Drei Grundschülerinnen in einem Gymnasium in Kiel.
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Symbolbild: Immer mehr Kinder in Deutschland infizieren sich mit dem Coronavirus. Wenige wissen, dass sie dafür entschädigt werden können.

Entschädigung nach Coronavirus-Erkrankung

Coronavirus: Kita- und Schulkinder können Infektionen als Arbeitsunfall melden

  • Daniel Drepper
    vonDaniel Drepper
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Wenn sich Kinder oder junge Erwachsene in Kita, Schule oder Universität mit dem Coronavirus infizieren, können sie entschädigt werden. Die Anerkennungsquote liegt nach Informationen von BuzzFeed News bei gut 40 Prozent.

Kinder oder Jugendliche, die einen Arbeitsunfall anerkannt bekommen, werden zum einen besser versorgt. Sie bekommen zum Beispiel aufwändige Reha-Leistungen und ärztliche Behandlungen bezahlt, müssen keinerlei Zuzahlungen leisten und bekommen auch Fahrtkosten erstattet. Sollte es aufgrund der Coronavirus-Erkrankung zu Spätfolgen kommen und das Kind später nicht voll arbeiten können, müssen die Unfallkassen zudem eine möglicherweise lebenslange Rente zahlen. Diese beträgt je nach Alter des Kindes bei der Infektion bis zu mehrere hundert Euro im Monat.

Coronavirus: Kita- und Schulkinder sind bei Infektionen automatisch versichert

Kita-Kinder, Schüler:innen und Studierende sind in Deutschland automatisch über die Unfallkassen versichert und können eine Infektion mit dem Coronavirus als Arbeitsunfall melden. Versichert sind Kinder, wenn sie sich bei der Arbeit, also in einer Tageseinrichtung, einer Schule oder Universität infizieren. Dazu zählen auch die Pausen, die Wege zur Schule und zurück, Schulfeste oder Betriebspraktika. Wichtig hierbei: Der reine Nachweis des Virus reicht nicht aus, es müssen auch Symptome der Erkrankung vorhanden sein.

Bisher ist die Zahl der gemeldeten Fälle extrem niedrig. Offenbar kennt so gut wie niemand diese Möglichkeit. Bislang haben sich in ganz Deutschland seit Beginn der Pandemie lediglich 240 Personen mit Verdachtsanzeigen für Kitakinder, Schüler:innen oder Studierende bei den zuständigen Unfallkassen gemeldet. Und das, obwohl rund 17,5 Millionen Kinder und Jugendliche in den Unfallkassen versichert sind. 

Coronavirus in Kita oder Schule: 40 Prozent der Entschädigungsanträge genehmigt

Immerhin: 102 Anzeigen wurden bisher genehmigt, also gut 40 Prozent aller Anträge. Die DGUV unterscheidet in ihrer Auswertung nicht zwischen Kita-Kindern, Schüler:innen und Studierenden. Das schreibt die DGUV, die Dachorganisation der deutschen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, auf Anfrage von BuzzFeed News Deutschland*. 

Die Voraussetzung für eine Anerkennung eines Coronavirus-Arbeitsunfall ist für Kinder und Jugendliche genau gleich wie für Erwachsene: Sie müssen den intensiven Kontakt mit einer infizierten Person nachweisen oder belegen, dass es mehrere infizierte Personen im Arbeitsumfeld gegeben hat. Gleichzeitig muss geprüft werden, ob sich die Kinder und Jugendlichen die Infektion nicht auch außerhalb der Kita, Schule oder Uni hätten einfangen können. 

Worauf müssen Eltern achten, wenn sie für ihre Kinder einen Arbeitsunfall anmelden? Wichtig sei vor allem, dass man als Eltern nachweisen könne, dass es in der Kita oder Schule eine infizierte Person gegeben hat, sagen die drei unabhängigen Beratungsstellen für Arbeitsunfälle in Hamburg, Berlin und Bremen im Gespräch mit BuzzFeed News. 

Ratschläge von Beratungseinrichtungen zum Coronavirus in Kita und Schule

Wenn eine ganze Klasse oder Kitagruppe wegen einer Infektion in Quarantäne geschickt wurde und sich dann weitere Kinder anstecken, sollten Eltern die Erkrankung ihres Kindes unbedingt bei den Unfallkassen melden – auch weil sich dies auf die Behandlung von Spätfolgen auswirken könne, sagen die Berater:innen im Gespräch mit BuzzFeed News. Wenn nur ein einzelnes Kind positiv getestet wird, sei der Nachweis dagegen schwer. Das Kind könnte sich zum Beispiel auch auf dem Spielplatz angesteckt haben. 

„Die Langzeitfolgen sind noch nicht abzuschätzen, und vor allem Kinder können auch unter neuen Krankheitsbildern leiden, wie z.B. dem PIMS-TS-Syndrom“, schreibt Niklas Wellmann von der Arbeitnehmerkammer Bremen. „Leider ist festzustellen, dass viele Schulen darüber nicht ausreichend informiert sind und gar nicht wissen, dass dies dem zuständigen Unfallversicherungsträger gemeldet werden muss.“

Coronavirus: Auch Kitas und Schulen müssten Verdachtsfälle eigentlich melden.

Mittlerweile sind auch kleine Kinder und Jugendliche massenhaft vom Coronavirus betroffen. Die Inzidenz lag zuletzt zum Teil weiter über 100. Mehr als 200.000 Kinder unter 15 Jahren haben sich in Deutschland schon mit dem Coronavirus infiziert. Die meisten Infektionen scheinen asymptomatisch zu verlaufen, doch es gibt auch schwerere Verläufe – vor allem die neue Variante B117 scheint Kinder härter zu treffen. 

Eigentlich sind auch die Arbeitgeber – und das sind in diesem Fall dann Kitas, Schulen und Universitäten – dazu verpflichtet, innerhalb von drei Tagen sämtliche Infektionen bei den Unfallkassen zu melden. Gemeldet werden muss laut Gesetz jeder Verdachtsfall und nicht nur wenn Kita, Schule oder Universität davon ausgehen, dass auch eine realistische Chance auf Entschädigung besteht. Offenbar haben die verantwortlichen Einrichtungen in den vergangenen Monaten jedoch tausende Fälle nicht bei den Unfallkassen angemeldet.*BuzzFeed News Deutschland ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Video: Welche Spätfolgen der Coronavirus bei Kindern haben kann

Die Redaktion von BuzzFeed News Deutschland berichtet regelmäßig über Machtmissbrauch, Ausbeutung von Arbeiter:innen und schlechte Arbeitsbedingungen. Sie erreichen die Redaktion unter recherche@buzzfeed.de.

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