US-Studie

Lässt Muskelschwäche Senioren wacklig werden?

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Ein Rentnerpaar in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini

Langsam und ein wenig wacklig auf den Beinen - so bewegen sich viele ältere Menschen. Warum das so ist, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Nun stellen US-Forscher eine Erklärung vor: Schuld ist demnach die erschlaffende Beinmuskulatur. Eine deutsche Expertin ist skeptisch.

Pittsburgh (dpa) - Der gezielte Aufbau der Beinmuskulatur könnte älteren Menschen zu einem stabileren und weniger kräftezehrenden Gang verhelfen.

Das nehmen US-Forscher an, die die Gründe für den oft unsicheren Gang von Senioren in einem Computermodell untersucht hatten. Dies zeigte, dass das Nachlassen der Muskelstärke und die langsamere Kontraktion der Muskelfasern für die Schwierigkeiten beim Gehen verantwortlich sind.

Ein gezieltes Aufbautraining sei vermutlich der einzige Weg, die Gangfähigkeit zu verbessern, was wiederum die Lebensqualität erheblich steigern würde, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "The Journal of Physiology".

Die Studie sei für das Thema Verbesserung der Gangfähigkeit und damit für die Sturzprävention bei älteren Menschen nicht wirklich weiterführend, weil sie wesentliche Aspekte unberücksichtigt lasse, urteilt dagegen Ellen Freiberger, Alternsforscherin am Institut für Biomedizin des Alterns der Universität Erlangen-Nürnberg. 

Es ist lange bekannt, dass im Alter nicht nur die Geschwindigkeit beim Gehen abnimmt, sondern auch die Gangkapazität, also die Strecke die jemand pro aufgenommener Kalorie vorwärts kommt. Verglichen mit Menschen um die 20 Jahre verbrauchten 70-Jährige etwa 15 bis 30 Prozent mehr Energie beim Gehen und das, obwohl sie 0,2 bis 0,6 Meter pro Sekunde langsamer liefen, schreiben Seungmoon Song und Hartmut Geyer von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh in ihrem Fachartikel. Warum das so ist, sei bislang nicht geklärt. Untersuchungen am Menschen seien schwierig, weil es im Alter zu einer Vielzahl von körperlichen Veränderungen komme, die den Gang beeinflussten, und einzelne Faktoren somit nur schwer zu bewerten seien.

Die Wissenschaftler konzipierten nun ein Computermodell des menschlichen Gangs, das zunächst den Gang eines jungen, gesunden Menschen simulierte. Das Modell berücksichtigte zahlreiche Faktoren, die den Gang beeinflussen und die sich mit zunehmendem Altern verändern, etwa am Skelett, den Muskeln und am Nervensystem. Dann variierten sie die unterschiedlichen Einflussfaktoren, um herauszubekommen, welche Veränderungen den Gang eines älteren Menschen hervorriefen.

Das Ergebnis: Nur das Altern der Muskeln - also der Verlust an Muskelstärke und -masse sowie die langsamere Kontraktion der Muskeln - führte die für viele ältere Menschen typischen Gangunsicherheiten herbei. Es sei bereits gezeigt worden, dass solche Veränderungen durch körperliches Training umkehrbar seien. Welches Training die besten Ergebnisse erziele, sei aber noch unklar.

"Mit ihrer Konzentration auf physiologische Prozesse greifen die Forscher meiner Ansicht nach zu kurz", sagt Freiberger. "Wir wissen, dass viele Faktoren die Funktion des Gehens beeinflussen. Ältere Menschen gehen zum Beispiel nicht mehr automatisch, sondern brauchen kognitive Ressourcen beim Gehen, sie müssen sozusagen über das Gehen nachdenken." Hinzu käme die Angst vor Stürzen, Veränderungen der Muskulatur und Probleme mit dem Gleichgewicht. "Es gibt zahlreiche Studien die zeigen, dass Kraftaufbau allein nicht die gewünschten Effekte bringt, um die Gangsicherheit zu erhöhen."

Ein sicherer Gang sei aber mit eine Voraussetzung zur Sturzprävention, die wiederum wesentlich sei, um die Gesundheit und Mobilität älterer Menschen zu erhalten, betont die Expertin. Stürze seien im Alter häufig: Etwa 30 Prozent aller Menschen über 65 Jahren stürzten einmal im Jahr, bei den über 80-Jährigen seien es schon 50 Prozent. Viele davon stürzten mehrmals. Zur Vorbeugung empfehlen Fachleute ein Kombinationstraining, das die Verbesserung des Gleichgewichts und des Ganges sowie eine Kräftigung der Muskulatur zum Ziel hat.

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