Ressourcenmangel

Leb wohl, E-Auto? Die Produktion ist bedroht – international

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
    schließen

In der Produktion von E-Autos werden wichtige Rohstoffe immer knapper. Diese Gefahr bringt auch noch nun ganz andere Probleme der Auto-Industrie ans Tageslicht.

Hamburg – E-Autos erfreuen sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Der Siegeszug zwang Daimler und Co. in die Knie – auch die großen Hersteller setzten künftig auf E-Autos. Nichtsdestotrotz bereiten sie noch viele Probleme: Die Akkus sind im wahrsten Sinn brandgefährlich, Lademöglichkeiten sind knapp und der Strom wird immer teurer. Und nun kommt das nächste Problem: In vielen E-Auto-Batterien wird ein seltener Rohstoff verbaut, der nun immer knapper wird. Alles nur kleine Anlaufschwierigkeiten auf dem Weg zur Energiewende oder doch schon der Anfang vom Ende?

Chemisches Element:Cobalt
Symbol:Co
Atommasse:58,933195 u
Schmelzpunkt:1.495 °C

War es das schon wieder mit den E-Autos? Die Rohstoffe werden knapp – das steckt dahinter

Der direkte Vergleich mit herkömmlichen Verbrennern zeigt die Vorteile der E-Autos: Umweltfreundlichkeit dank besserer Co2-Bilanz, geringe Betriebskosten oder einfach einen leiseren Motor. Die Gründe, warum E-Autos so beliebt sind, sind divers. Dass E-Autos, deren Erfolg seinerzeit schon Astrophysiker Stephen Hawking prophezeite wurde*, jedoch ebenso verhasst sind, ist gleichermaßen hinlänglich bekannt.

Immer wieder wird Elektroautos eine erhöhte Brandgefahr nachgesagt. Besonders kurios: In Amerika fackelte ein Elektroauto-Akku beinahe ein ganzes Wohnhaus ab. Wegen der hohen Brandgefahr wurden Verbraucherinnen und Verbrauchen schon vor längerer Zeit aufgefordert, einige E-Autos nur noch mit einem Abstand von 15 Metern zum nächsten Fahrzeug zu parken. Besonders heikel: Brennt ein E-Auto wegen des Akkus ab, zahlen die Hersteller keineswegs immer Entschädigung – General Motors forderte sogar 12.000 Euro vom Fahrer, weil ein E-Auto von Chevrolet abbrannte. Besonders heikel: müssen so manche E-Auto-Ladesäulen mit Eiswürfeln gekühlt werden, da sie schlichtweg zu heiß laufen. Doch es gibt noch weiteres Problem, das sich tief im Inneren der E-Autos versteckt.

Die verwendeten Ressourcen werden knapp. Ola Källenius, CEO von Daimler, wollte wie viele weitere Autohersteller künftig auf das E-Auto setzen*. Nun rechnet der CEO mit einer besorgniserregenden Bilanz: Bereits 2022 könnte es durch fehlende Chips enorme Probleme bei der E-Auto-Produktion geben. Nach Information des Handelsblatt ist dies allerdings nicht das einzige Problem: Eine weitere Ressourcenknappheit stellt die Hersteller vor großen Herausforderungen. Der Bedarf nach dem Metall Kobalt steigt, doch das Vorkommen ist begrenzt. Die Ressource kommt nur in bestimmten Regionen vor. Auch die Bedingungen des Bergbaus hinterlassen Fragezeichen. Kritik an der Automobilindustrie wächst.

Elektroauto-Produkt in Gefahr: Bis 2025 könnte der Metall-Bedarf von 150.000 auf 250.000 Tonnen ansteigen. (Symbolbild)

Elektroautos: Kobalt-Mangel könnte zum großen Produktionsproblem werden

Verbaut sind die verschiedensten Metalle in den Batterien der E-Autos. Sie sind entscheidend, für die spätere Fortbewegung des Fahrzeugs. Zufolge von bw24.de konnte die für E-Autos bedeutsame Ressource Lithium zunächst gesichert werden. So wurde ein Forscherteam im Oberrheingraben auf eine derart große Menge an Lithium aufmerksam, dass dessen Weiterverarbeitung im Alleingang die Produktion von rund 400 Elektroautos gewährleisten könnte.

Anders verhält es sich mit Aluminium sowie einem weiteren Rohstoff: Dem Handelsblatt sagte David Brocas, Kobalt-Händler der Schweizer Unternehmensgruppe Glencore: „Bei den Autoherstellern besteht die Sorge, dass Kobalt zu einem Problem werden könne, wie es Mikrochips heute sind“. Ein Kobalt-Ersatz ist schwer zu finden. Besonders problematisch: Mit 70 Prozent kommt ein Großteil der Kobalt-Produktion aus der Demokratischen Republik Kongo hervor. Sind die Ressourcen erschöpft, ist der Fortbestand in Gefahr.

Rohstoff-Abbau für Elektroauto-Produktion deckt menschenunwürdige Umstände auf

Die Industrie sucht nach Alternativen. Nickel konnte bereits als ernsthafte Kobalt-Alternative in Erwägung gezogen werden. Doch auch hier wieder das gleiche Problem für Autohersteller: Auch Nickel fällt durch sein konzentriertes Vorkommen auf. Wie bw24.de berichtete, kommt Nickel mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent nur in Indonesien, Philippinen und Teilen Russlands vor.

Die Ressourcen sind begrenzt. Doch ein weiteres Problem wird im Zuge der E-Auto-Produktion sichtbar: die menschenunwürdigen Bedingungen des Rohstoff-Abbaus sowie die Konsequenzen, die manche Regionen aufgrund dessen zu fürchten hätten. Nach Berichten des Handelsblatts hätte etwa Chile durch den Lithium-Gewinn mit regionalen Wassernotständen zu kämpfen gehabt. Widrige Bedingungen würden auch in der Demokratischen Republik Kongo vorherrschen. Unter anderem berichtete Deutschlandfunk 2019 von tödlichen Unfällen sowie Kinderarbeit.

Kobalt ist für die E-Auto-Produktion unerlässlich. Das belegen auch die von bw24.de zitierten Zahlen: Bis 2025 würde der Metall-Bedarf von 150.000 auf 250.000 Tonnen ansteigen. Demzufolge könnte schon innerhalb der nächsten fünf Jahre die Nachfrage das Angebot übersteigen. Das Thema Kobalt-Knappheit ist ein dringendes – aus vielerlei Perspektiven müssen die Hersteller handeln. Oder vielleicht doch das Ende des E-Mobils einläuten und volle Kraft auf Wasserstoff setzen? Ein deutsches Unternehmen hat gerade einen revolutionären Wasserstoff-Motor ganz ohne Akku und Brennzelle entwickelt. *kreiszeitung.de und bw24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Jonas Walzberg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.