Franziskus zurück in Südamerika

Millionen feiern „Friedensfest“ mit dem Papst in Kolumbien

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Papst Franziskus befindet sich derzeit in Kolumbien.

Der erste Papst aus Lateinamerika zieht in Kolumbien ein Millionenpublikum an, viele tragen weiße Kleidung. Seine mahnenden Worte sollen das Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen stärken.

Villavicencio - Papst Franziskus hat Kolumbien nach Jahrzehnten der Gewalt zu einem Neubeginn aufgerufen. „Jede Friedensbemühung ohne die ehrliche Verpflichtung zur Versöhnung wird scheitern“, sagte er am Freitag bei einer Heiligen Messe in der früheren Konfliktregion Villavicencio mit rund 600 000 Gläubigen. Die meisten waren ganz in weiß gekleidet, die Reise wirkt wie ein großes Fest des Friedens. „Sich versöhnen heißt allen Menschen, welche das Drama des Konflikts erlebt haben, eine Tür zu öffnen“, betonte der 80 Jahre alte Papst.

Franziskus sprach den Bischof Jesús Emilio Jaramillo und den Priester Pedro María Ramírez selig. Jaramillo war Bischof der Stadt Arauca, als er 1989 von der ELN-Guerilla entführt und ermordet wurde. Ramírez war bereits im Jahr 1948 ermordet worden. Auch rund 6000 Opfer des jahrzehntelangen Konfliktes waren in Villavicencio dabei. Der Vatikan hatte die Verhandlungen mit der Farc-Guerilla maßgeblich unterstützt, um nach fast 220 000 Toten in den Konflikten zwischen Guerilla, Streitkräften und rechten Paramilitärs eine neue Ära einzuläuten.

Kolumbien könnte durch Frieden boomen

Auch mit der letzten Guerillagruppe ELN ist ein Friedensabkommen geplant. Ausländische Unternehmen setzen auf einen Boom in den Land. 2016 kamen zudem erstmals über fünf Millionen Touristen.

Nach Angaben der Stadt hatten sich zuvor bereits in Bogotá bei einer Messe 1,3 Millionen Menschen versammelt. Hunderte fliegende Händler verkauften dort Franziskus-Artikel. Auch starker Regen hielt die vielen Pilger nicht ab. Auch an den Straßen entlang der Routen des Papst-Trosses jubelten die Menschen dem Oberhaupt der katholischen Kirche zu. Rund 80 Prozent der Kolumbianer sind katholisch, die Kirche spielt in den ländlichen Regionen eine tragende Rolle als Friedensstifter. Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos sprach von einem großen Beweis der Einheit.

2016 hatte er mit der linken Guerillaorganisation Farc einen mühsam ausgehandelten Friedensvertrag unterzeichnet, der in einem Referendum zunächst abgelehnt, dann aber vom Kongress beschlossen wurde. Vor allem eine Sonderjustiz mit milden Strafen für Verbrechen stößt auf Widerstand, zudem werden die Maßnahmen zur Wiedereingliederung der Ex-Guerilleros und zur Verstärkung der staatlichen Präsenz in Konfliktregionen sehr viel Geld kosten. Am Samstag besucht Franziskus Medellín. Die Stadt gilt als „katholische Hauptstadt“ des Landes. Am Sonntag endet die Reise in Cartagena. Der Argentinier ist der dritte Papst, der Kolumbien besucht. Zuvor waren Papst Paul VI. 1968 und Johannes Paul II. 1986 in das südamerikanische Land gereist.

dpa

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