Kindererziehung

Pädagogin rät: Eltern sollen Babys vor dem Wickeln um Erlaubnis fragen

  • Sven Barthel
    vonSven Barthel
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Eltern, die ihre Babys wickeln müssen, sollten sich dafür zuvor die Erlaubnis von ihrem Nachwuchs holen, findet Erziehungs-Expertin Deanne Carson. Wer sein Kind ohne dessen Einwilligung untenrum reinigt, schade dessen Entwicklung.

München - „Hallo, kleiner Hosenscheißer, darf ich deine Windeln wechseln?“ Geht es nach der Überzeugung von Pädagogin Deanne Carson sollte der mehrmals tägliche Wechsel voller Baby-Windeln stets mit der elterlichen Bitte um Erlaubnis eingeleitet werden. Ein Säubern des Intimbereichs ohne Einwilligung des Säuglings könnte sich laut der amerikanischen Therapeutin negativ auf dessen Entwicklung auswirken und üble Konsequenzen haben.

Doch wie bitteschön sollen Babys, die noch gar nicht sprechen können, ihren Eltern ein Ja oder Nein zu deren Wickel-Absichten kommunizieren? „Ganz einfach“, so Deanne Carson. Um die Antwort des Säuglings richtig zu deuten, sollen Eltern „Augenkontakt mit dem Baby halten.“ Damit signalisieren sie dem Kind, dass sie seine Empfindungen ernst nehmen. Konsequenterweise sollen sie die nonverbalen Signale bei ihren Handlungen berücksichtigen. Was zunächst völlig gaga klingt, hat einen durchaus ehrbaren Hintergrund.

Kinder sollen selbst über ihren eigenen Körper bestimmen dürfen

Deanne Carson geht es bei dem ganzen Prozess nicht darum, den Nachwuchs zu verhätscheln, sondern Eltern Respekt vor dem Körper (Merkur.de* berichtete) des Kindes zu lehren und dem Kind sein Grundrecht auf körperliche Selbstbestimmung zu gewähren. Das Kind soll selbst bestimmen dürfen, wer es anfassen darf und wer nicht. In der Regel behandeln Eltern ihr Kind so, wie es die aktuelle Situation erfordert und, wie sie es für richtig halten. Auch dann noch, wenn das Kind schon sprechen und argumentieren kann. Viele Eltern glauben, die Bedürfnisse ihrer Kinder besser einschätzen zu können als die Kinder selbst und setzen sich über deren Protest gegen ihr Handeln einfach hinweg.

Die Knuddel-Attacke der Tante, die „Kitzelfolter“ durch Papa, oder das Klamotten-Zurechtzupfen und Haare-in-Form-Legen durch Oma - die meisten Kinder werden darauf konditioniert, jedwede Liebkosungen sowie spielerische und fürsorgliche ausgerichtete körperliche Zuwendungen* durch Verwandte zuzulassen, auch wenn ihnen selbst gar nicht danach ist - aus Höflichkeit den Älteren, den Respektspersonen, gegenüber. Doch die Botschaft, die dem Kind dadurch vermittelt werde, sei nach Ansicht Carsons falsch: „Erwachsene dürfen mit Kinden machen, was sie wollen. Ihr Kinder müsst das einfach ertragen.“

Ist das Kind erst einmal daran gewöhnt, dass Erwachsene über seinen Körper bestimmen können, besteht die Gefahr, dass es auch dann den Mund nicht aufmacht, wenn es einmal tatsächlich missbraucht wird. Schließlich wurde ihm beigebracht, körperliche Bedrängnis durch Erwachsene der Höflichkeit halber auszuhalten. Deanne Carsons Forderung an junge Eltern, die eigenen Kinder um Erlaubnis zum Wickeln zu bitten, ist letztlich eine Überspitzung, die darauf abzielt, Eltern für die von Kindern gesetzten Grenzen zu sensibilisieren. Dazu zählt auch, zu akzeptieren, wenn Kinder keinen Gute-Nacht-Kuss bekommen wollen und nicht am Kopf getätschelt werden möchten.

*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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