Retorten-Mammut

In 6 Jahren könnte es Mammuts auf der Erde geben: Forscher wollen sie zum Leben erwecken

  • Sina Alonso Garcia
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Wissenschaftler wollen gemeinsam mit einer Biotech-Firma Hybride aus Elefanten und Mammuts erzeugen. Dafür schaffen sie im Labor Embryonen, die Mammut-DNA tragen.

Boston - Rund viertausend Jahre nach dem Aussterben des Wollhaar-Mammuts starten Wissenschaftler einen unglaublichen Vorstoß. Wie mehrere Medien berichten, wollen die Forscher Elefanten-Mammut-Hybride züchten und sie in die arktische Tundra zurückbringen. Erste Kälber werden in sechs Jahren erwartet. Finanziert werden soll das Vorhaben mit 15 Millionen Dollar (umgerechnet circa 12,7 Millionen Euro) von dem auf Genforschung spezialisierten Unternehmen „Colossal“.

„Unser Ziel ist es, einen kälteresistenten Elefanten zu züchten, der aber wie ein Mammut aussehen und sich auch so verhalten wird“, sagte George Church, Professor für Genetik an der Harvard Medical School, gegenüber The Guardian. „Nicht, weil wir irgendjemanden austricksen wollen, sondern weil wir etwas wollen, das dem Mammut funktionell gleichwertig ist, das seine Zeit bei Minus 40 Grad genießt und all die Dinge tut, die Elefanten und Mammuts tun, vor allem Bäume umhauen“, so Church. Gemeinsam mit dem Technologieunternehmer Ben Lamm, Chef des Biotech-Unternehmens Colossal, hat Church den Anstoß zum Projekt gegeben.

Mammut aus dem Labor: So entsteht ein Retortenbaby

Was klingt wie aus einem Science-Fiction-Film entsprungen, soll schon bald in dem Projekt umgesetzt werden: So ist es das erklärte Ziel von Lamm und Church, im Labor Embryonen zu erzeugen, die Mammut-DNA tragen. Dabei soll die DNA aus einem mumifizierten Mammut-Baby entnommen und mit der DNA eines Asiatischen Elefanten gemischt werden. Daraus würde ein Embryo entstehen, der entweder einer Elefantenkuh eingesetzt oder künstlich herangezogen wird. Das Retorten-Mammut enthält Gene, die für die starke Behaarung, die isolierenden Fettschichten und andere Anpassungen an das kalte Klima verantwortlich sind.

Wissenschaftler untersuchen die Überreste des Mammut-Babys Ljuba, das im Permafrostboden entdeckt wurde.

Mit ihrem ungewöhnlichen Projekt wollen die Forscher dazu beitragen, die Asiatischen Elefanten zu erhalten - und sie gleichzeitig mit Mammut-DNA ausstatten. Diese ermöglicht den Tieren, in weiten Teilen der Arktis zu leben. Vom „Comeback des Mammuts“ erhoffen sich die Forscher auch, dass die Tiere einen positiven Einfluss auf geschädigte Lebensräume haben. Sie glauben, dass die Elefanten-Mammut-Hybride dazu beitragen, das ehemalige arktische Grasland wiederherzustellen - zum Beispiel, indem sie Bäume fällen, was den Boden kühl halten soll. So könnten die Tiere uns helfen, die Klimakrise zu bekämpfen, argumentieren die Forscher. Erst kürzlich fanden Goldgräber in Kanada gigantische Mammutskelette (BW24* berichtete).

Mammuts aus dem Labor: Kritiker noch skeptisch

Dass die im Labor erzeugten Mammuts tatsächlich einen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise leisten würden, sehen andere Wissenschaftler durchaus kritisch. „Meiner Meinung nach sind die angeführten Begründungen - die Idee, dass man die arktische Umwelt mithilfe einer Mammutherde wieder herstellen könnte - nicht plausibel“, sagte etwa die Evolutionsbiologin Victoria Herridge vom Natural Histroy Museum gegenüber The Guardian.

Auch Gareth Phoenix, Professor für Ökologie der Pflanzen und des globalen Wandels an der Universität von Sheffield, sagte: „Mammuts werden als Lösung vorgeschlagen, um das Auftauen des Permafrosts in der Arktis zu stoppen - und zwar, weil sie Bäume entfernen, den Boden zertrampeln und verdichten und Landschaften in Grasland umwandeln.“ Dies könne zwar dazu beitragen, den Boden kühl zu halten. „Wir wissen jedoch, dass in den bewaldeten Regionen der Arktis Bäume und Moosbedeckung für den Schutz des Permafrosts von entscheidender Bedeutung sind, so dass das Entfernen der Bäume und das Zertrampeln des Mooses das Letzte wäre, was man tun sollte.“

Mammuts: Anders als viele denken sind sie nicht die Vorfahren der Elefanten

Mammuts sind eine ausgestorbene Gattung der Elefanten. Sie entstanden im Übergang vom Miozän zum Pliozän in Afrika und besiedelten in der darauf folgenden Zeit sowohl Europa als auch Asien und Nordamerika. Das Mammut gehört zwar zur Gattung der Elefanten, ist aber kein direkter Vorfahre der heutigen Elefanten. Nach morphologischen Vergleichen ist das Mammut mit dem Asiatischen Elefanten näher verwandt als mit dem Afrikanischen. Asiatische Elefanten können Besucher der Wilhelma in Stuttgart* bald in der neuen, weltweit einzigartigen „Elefantenwelt“* bewundern, deren Bau aktuell auf Hochtouren läuft. Die Wilhelma in Stuttgart* ist der einzige zoologisch-botanische Garten Deutschlands. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Holger Neuhäuser/dpa

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