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Fischsterben in der Oder: Seltene Art komplett verschwunden.

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Von: Martina Lippl

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Fischsterben in der Oder: Fischereibiologe Jan Hallermann vom Leibnitz-Institur für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) ist auf der Suche nach dem baltischen Goldsteinbeißer.
Nach Fischsterben in der Oder: Fischereibiologe Jan Hallermann vom Leibnitz-Institur für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) ist auf der Suche nach dem baltischen Goldsteinbeißer. © Frank Hammerschmidt/dpa

Das Fischsterben in der Oder ist eine Öko-Katastrophe. Eine seltene Fischart hat scheinbar nicht überlebt.

Reitwein – Massenhaft sind Fische im Sommer in der Oder verendet. Das Ausmaß der Folgen der menschengemachten Umweltkatastrophe ist zunächst noch unklar. Das gesamte Ökosystem an der Oder – Muscheln, Mollusken (Weichtiere), Algen und Bakterien – sind betroffen. Eine seltene Fischart – der sogenannte Baltische Goldsteinbeißer hat offenbar nicht überlebt. Ob sich die Oder erholt, untersucht eine Forschungsgruppe des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Die Suche nach dem Baltische Goldsteinbeißer (Sabanejewia baltica) blieb zunächst ohne Erfolg, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Fischsterben in der Oder: Seltene Fischart offenbar ausgerottet

Der Baltische Goldsteinbeißer ist etwa 12 Zentimeter lang. Die Fischart lebt eigentlich in Osteuropa und Asien. In der Oder war eine etwa 500 Tiere große Population zuletzt im Jahr 2021 beobachtet worden. Sie galt als westlichstes Vorkommen. Bisher fanden die Forscher aber kein einziges Exemplar mehr. Vom gewöhnlichen Steinbeißer unterscheidet er sich durch seine goldglänzenden Schuppen an den Flanken. Doch im deutsch-polnischen Grenzfluss hat die Fischart den Sommer 2022 wohl nicht überlebt.

Oder-Fischsterben: Umweltkatastrophe im Sommer 2022 „menschengemacht“

Der Salzgehalt in der Oder ist im August stark angestiegen. Woher die hohe Kochsalzkonzentration stammt, ist weiterhin unklar. „Es handelt sich um ein menschengemachtes Problem“, stellt das IGB im jüngsten Bericht zur Oder-Katastrophe fest. Das Salz wird für eine massive und ungewöhnliches Wachstum von giftigen Algen verantwortlich gemacht. In den Wasserproben der Oder konnte ein Algengift nachgewiesen werden. Es ist das Gift einer Algenart (Prymnesium parvum), die ausschließlich im Brackwasser und bei erhöhtem Salzgehalt im Wasser vorkommt. Unter natürlichen Bedingungen in der Oder wäre eine sogenannte Algenblüte nicht möglich gewesen.

Die Folgen sind fatal: Das Algengift (Prymnesium-Toxine) greift und zersetzt die Schleimhäute und feinen Blutgefäße von Kiemenatmer, wie Fische, Weichtiere, Muscheln und Amphibien.

In der Oder setzt im Sommer 2022 ein massenhaftes Fischsterben ein. In Brandenburg hatte das Landesamt für Umwelt (LfU) nach eigenen Angaben erste Hinweise auf eine Umweltverschmutzung am 9. August 2022 erhalten. Ein Schiffsführer hatte über das Fischsterben berichtet und sich demnach an das Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB) gewandt. Tonnen toter Fisch werden in den folgenden Tagen aus der Oder geborgen.

Ob sich die Oder erholt? Bisher gibt es keine Entwarnung für das Ökosystem: Der Salzgehalt sei fast so hoch, wie im August. Das berichtet der Deutschlandfunk unter Berufung auf eine Forschungsgruppe des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei am Dienstag (25. Oktober 2022).

Im September sind bei einer Beprobungen in einem Oderabschnitt in Brieskow-Finkenheerd bei Frankfurt (Oder) 19 gesunde Fischarten nachgewiesen worden. Das sagte der Wissenschaftler am Institut für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow (IfB), wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Dabei sei unter den über 1.800 gefangenen Fischen vom Jungfisch bis zu mehrjährigen Fischen alles dabei gewesen. Bei solchen Stichproben würden allerdings nur ein Bruchteil der Fische erfasst, die wirklich in der Oder sind. Das Institut in Potsdam forscht unter anderem zu Fischökologie in Binnengewässern.

Bei der ersten Beprobung am 19. August waren nach Angaben des Landesfischereiverbandes unter 550 gesunden Fischen 14 Arten entdeckt worden, darunter Barsche, kleine Zander, Hechte und Steinbeißer. (ml mit Material der dpa)

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