Horror-Meldung aus dem UKE

Lage auf Hamburger Intensivstation: Alle Corona-Patienten ohne Impfung

  • VonUlrike Hagen
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Immer mehr Hamburger haben ihre Impfungen hinter sich. Aber die Zahl der Corona-Fälle auf der Intensivstation steigt. Es fällt auf: Alle sind ungeimpft.

Hamburg – Es ist keine Überraschung: Mit den steigenden Corona-Inzidenzen der letzten Wochen steigt auch die Zahl der Corona-Patienten in den Hamburger Kliniken wieder deutlich an. Laut dem Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) wurden am Donnerstag 35 Covid-Fälle in Hamburg intensivmedizinisch behandelt. Deutlich mehr als noch Ende Juli, als lediglich 14 Patienten auf den Intensivstationen lagen. Die Corona-Lage in Hamburg bleibt verschärft.

Und die Intensivmediziner schlagen Alarm, denn fast alle der Covid-Intensivpatienten sind inzwischen ungeimpft! „Wir versorgen derzeit zehn Covid-Patientinnen und -Patienten auf der Intensivstation, alle von ihnen sind ungeimpft. Auch auf der Normalstation sind von den elf Covid-Patienten drei Viertel ungeimpft“, sagte Professor Stefan Kluge, Chef der Intensivmedizin am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

Krankenhaus in Hamburg:Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Adresse:Martinistraße 52, 20251 Hamburg
Gründungsjahr:1889
Betten: 1738
Dekanin:Blanche Schwappach-Pignataro

„Das ist ein Alarmsignal, denn fast alle hatten ein Impfangebot bekommen.“ Die jüngste Covid-Patientin am UKE sei 30 Jahre jung und mehrfache Mutter, der älteste Covid-Fall sei 70 Jahre alt. Die meisten seien demnach Reiserückkehrer aus den Sommerferien, hätten sich in der Familie oder bei Freunden infiziert.

Ohne Impfung: Corona-Fälle auf der Intensivstation häufen sich

Zwar erhielten laut Impfdashboard des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) aktuell 1.230.807 Hamburger und Hamburgerinnen wenigstens eine Impfung – das sind 66,6 Prozent. Und 58,5 Prozent, nämlich 1.081.267 der Hansestadt-Bewohner sind bereits vollständig geimpft (Stand: 19. August 2021).

Dennoch beunruhigen die steigenden Zahlen auf den Intensivstationen auch Mediziner in anderen Bundesländern. Auch dort sind fast alle Menschen, die in den letzten Tagen und Wochen intensivmedizinisch behandelt werden, nicht oder nicht vollständig geimpft. Ein Fakt, der Bürgermeister Tschentscher, der die Corona-Regeln für Umgeimpfte in Hamburg verschärfen will, schlagende Argumente liefert.

Hamburger UKE: Viele Corona-Patienten erst wenige Tage auf der Intensivstation

Auffällig sei, so der Intensivmedizin-Chef des UKE, dass die meisten der Intensivpatienten erst in den letzten zwei Wochen auf die Intensivstation kamen: „Während wir bis vor einigen Wochen mehr als zur Hälfte Patientinnen und Patienten aus der dritten Welle behandelt haben, sind es jetzt nur noch drei. Die anderen haben sich alle in der vierten Welle angesteckt, sie sind weniger als 15 Tage bei uns“, erklärte der Mediziner gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

Von den neun Corona-Patienten, die derzeit auf der Intensiv-Station des UKE mit dem Leben ringen, sind alle ohne vollständige Impfung.

Intensivstation wegen fehlender Corona-Impfung: Zahlen werden künftig veröffentlicht

Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) kündigte bereits an, dass das Register zukünftig auch Angaben über den Impfstatus der Intensiv-Covid-Patienten erheben und veröffentlichen werde. Ob AstraZeneca, Biontech oder Moderna – welcher Corona-Impfstoff verwendet wurde, macht dabei offensichtlich keinen Unterschied.

Coronavirus-Pandemie – keine Alternative zur Impfung in Sicht

Und auch wenn sich Virologe Christian Drosten inzwischen zum dritten Piks äußert, ihn für die meisten für „unnötig“ hält, betont er ebenfalls die grundsätzliche Wichtigkeit einer Corona-Impfung – speziell im Hinblick auf die dominierende Delta-Variante: „Wer sich nicht impfen lässt, wird sich infizieren, und das vielleicht schon in diesem Winter“, warnte er gegenüber der dpa. Auch auf eine vermeintliche Herdenimmunität sollten Impf-Gegner* nicht setzen.

Hamburg: Nur wenige Corona-„Impfdurchbrüche“ auf den Intensivstationen

Bisher gibt auch in Hamburg nur wenige sogenannte „Impfdurchbrüche“, also vollständig Geimpfte, die dennoch als Corona-Infizierte stationär behandelt werden müssen. Trotz vollständiger Impfung haben sich in Hamburg bislang 319 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Das entspricht nach Angaben der Sozialbehörde einer Quote von 0,03 Prozent aller vollständig Geimpften. Dabei handelt es sich vor allem um Menschen mit einer eingeschränkten Immunantwort: „Nach einem halben Jahr geht das über die Impfung erworbene Antikörper-Level vor allem bei sehr alten Menschen deutlich runter“, erklärt Drosten.

Auffrisch-Impfung auch für Genesene wichtig Dritte Impfung im Herbst – Schutz für Alte und Schwache vor der vierten Welle

Damit sich diese Fälle nicht häufen, sei es wichtig, so Drosten, dass insbesondere Patienten mit gedämpftem Immunsystem eine dritte Impfdosis ermöglicht werde. Bei alten und geschwächten Menschen sowie bestimmten Risikopatienten sei eine Auffrischimpfung im Herbst* darum angezeigt. Und auch Genesene sollten eine Corona-Impfung in Betracht ziehen. empfiehlt inzwischen die Ständige Impfkommission (Stiko).

Zum einen schütze eine Infektion mit einer früheren Virusvariante gegen die kursierende Delta-Variante eventuell nicht. Zum anderen halte die Immunisierung bei Genesenen unterschiedlich stark vor, bei einigen lasse die Corona-Immunisierung bereits nach kurzer Zeit nach. Darauf sollte man es lieber nicht ankommen lassen. Denn eins ist wohl sicher: Corona wird uns noch länger begleiten, als uns lieb ist... * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ole Spata/dpa

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