In Bielefeld

Er vergiftete die Pausenbrote seiner Kollegen: Lebenslange Haft für Mordversuche 

+
Im Prozess um die vergiftete Pausenbrote wurde nun das Urteil gefällt. (Symbolbild)

Im Prozess um Mordversuche mit vergifteten Pausenbroten wurde der Angeklagte in Nordrhein-Westfalen nun zu lebenslanger Haft verurteilt. 

Update vom 7. März, 15:41 Uhr: Im Prozess um Mordversuche mit vergifteten Pausenbroten in einer Firma in Nordrhein-Westfalen ist der Angeklagte zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Das Landgericht Bielefeld sprach den 57-jährigen Schlosser am Donnerstag des Mordversuchs und verschiedener Körperverletzungsdelikte schuldig. Es stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest, womit eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen ist.

Der Mann soll über Jahre hinweg Kollegen mit Schwermetallverbindungen vergiftet haben, die er ihnen heimlich auf Pausenbrote streute. Drei Mitarbeiter seines Unternehmens erkrankten schwer, einer von ihnen erlitt irreparable Gehirnschäden. Das Gericht sprach bei der Urteilsverkündung von einer "gespenstischen" Serie. Der Angeklagte sei gefährlich für die Allgemeinheit.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte eine zeitlich begrenzte Haftstrafe erreichen wollen. Der Angeklagte selbst schwieg vor Gericht zu den Vorwürfen, die möglichen Tatmotive blieben unklar. Auch OWL24.de berichtete über den Fall. 

Pausenbrot-Vergifter aus Bielefeld: Experte spricht über Motiv

Update vom 27. Februar 2019: Im Prozess um vergiftete Pausenbrote fordert die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes eine lebenslange Gefängnisstrafe. Die Anklage sprach sich am Mittwoch beim Landgericht Bielefeld zusätzlich für eine anschließende Sicherungsverwahrung des 57-jährigen Angeklagten aus. Der Staatsanwalt sieht es nach dem Indizienprozess als erwiesen an, dass der Deutsche über Jahre Kollegen in einem Betrieb in Ostwestfalen mit Gift auf Pausenbroten und Getränken gesundheitlich schwer geschädigt hat. Da der Angeklagte sich über Jahre intensiv mit dem Thema Gift beschäftigt habe, sei ein Hang zu weiteren Straftaten eindeutig.

Zwei der Opfer sind schwer nierenkrank, ein dritter Kollege liegt mit einem nicht heilbaren Hirnschaden im Wachkoma. „Der Versuch des Mordes liegt in diesem Fall sehr nah am Tod“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Bislang schweigt der Angeklagte und hat nicht preisgegeben, warum er die Pausenbrote vergiftet hat. 

Allerdings gaben Tags zuvor zwei Experten Hinweise auf ein mögliches Tatmotiv. Demnach habe der 57-Jährige an seinen Kollegen beobachten wollen, wie das Gift auf ihren Pausenbroten wirkt, sagte der Psychologe am Dienstag als Zeuge vor dem Landgericht Bielefeld aus. "Seine Äußerungen zu seinem Motiv kamen mir vor wie bei einem Wissenschaftler, der ausprobiert, wie Stoffe wirken bei einem Kaninchen", sagte der Psychologe.

Schlimmer Verdacht nach vergiftetem Pausenbrot - jetzt prüft die Polizei 21 Todesfälle

Schloß Holte-Stukenbrock - Nach einem mutmaßlichen Mordversuch mit vergiftetem Pausenbrot in Ostwestfalen werden die Ermittlungen ausgeweitet. Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen jetzt rückwirkend 21 Todesfälle seit dem Jahr 2000.

Dabei geht es um Mitarbeiter einer Firma in Schloß Holte-Stukenbrock, die vor Eintritt in den Ruhestand starben, wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Mittwoch mitteilten. Auffallend oft starben die Betroffenen demnach an Herzinfarkten und Krebserkrankungen.

56-Jähriger in Untersuchungshaft

Seit Mai 2018 sitzt ein 56-Jähriger Mitarbeiter der Firma in Untersuchungshaft. Er soll versucht haben, mit einem toxischen Pulver auf der Brotzeit seinen Kollegen umzubringen.

Der Tatverdächtige war durch Videoaufzeichnungen überführt worden, nachdem einem Kollegen ein verdächtiges Pulver auf dem Belag seines Brotes aufgefallen war.

Lesen Sie auch: Vergifteter Ex-Doppelagent Skripal aus Klinik entlassen

Verdächtige Stoffe gefunden

Zu den Vorwürfen schweigt der Mann, das Motiv ist offen. In seiner Wohnung fanden die Ermittler laut Mitteilung Stoffe, aus denen giftige Substanzen hergestellt werden können.

Darunter sind Quecksilber, Blei und Cadmium. Nach einem vorläufigen Gutachten des Landeskriminalamtes soll der Verdächtige giftiges Bleiacetat auf das Brot gestreut haben. Die Menge sei dazu geeignet gewesen, schwere Organschäden auszulösen.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.