Irre oder gut?

Coronavirus: Hamburger Virologe will Partys ohne Regeln

Virologe Jonas Schmidt-Chanasit dürfte sich bei Jugendlichen gerade sehr beliebt machen. Der Hamburger Wissenschaftler befürwortet wilde Partys ohne Corona-Gesetze.

  • Virologe Jonas Schmidt-Chanasit will Partys ohne Hygieneregeln.
  • Jugendliche in Hamburg* könnten profitieren.
  • Coronavirus*-Pilotprojekt für ganz Deutschland denkbar.

Hamburg – Geht es nach Professor Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg, sollen Jugendliche bald schon wieder auf der Reeperbahn* wild und ohne Regeln feiern dürfen. Trotz Coronavirus-Pandemie, Sperrstunde und Alkoholverbot. Er hat auch eine Idee, wie das klappen könnte.

Virologe:Jonas Schmidt-Chanasit
Geboren:25. März 1979 (Alter 41 Jahre), Berlin-Pankow, Berlin
Feld:Virologie
Bücher:Zika Virus
Ausbildung:Charité – Universitätsmedizin Berlin, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Virologe Jonas Schmidt-Chanasit ist für Party auf Reeperbahn trotz Coronavirus

In Hamburg explodiert die Zahl der Coronavirus-Neuinfektion geradezu. Seit Montag, 19. Oktober 2020, gilt die Hansestadt Hamburg sogar als Risikogebiet*. Wegen 93 zusätzlicher Neuinfektionen stieg der Inzidenzwert auf 50,6. Das bedeutet, dass sich in den vergangenen sieben Tagen 961 Personen neu mit dem Coronavirus infiziert haben. Also 50,6 pro 100.000 Einwohner. Viele machen dafür vor allem den laxen Umgang mit den Hygieneregeln in Bars, Clubs und Restaurants verantwortlich.

Party ohne Regeln auf der Reeperbahn? Virologe Jonas Schmidt-Chanasit möchte das möglich machen. (24hamburg.de-Montage)

So gab es im Hamburger Schanzenviertel gleich zwei Coronavirus-Asubrüche*. Auch auf der Reeperbahn verstieß ein Club gegen die Sperrstunde. Rund neunzig Gäste tanzten und tranken bis tief in die Nacht ohne Masken oder Sicherheitsabstand*. Die Betreiber müssen jetzt mit einem Bußgeld von rund 5.000 Euro rechnen.

Hamburg besser im Umgang mit Coronavirus-Regeln als Berlin

Genau bei diesen Treibern des Infektionsgeschehens möchte Professor Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung für Arbovirologie am BNITM, ansetzen. Schmidt-Chanasit arbeitet in Hamburg, lebt aber in Berlin. Von dort pendle er regelmäßig in die Hansestadt, wie er im Interview mit dem Focus berichtet. Deswegen habe er auch den direkten Vergleich: „Der springende Punkt ist, dass man die bestehenden Regeln umsetzen und kontrollieren muss! Und in Neukölln und Kreuzberg ist das überhaupt nicht gelungen.“

Dabei denke Professor Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung für Arbovirologie am BNITM, vor allem an den Kiez: „Wir fragen immer, wie wir die Leute unterstützen können – ob die Frauen in der Herbertstraße oder die Theater-Intendanten.“ Zwar könne sein Institut keine Hygienekonzepte erstellen, „wir bieten aber eine schnelle und einfache Testmöglichkeit auf kurzem Dienstweg an.“

Nach Coronavirus-Test: Gesunde Jugendliche sollen gemeinsam feiern können

Und eine Idee. Denn Professor Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung für Arbovirologie am BNITM, hat Mitleid mit den Jugendlichen, denen ein Grundstein des sozialen Miteinanders genommen wird, wenn sie nicht mehr gemeinsam Party machen dürften. So betont er gegenüber dem Focus: „Es muss an Konzepten gearbeitet werden, dass das wieder möglich ist.“

Sein Vorschlag: „Mit Pilotprojekten kann eine Personengruppe getestet werden, die dann in einer bestimmten Zeit miteinander feiert ohne Regelungen.“ Eine bestimmte Gruppe könne also von den allgemeinen Auflagen befreit werden. Keine Maskenpflicht, Sperrstunde oder Alkoholverbot, wenn die Tests alle negativ sind. „Dann stehen vielleicht nicht 100 Clubs zur Verfügung, aber erst einmal zwei“, führt Professor Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung für Arbovirologie am BNITM, seine Idee weiter aus. Das könnte auch die Polizei Hamburg entlasten, die sich wegen der Coronavirus-Regeln auf der Reeperbahn mit aggressiven Partygängern herumärgern muss*.

Hamburg ist Risikogebiet, Maskenpflicht an Schulen wird ausgeweitet

Die aktuelle Regelung würde seiner Meinung nach dazu führen, dass Jugendliche, die feiern wollen, in die Illegalität gedrängt werden würden. Tatsächlich muss das Ordnungsamt in Hamburg bei Kontrollen regelmäßig teils massive Verstöße gegen Hygieneauflagen feststellen*. Aber auch andere Bundesländer haben die Lage kaum noch unter Kontrolle. So wurde das Grand Hotel Seeschlösschen am Timmendorfer Strand geschlossen*. Rund hundert Mitarbeiter mussten in Quarantäne.

Um der Coronavirus-Pandemie Herr zu werden, wird mit dem Ende der Herbstferien in Hamburg die Maskenpflicht an Schulen ausgebreitet. Unter anderem die Eltern der Schüler hatten strengere Maßnahmen gefordert*, obwohl die Einrichtungen selbst keine Treiber des Infektionsgeschehens seine, erklärt Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa & Axel Heimken/dpa

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