Impf-Mythen im Faktencheck

Unfruchtbarkeit, Erbgutveränderungen & Spätfolgen: Was ist dran an den Sorgen vor der Corona-Impfung?

Die neuen Corona-Impfstoffe werfen bei vielen Fragen auf. Manche fürchten sogar, die Vakzine könnten Frauen unfruchtbar machen. Die Sorge ist unbegründet.

  • Seit einigen Wochen wird auch in Deutschland gegen das Coronavirus* geimpft.
  • Viele Menschen haben Angst vor möglichen Nebenwirkungen und Langzeitfolgen.
  • Doch viele Bedenken halten einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht stand.

München - Kaum waren die Impfstoffe gegen das Coronavirus gefunden, schon verbreiteten sich im Internet massenweise krude Thesen über die Vakzine. Behauptungen über Veränderungen im Erbgut, Spätfolgen und sogar Unfruchtbarkeit bei Frauen verunsichern viele Bürger. Dafür gibt es bei genauem Hinsehen aber keinen Grund.

Macht die Corona-Impfung unfruchtbar? Das steckt hinter dem Mythos

Über soziale Netzwerke verbreitete sich vor allem eine These schnell: Die Impfungen gegen Sars-Cov-2* könnten Frauen unfruchtbar machen und Schwangerschaften verhindern. Sogar SPD-Politker Wolfgang Wodarg oder der Mediziner Sucharit Bakhdi teilten solche Aussagen. Belegt ist diese Behauptung jedoch nicht.

Hintergrund dieser These ist eine vermeintliche Ähnlichkeit zwischen dem Spike-Protein des Coronavirus und dem körpereigenen Protein Syncytin-1. Letzteres ist für die Bildung der Plazenta verantwortlich und damit tatsächlich für eine Schwangerschaft wichtig. Würden nun durch die Impfung Antikörper gegen das Protein des Coronavirus gebildet, griffen diese angeblich auch Syncytin-1 an und würden so eine Schwangerschaft verhindern.

Verhindert der Corona-Impfstoff eine Schwangerschaft? Darum ist die Behauptung abstrus

Das die Vakzine aber so wirken, halten verschiedene Wissenschaftler für höchst unwahrscheinlich. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass die Impfung unfruchtbar mache lautet der übereinstimmende Tenor. Tatsächlich ist die Ähnlichkeit der beiden Proteine wohl sehr gering. Für eine Beeinflussung sei das Spike-Protein viel zu spezifisch für das Coronavirus, erklärt zum Beispiel Lennart Landau, Professor für Mikrobiologie an der Universität Marburg, gegenüber der ARD-Tagesschau. „Es ist das Strukturprotein mit der höchsten Divergenz und wurde unter anderem zur Minimierung der Kreuzreaktionen mit anderen Erkältungs- oder Durchfall-Corona-Viren gewählt.“ „Eine Kreuzreaktion ist im Grunde unmöglich“, sagt auch die Biochemikerin Annette Beck-Sickinger der Universität Leipzig gegenüber Bild.

Erbgut & Spätfolgen - darüber machen sich viele Menschen bei der Corona-Impfung Gedanken

Auch andere Mythen bereiten Sorgen: So fürchten manche, dass durch die Impfstoffe das Erbgut verändert werden könnte. Das ist faktisch falsch. Zwar arbeiten die Impfstoffe von Biontech/Pfizer* und Moderna auf einem genbasierten Ansatz, aber die Vakzine enthalten nur Messenger-RNA (mRNA) mit einer Art Bauanleitung für Antigene. Gelangt der mRNA-Impfstoff in den Körper lernen die Immunzellen diese Proteine anhand des Bauplans herzustellen. Dabei erreicht die aufgenommene mRNA nie den Zellkern. Auch die unterschiedliche chemische Struktur von DNA und mRNA macht eine Wechselwirkung unmöglich.

Es hat außerdem wenig Sinn mit einer Impfung abzuwarten, bis sich eventuelle Spätfolgen zeigen. Denn sollten Nebenwirkungen auftreten, manifestieren sich diese meist nach kurzer Zeit und spätestens nach einigen Wochen. Das erklärt die Impfstoff-Expertin Petra Falb auf ihrem Blog. Langzeitdaten sammele man bei Impfstoffen hauptsächlich, um bestimmte seltene Nebenwirkungen bei einzelnen Patienten überhaupt beobachten zu können und nicht da Nebenwirkungen so lange nach einer Impfung auftreten können. Auch diese Sorge ist also unbegründet. (mam) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Daniel Karmann

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