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Weil heterosexuell: Aldi erntet Shitstorm wegen Karottenfamilie

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Von: Ulrike Hagen

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Die Karottenfamilie von Aldi gerät ins diverse Kreuzfeuer. Der Vorwurf: Fehlende Queerness und Diversität der Gemüse-Bagage. Nun tobt eine wilde Twitter-Debatte.

Essen – Möhren sind vieles – gelb, rot, weiß, lila, orange und auch ziemlich gesund. Aber können sie auch divers? Sie sollten! So lauten zumindest die Vorwürfe gegen die animierte, sehr niedliche, sehr unschuldige Karottenfamilie, die als Maskottchen von Aldi, der gerade schon einen Shitstorm erntete, weil veganer Thunfisch ins Sortiment kam, aufspielt: Papa Karotte, Mama Karotte und drei Karotten-Kinder. Die fünf liefern heißen vorweihnachtlichen Stoff für eine absurde Diversitäts-Debatte im Internet. Sie seien zu hetero, zu heil, zu wenig queer, so die Anklage.

Discount-Einzelhandelskette:Aldi
Hauptsitz:Essen
Umsatz:Aldi Süd: 16,4 Milliarden Euro, Aldi Nord: 12,2 Milliarden Euro
Anzahl der Standorte:11.235
Gründer:Karl Albrecht, Theo Albrecht (1946, Essen)

Weil zu Hetero: Shitstorm gegen Möhren-Familie von Aldi

Es ist das Aufreger-Thema der Stunde. Gendern und die Diskriminierungsdebatte, die noch nicht einmal vor etablierten Worten wie Spion haltmacht, der in Gender Sprache nun „Auskundschaftende Person“ heißen soll. Und auch Hamburger Schulen haben zukünftig Unisex-Klos – für die Gender-Gerechtigkeit. Selbst Gott trägt wohl bald ein Gender-Sternchen. Warum soll es da nicht auch die Gemüsesippschaft von Aldi erwischen. Der Vorwurf eines Magazines: Die Maskottchen-Familie habe „einen bitteren Beigeschmack“. Denn die süße Möhrenfamilie zeige, was ,normal´sei und was nicht: „Ein traditionelles Elternhaus mit einem Papa und einer Mama. Dazu drei glückliche und wohlerzogene Kinder. Doch ist das eigentlich noch zeitgemäß?“, heißt es in dem Artikel.

Kai Karotte und Co. – die Weihnachtsmaskottchen-Familie von Aldi.
Kai Karotte und Co. – die Weihnachtsmaskottchen-Familie von Aldi muss sich Diskriminierungsvorwürfe gefallen lassen. © Aldi Nord

Shitstorm gegen Aldi, weil Maskottchen Kai Karotte dieses Jahr seine Hetero-Familie mitbringt

Zum Hintergrund: In der Vorweihnachtszeit letzten Jahres führte Aldi, wo ab Dezember sowie auch in anderen Supermärkten wie Lidl, Edeka und Rewe neue Corona-Regeln gelten*, das Möhrenmaskottchen Kai Karotte ein, das auch als Plüschfigur ebenso wie die Aldi Kollektion 2021 reissenden Absatz fand. In diesem Jahr wurde die Kampagne weitergesponnen. Und diesmal hat Papa Kai sogar seinen Familienanhang im Schlepp – Frau Karla und die drei Kinder Michel, Mia und Merle. „Endlich wieder Weihnachten, mit allem was dazugehört“, lautet der Titel des Werbefilms, in dem die fünf auftreten. 

Karotten im Kreuzfeuer: Der Gemüse-Bagage wird fehlende Queerness und Diversität vorgeworfen

Das Portal wmn.de aber hat mit dieser Weihnachtsidylle ein Problem. Die Forderung lautet, dass Aldi hier ein Statement hätte setzen können, indem sie eine queere Familie zeigen. „Immerhin machen queere Beziehungen gut 15 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.“ Die Kampagne sei eine „Diskriminierung durch Nicht-Präsenz“. Die Autorin Mona Schäffer schreibt: „Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass gerade in der Werbung mehr auf das Einbeziehen der queeren Community geachtet wird und nicht nur die heteronormative Familie in den Vordergrund gestellt wird.“

Diskriminierungs-Kritik an Kai Karotte und Co. – Aldi-Kunden sind sauer

Die Gender-Kritik schmeckt jedoch nur wenigen. Und auf Twitter ätzen Fans der Aldi-Maskottchen gegen das Gemüse -Bashing: „Ich, als bisexueller Mann, bitte Sie, Ihren Artikel runterzunehmen. Sie repräsentieren damit nicht die Ansichten der LGBTQ+ Community, sondern werfen ein schlechtes Licht auf uns. Sie belästigen Aldi mit einem falschen Diskriminierungsvorwurf, der wiederum auf die LGBTQ+* Community zurückfallen könnte.

Unsere Community zielt aber nicht darauf ab, überall auf Zwang queer unterzubringen. Unsere Community zielt auf Toleranz und Akzeptanz ab. Beides wurde im Artikel kein Stück gezeigt. Das grenzt schon an Diskriminierung der Heteronormativen und ist damit genau die gegensätzliche Richtung.“

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Fun-Fakt des Diversitäts-Klamaukes: Karotten an sich sind Zwitter

Es gibt aber auch viele, die es mit Humor nehmen: „Richtig wäre es gewesen, wenn eine Kartoffel zusammen mit einer Maniokwurzel einen Rettich adoptiert hätten, den sie aber als nonbinäre Sellerie aufziehen.“, schreibt Twitter-User „Spiralganglion“. Fakt ist: Der Karotte an sich ist jedenfalls kein Vorwurf zu machen, denn in ihren Blüten wachsen gleichermaßen männliche wie weibliche Organe. Sie ist also ein Zwitter. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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