Krasser Anstieg

Hamburg: Viele Corona-Tote – darum steigt die Zahl an

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
    schließen

Die Zahl der Coronavirus-Todesfälle in Hamburg steigt weiter an. Woran liegt das? Das steckt hinter den Corona-Toten der Hansestadt.

  • Hamburg*: Rasanter Anstieg der Corona*-Toten.
  • RKI veröffentlicht andere Zahlen als der Senat.
  • In einer Altersgruppe steigen Todesfälle besonders stark an.

Hamburg – Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Mittwoch, 3. Dezember 2020, 487 neue Corona-Tote für Deutschland, davon ließen sich 12 Fälle der Hansestadt zuordnen. Damit gab es in Hamburg nach RKI-Angaben seit Beginn der Pandemie bereits 385 Corona-Tote. Der Hamburger Senat hingegen meldet ganz andere Todeszahlen und zählt lediglich 340 Corona-Tote. Wie kommt diese Differenz zustande?

Stadt in DeutschlandHamburg
Fläche755,2 km²
Bevölkerung1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Vorwahl040
Bürgermeister Peter Tschentscher

Hamburg: Corona-Todeszahlen steigen – RKI zählt anders als Gesundheitsbehörde

„Bindend ist die Zahl des RKI“, erklärt Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD), „wir haben mit den Hamburger Zahlen immer einen Meldeverzug gehabt.“ Der Hintergrund: In Hamburg werden zunächst alle mutmaßlichen Corona-Toten am Institut für Rechtsmedizin obduziert. Gezählt werden dann nur die Fälle, bei denen wirklich das Virus als Todesursache festgestellt werden kann – nach Abendblatt-Informationen sei dies bei 90 Prozent der Obduzierten der Fall. Die Obduktionsergebnisse werden gebündelt veröffentlicht, dadurch kommt es häufig zu Verzügen. Das RKI hingegen zählt alle Todesfälle, bei denen eine Corona-Infektion vorlag.

In Hamburg steigt die Zahl der Corona-Toten. Sozialsenatorin Melanie Leonhard begründet dies mit einer zeitverzögerten Bekanntgabe der Todeszahlen. (24hamburg.de)

Das UKE* erhofft sich von den Obduktionen der Corona-Toten neue Erkenntnisse. „Die Untersuchungen in der ersten Welle der Corona-Pandemie haben beispielsweise eine Häufung von Thrombosen und Embolien bei an Covid-19-gestorbenen und charakteristische Lungengewebeveränderungen gezeigt“, heißt seitens des Klinikums. Daraufhin hätten die Mediziner blutverdünnende Mittel bei der Behandlung der Patienten eingesetzt. „Die Untersuchungen während der zweiten Welle der Corona-Pandemie werden Aufschluss darüber geben, beispielsweise wie sich die Anpassung der medikamentösen Therapie im Krankenhaus auf den Krankheitsverlauf ausgewirkt hat“, beteuern die Mediziner die Wichtigkeit der Obduktionen.

Am Mittwoch, 2. Dezember 2020, hat die Hamburger Gesundheitsbehörde ihre Angabe zur Zahl der Todesfälle seit Beginn der Corona-Pandemie um 59 erhöht. Das erscheint zunächst extrem viel, doch diese Todesfälle haben sich auf den ganzen November verteilt, wie Abendblatt-Recherchen ergaben. Dennoch: Die Kurve der Corona-Toten in der Hansestadt steigt. Gleichzeitig sinken aber die Neuinfektionen.

In der letzten Woche wurden in Hamburg 1812 Neuinfektionen bestätigt, das sind weniger als in der Vorwoche. Auch der Inzidenzwert, also die Zahl der Infizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche liegt mittlerweile wieder unter 100. Nach NDR-Berechnungen gilt dieser Abwärtstrend nicht für die Todesfälle: In den letzten sieben Tagen gab es auf eine Million Einwohner 20 Corona-Tote in der Hansestadt. In Norddeutschland ist das ein Rekordwert, deutschlandweit ist der Wert aber noch höher: Hier gibt es 28,3 Tote pro eine Million Einwohner.

Corona-Tote in Hamburg: Diese Menschen trifft es am häufigsten

Nach einem Bericht der Mopo waren laut Gesundheitsbehörde 191 Personen der insgesamt 340 Todesopfer in Hamburg Männer, 149 Personen waren Frauen. Das jüngste Todesopfer war dabei 31 Jahre alt, das älteste 100. Der Durchschnitt soll bei 82 Jahren liegen. Am meisten Neuinfektionen werden offenbar bei den 15- bis 59-jährigen Menschen registriert, obwohl der Inzidenzwert hier zuletzt sogar sank. Anders sieht es bei den über 80-Jährigen aus, für die ohnehin ein höheres Sterberisiko gilt.

Bei den hohen Todeszahlen in Hamburg ist es nicht überraschend, dass der Hamburger Senat den Teil-Lockdown nun bis zum 10. Januar verlängert hat, wie 24hamburg.de berichtete. Die Corona-Regeln in der Hansestadt wurden sogar selbst am Arbeitsplatz verschärft: Auch im Büro gilt nun die Maskenpflicht. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa & Daniel Reinhardt/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.