Neue Klimawandel-Studie

Land unter: Im Norden drohen massive Überschwemmungen

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Diese Karte zeigt Flächen, die laut „Climate Central“ im Jahr 2050 voraussichtlich unter dem Hochwasserniveau liegen werden und von regelmäßigen Überflutungen bedroht sind, derzeit allerdings gut durch Deiche geschützt werden.

Erschreckende Nachrichten aus den USA: Amerikanischen Forschern zufolge könnten aufgrund der Erderwärmung, die Pole und Gletscher schmelzen und den Meeresspiegel steigen lässt, bereits in gut 30 Jahren Teile von Norddeutschland regelmäßig überflutet sein.

  • Neue Hochwasser-Prognose für Niedersachsen
  • Meeresspiegel-Anstieg demnach höher als bislang erwartet
  • Überflutungen zeitweilig in großen Teilen des Landes
  • Deiche schützen Bewohner noch vor Auswirkungen

Hannover – Von Lars Laue. Insbesondere die Nordseeinseln werden nach der US-Prognose von Hochwasser betroffen sein – aber auch Teile von Rügen, Fehmarn und Ostfriesland sowie dem Oldenburger Land, dem Bremer Umland und dem Emsland. Im Jahr 2100 sind – nach den Berechnungen der Wissenschaftler Scott A. Kulp und Benjamin H. Strauss von der angesehenen Universität Princeton – auch die Großstädte Bremen und Hamburg gefährdet. Auch gut die Hälfte der Niederlande könnte dann regelmäßig überflutet sein. Diese Erkenntnisse sind das Ergebnis eines verbesserten globalen Höhendatensatzes, mit dem die beiden Forscher neue Geländemodelle erarbeitet haben.

Nicht ganz so dramatisch sieht der renommierte Klimaforscher Mojib Latif die aktuelle Hochwasser-Prognose. Von „absaufen“ könne jedenfalls keine Rede sein. „Die Überflutung hängt ganz entscheidend davon ab, wie genau das Terrain aussieht. Es ist ja nicht immer flach.“

Risiko für temporäre Überflutungen deutlich erhöht

Andererseits können sich gerade in Ballungsgebieten Messfehler ergeben: „Hier können etwa Hochhäuser vortäuschen, dass das Gelände höher liegt, als es tatsächlich der Fall ist.“ Die Autoren hätten jetzt „ein verbessertes Höhenmodell vorgestellt und sagen, dass sich dadurch das Risiko für temporäre Überflutungen bei extremen Wasserständen deutlich erhöht und mehr Menschen betroffen wären als bisher angenommen“, erklärt Latif.

Stark gefährdet: Baltrum, die kleinste der Ostfriesischen Inseln im niedersächsischen Wattenmeer.

Für Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies belegt die Studie „die mittlerweile dramatischen Entwicklungen der vergangenen Jahre*“. „Der vorhergesagte Anstieg des Meeresspiegels zwischen 60 Zentimetern und 1,10 Meter wird sich elementar auf die Küsten Niedersachsens auswirken“, betont der SPD-Politiker und fügt hinzu: „Die Menschen an der Küste müssen sich zwar heute und in den Folgejahren keine Sorgen machen. Dafür garantieren unsere sicheren Deiche

Nordsee-Meeresspiegel könnte deutlich über einen Meter ansteigen

Aber wenn wir bei der Erderwärmung so weiter machen wie bisher, dann besteht die Gefahr, dass der Meeresspiegel in der Nordsee deutlich über einen Meter bis zum Jahr 2100 ansteigt. Und diese Hochwasser-Situation ist mit den heutigen Möglichkeiten kaum in den Griff zu kriegen“, warnt Lies, der deshalb einen „konsequenten Klimaschutz“ einfordert.

Kommentar zum Thema Klimawandel an der Küste

Umwelt schützen

Von Lars Laue

Schwimmen, wo eben noch eine Insel, eine Stadt oder eine Gemeinde war: Wenn wir so weitermachen wie bisher, drohen schon in 30 Jahren die ersten Kommunen regelrecht abzusaufen. Zugegeben das Szenario ist etwas zugespitzt, aber es macht den Ernst der Lage deutlich.

Wer vor diesem Hintergrund immer noch meint, der Klimawandel sei „halb so wild“ und wir bräuchten unser Verhalten nicht zu ändern, der irrt gewaltig. Nun kann man von der aus gutem Grund umstrittenen Klimaaktivistin Greta Thunberg halten, was man will, aber sie setzt an einem zentralen Punkt an, der uns alle angeht. Jeder sollte, nein jeder muss angesichts ständig neuer Schreckensmeldungen von renommierten Klimaforschern endlich begreifen, dass der Klimaschutz das zentrale Zukunftsthema ist. Ob in der Industrie, beim Thema Verkehr oder in den eigenen vier Wänden: Jeder kann und muss etwas tun, um unsere Umwelt zu schützen und die Erderwärmung aufzuhalten.

Mit politischen Sonntagsreden ist es ebenso wenig getan, wie mit halbherzigen Klimazielen. Das Klimapaket der Bundesregierung und selbst die Klimaschutz-Pläne des Landes Niedersachsen sind nicht wirklich geeignet, um hier ein deutliches Signal zu setzen. Klimaschutz ist aber auch nichts, was ausschließlich politischen Vorgaben folgen sollte. Wer es ernst mit dem Thema meint, sollte sich zuallererst selbst fragen, wie sein ganz persönlicher Beitrag aussieht, um unsere Welt für nachfolgende Generationen zu erhalten. Und dabei geht es gar nicht darum, die ganz großen Räder zu drehen. Ob es – wo möglich – der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad oder die Bahn ist oder die deutliche Reduzierung von Plastikmüll: Wenn alle mitmachen und ihren Teil leisten, ist schon viel erreicht.

*kreiszeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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