Nach Orkan "Friederike"

Pro Bahn fordert weniger Bäume neben Gleisen

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Ein vom Sturm entwurzelter Baum liegt in Düsseldorf auf Oberleitungen. Foto: David Young

Wieder krachten viele Bäume auf die Gleise. An mehr als 200 Streckenabschnitten wurden Reparaturen nötig. Erstmals seit 2007 kam der Bahn-Fernverkehr durch Orkantief "Friederike" komplett zum Erliegen. Fahrgast-Lobbyisten fordern: Pflanzt mehr Büsche neben den Gleisen!

Berlin (dpa) - Der Fahrgastverband Pro Bahn verlangt nach der Komplettsperrung des Bahnverkehrs wegen Orkantief "Friederike" niedrigere Gewächse neben Bahnstrecken.

"Sinnvoll ist direkt neben den Gleisen eine Bepflanzung mit Sträuchern und Büschen. Bäume sollten erst in einem größeren Abstand zum Gleis gepflanzt werden", sagte Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Die Bahn hatte wegen des Sturms den Fernverkehr am Donnerstagnachmittag erstmals seit 2007 bundesweit eingestellt. "Friederike" richtete nach Bahn-Angaben Millionenschäden an. An mehr als 200 Streckenabschnitten wurden Reparaturen notwendig.

Zwei Tage nach dem Orkan normalisierte sich der Bahnverkehr in Deutschland weitegehend. Die meisten gesperrten Strecken im Fernverkehr wurden im Laufe des Samstags wieder freigegeben, wie ein Sprecher sagte. Zwischen Dortmund und Hamburg gebe es weiter eine Umleitung über Hamm, weil auf der Hauptstrecke Bäume auf den Gleisen lägen. Durch die Umfahrung gebe es zehn bis 15 Minuten Verspätung pro Zug.

Noch nicht wieder komplett in Betrieb seien auch Verbindungen zwischen Köln über Kassel nach Leipzig und von Berlin nach Amsterdam. Dort sei die Strecke nahe der niederländischen Grenze noch unterbrochen, als Ersatz führen Busse.

Im Regionalverkehr sind noch einige Strecken in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, im südlichen Brandeburg und Sachsen gesperrt. Bis zum Ende des Wochenendes sollen die Züge auch dort wieder rollen.

Pro Bahn argumentiert, mit mehr Büschen und weniger Bäumen neben Gleisen würden sich zwei Vorteile ergeben: Umstürzende Bäume würden weitgehend von den Sträuchern und Büschen aufgefangen. Zudem würde durch das niedrige Gehölz ein wertvoller Lebensraum für Insekten entstehen. Ein Konzept könnte einvernehmlich zwischen Bahnbetreibern, Naturschutzbehörden und Fahrgastverbänden erstellt und wenn nötig mithilfe der öffentlichen Hand finanziert werden, sagte Naumann.

Kündigt sich ein schwerer Sturm an, reagiert die Bahn inzwischen schneller als früher mit der Einstellung des Zugverkehrs. Sie will so verhindern, dass Züge auf offener Strecke liegenbleiben und evakuiert werden müssen. Vorsorglich bleiben die Züge deshalb in den Bahnhöfen.

Nach Bahn-Angaben werden die Pflanzen neben den Gleisen zurzeit mindestens sechs Meter zurückgeschnitten. In problematischen Zonen soll es auch breitere Streifen geben. In ihr Vegetationsprogramm will das Unternehmen 2018 wie schon im Vorjahr rund 100 Millionen Euro stecken. Für Neupflanzungen will die Bahn ausschließlich tiefwurzelnde Baumarten wie Eiche oder Blutahorn verwenden.

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