei der vierten Impfung verweist der Charité-Infektiologe auf die aktuelle Empfehlung der Stiko.

Kommt die Corona-Impfung für Baby und Kinder unter fünf Jahren?

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA zwei Corona-Impfstoffe für Babys ab sechs Monaten zugelassen. Mit den Impfstoffen der Hersteller Pfizer/Biontech beziehungsweise Moderna könnten auch solche Kinder vor einer Corona-Infektion geschützt werden, teilte die EMA in Amsterdam mit. Beide Impfstoffe waren bereits für Erwachsene und Kinder ab fünf beziehungsweise sechs Jahren zugelassen. Die Stiko will zügig eine Empfehlung für Eltern und Ärzte abgeben. Am Wochenende waren schon erste Einschätzung dazu durchgesickert. (dpa/ml)

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