Seine Heiligkeit in Heidelberg

Dalai Lama über „Glück und Verantwortung“: Hat er eine Formel zum Glücklichsein?

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Klare Worte, die der Dalai Lama zum Thema „GLück und Verantwortung“ an die Zuhörer in Heidelberg richtet.

„Die Menschen haben zu viele Wünsche und Erwartungen“. Damit steigt der Dalai Lama in seinen Vortrag ein und verblüfft die Massen. Doch was brauchen wir, um tatsächlich glücklich zu sein?

Heidelberg -„Bei unserer Suche nach Glück hilft uns die Kraft der Hoffnung.“ Überall vor der Stadthalle hängen am Donnerstag (20. September) pinke Luftballons mit diesem Spruch. Es sind weise Worte, die ein Mann von sich gegeben hat. Und genau dieser Mann ist in Heidelberg zu Besuch. Die Rede ist vom Dalai Lama - dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter! In einem Vortrag will er über „Glück und Verantwortung“ sprechen.

Um 9:20 Uhr ist es dann so weit: 20 Minuten später als geplant, kommt Seine Heiligkeit an. Wie Heidelberg24.de* berichtet. Es wird ruhig. Die Menschen, die vorher noch geplaudert haben, starren gebannt auf die schwarze Limousine. Schließlich steigt er aus. Der Applaus ist leise, ja fast ehrfürchtig. Schnell merkt man, wie wenig Berührungsängste der Dalai Lama mit dem ‚einfachen Volk‘ hat: Er schüttelt Hände, streichelt hier und da Menschen über den Kopf und flüstert ihnen leise etwas zu. Sogar zu einem Selfie ist er bereit! Seine Aura ist überwältigend.

Der 83-Jährige scheint die Ruhe in Person zu sein. Als er auf der Bühne von Bürgermeister Wolfgang Erichson empfangen wird, lächelt er freundlich in die Kameras der Journalisten. Lässt sich schließlich mit ein wenig Hilfe in den weißen Stuhl fallen und lehnt sich gemütlich zurück.

Der Dalai Lama gut gelaunt bei der Podiumsdiskussion.

Nach einer kurzen Rede Erichsons beginnt der Dalai Lama mit seinem Vortrag. Das Publikum hängt ihm an den Lippen. Die Menschen haben zu viele Wünsche und zu viele Erwartungen, sagt er gleich zu Anfang. „Wut und Angst fressen uns auf.“ Unsere eigenen Emotionen seien schlecht für die Gesundheit. Wir werden zu sehr von unseren Gefühlen gesteuert und ein freier Kopf sei der Schlüssel zu einem gesunden Körper„Es bringt nichts, wenn man physisch gesund ist, der Kopf jedoch nicht“, erklärt Seine Heiligkeit.

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Wir brauchen einander, stattdessen unterscheiden wir zwischen Freund und Feind

Wir seien soziale Wesen, die einander brauchen. Das fange schon damit an, dass wirvöllig hilflos auf diese Welt kommen. Nur weil unsere Mutter sich um uns kümmert, überleben wir. Je älter wir werden, desto weniger kümmern wir uns jedoch um andere Menschen.

Die Hirnforscherin Hannah Monyer fragt Seine Heiligkeit, wie wir unseren natürlichen Instinkt überwinden können, nur unseren nächsten Menschen zu helfen. „Wir unterscheiden zu sehr zwischen Freund und Feind“, erklärt der 83-Jährige. Wenn wir das tun, wecken wir in uns auch schlechte Gefühle, die das Glücklichsein stören. Das, was den Mensch vom Tier unterscheide, sei das Bewusstsein. Genau dieses können wir nutzen, um vollkommene Zufriedenheit und Glück zu erfahren.

Auf der Bühne begrüßt der Dalai Lama das Publikum.

Wenn sich das Klima auf der Welt verändert, dann macht es nicht an Länder- oder Kontinentgrenzen halt. Es wird die ganze Welt betreffen! Doch während sich einige Länder darum kümmern, den Klimawandel zu stoppen, tun andere wiederum nichts dagegen. Doch es werde uns alle treffen, dennwir leben auf dem selben Planeten und kein Mensch kann ohne die Hilfe des anderen überleben.

Auch beim nicht öffentlichen Mittagessen spricht seine Heiligkeit mit Oberbürgermeister Würzner über das Klima und welchen Beitrag Heidelberg dazu leistet. 

Die Frage nach dem Sinn des Lebens

Den Altersforscher Andreas Kruse interessiert die Verbindung zwischen Glück und Verantwortung und er fragt sich, ob diese Kombination vielleicht auch der Sinn des Lebens sei? Der Dalai Lama muss darüber herzlich lachen. Die Frage nach dem „Warum sind wir eigentlich hier?“ ist simpel zu beantworten: „Keine Antwort“, gibt das buddhistische Oberhaupt zu. 

„Was ist der Sinn dieses Wassers?“ fragt er und deutet auf das Wasserglas neben ihm und trinkt einen Schluck. Eine symbolische Antwort? Ist der Sinn des Lebens vielleicht einfach nur das, was Körper und Geist in diesem Moment benötigen - und variabel?

Was ist für Dich Gegenwart?

Zum Abschluss der Podiumsdiskussion beeindruckt der Dalai Lama noch einmal das Publikum und macht den Altersforscher sprachlos: Die Frage, ob man lieber in der Gegenwart leben solle – also das typische ‚Lebe im Hier und Jetzt‘-Gerede - beantwortet Seine Heiligkeit locker: Was ist denn Gegenwart? Ist es das aktuelle Jahr, der Monat, der Tag, die Stunde, die Minute oder die Sekunde?“, dabei gestikuliert er und verringert mit jeder Zeitangabe den Abstand zwischen seinen Fingern, bis dieser kaum noch da ist. 

Ja, und was ist nun die Gegenwart? Sie ist relativ! Es gibt keine Gegenwart, nur eine Vergangenheit, die man mit Sicherheit bestimmen kann.

Ein Abschlussfoto mit allen Beteiligten der Diskussion und Bürgermeister Wolfgang Erichson.

Eine einfache Formel zum Glücklichsein gibt es nicht. Das weiß auch der Dalai Lama. Jedoch kann jeder Mensch dazu beitragen, die Welt besser zu machen, indem er seinen Geist durch Meditation schärft, Verantwortung für sein Handeln übernimmt und das Leben respektiert. 

„Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist“ - Dalai Lama.

*Heidelberg24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

jab 

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