Angst vor deutschem Fleisch

Afrikanische Schweinepest in Deutschland: Bundesland will festen Grenzzaun errichten

Auch in Deutschland ist die Afrikanische Schweinepest angekommen. Jetzt reagieren zwei Länder und stoppen die Fleisch-Einfuhr aus der Bundesrepublik. Die Bauern reagieren besorgt.

  • In Brandenburg ist bei einem Wildschweinkadaver die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen worden.
  • Die Seuche kursiert schon länger in Polen, nun ist auch Deutschland betroffen.
  • Für Tiere ist die Krankheit tödlich - erste Länder stoppen den Import von deutschem Fleisch.
  • Darauf reagieren die Bauern mit großer Sorge (siehe Update vom 13. September).

Update vom 22. September, 16.06 Uhr: Brandenburg hat nach zunehmenden Forderungen den Bau eines festen Zauns wegen der Afrikanischen Schweinepest im Südosten an der Grenze zu Polen angekündigt. „Wir werden das jetzt bauen“, sagte Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher am Dienstag in Potsdam. Es geht zunächst um einen festen Zaun im Kreis Spree-Neiße. Ihr Ressort stelle Mittel bereit, um den Landkreis zu unterstützen. Darüber hinaus seien auch Landesmittel geplant, um „feste Zäune auch weiter in Richtung Norden zu bauen“. Bisherige Verhandlungen mit Polen über einen festen Zaun seien gescheitert. An der Grenze vom Süden bis Frankfurt (Oder) steht derzeit ein mobiler Elektrozaun mit einer Länge von 120 Kilometern.

Die Ministerin kündigte auch die Einrichtung einer neuen technischen Einsatzleitung an, um die Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Polizei, Veterinären und Verbänden zu verbessern. Der Deutsche Bauernverband hatte das Krisenmanagement kritisiert. Seit Dienstag sei ein Team von Tierärzten, die die EU-Kommission geschickt habe, in Brandenburg und lasse sich die Schutzmaßnahmen erläutern, sagte Nonnemacher.

Im Krisenstab in Potsdam war zudem die Staatssekretärin im Bundesagrarministerium, Beate Kasch, zu Gast. Bisher wurde die Tierseuche nach Angaben der Ministerin bei neun toten Wildschweinen im Raum Schenkendöbern im Kreis Spree-Neiße und bei elf im Bereich Neuzelle im Kreis Oder-Spree nachgewiesen. Hausschweine sind bisher nicht betroffen. Die Tierseuche ist für Menschen ungefährlich, für Schweine fast immer tödlich.

Die Afrikanische Schweinepest hat in Deutschland mehrere Wildschweine getötet.

Afrikanische Schweinepest in Deutschland: Ein Bundesland setzt jetzt speziell ausgebildete Hunde ein

Update vom 20. September, 13.47 Uhr: Zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest wird die Suche nach toten Wildschweinen in Brandenburg verstärkt. Ab Montag werde das Vorgehen in der Kernzone eines Gefahrengebiets im Landkreis Oder-Spree mit speziell ausgebildeten Suchhunden unterstützt, teilte Kreissprecher Mario Behnke am Sonntag mit. Dort sollten vier Hunde aus Rheinland-Pfalz mithelfen. Auch im Landkreis Spree-Neiße soll die Suche mit Hunden verstärkt werden.

Am Samstag waren in der Nähe von Neuzelle im Kreis Oder-Spree Suchtrupps unterwegs, die von 20 Einsatzkräften des Technischen Hilfswerks (THW) unterstützt wurden. Fünf Kadaver seien gefunden worden, die nun untersucht würden, sagte der Kreissprecher. Etwa 60 Menschen arbeiteten am Bau eines elektrischen Zauns um das erweiterte Kerngebiet der Fundorte. Bisher wurde das Virus bei 13 Wildschweinen nachgewiesen, zunächst in Schenkendöbern im Kreis Spree-Neiße, dann im Raum Neuzelle. Es ist für Menschen ungefährlich.

Die Afrikanische Schweinepest hat Deutschland erreicht (Symbolbild).

Afrikanische Schweinepest in Deutschland bestätigt - größter Importeur außerhalb der EU stoppt Import

Update vom 14. September, 12.53 Uhr: Wie China und Südkorea hat auch Japan vorläufig den Import von Schweinefleisch aus Deutschland wegen der Afrikanischen Schweinepest hierzulande verboten. Die Einfuhr sei bereits am Freitag ausgesetzt worden, teilte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Tokio am Montag mit. Japan führt allerdings nur vergleichsweise geringe Mengen Schweinefleisch aus Deutschland ein.

Die Volksrepublik China dagegen ist der wichtigste Exportmarkt für deutsches Schweinefleisch außerhalb der EU. Laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden hatten die Ausfuhren dorthin im November 2019 einen Höchstwert erreicht: In dem einen Monat wurden 53.000 Tonnen Schweinefleisch aus Deutschland im Wert von 160 Millionen Euro nach China exportiert.

Afrikanische Schweinepest in Deutschland bestätigt - größter Importeur außerhalb der EU stoppt Import

Update vom 13. September, 14.59 Uhr: Seit Samstag hat nach Südkorea auch China den Import von deutschem Fleisch gestoppt. Schweine, Wildschweine und alle daraus hergestellten Produkte dürfen nicht mehr eingeführt werden. Sollte dies dennoch geschehen, muss die Ware zurückgeschickt oder vernichtet werden. Der Schritt war zwar erwartet worden, ist aber dennoch ein herber Schlag für die Landwirte. „Der Exportstopp für China macht uns große Sorge“, erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, am Samstag.

Deutschland ist der größte Produzent von Schweinefleisch in Europa, ein beachtlicher Teil der Exporte ging bisher in die Volksrepublik. „China ist unser wichtigster Exportmarkt für Schweinefleisch außerhalb der EU - das gilt besonders für Teile, die hier kaum verzehrt werden“, erklärte Rukwied. Deutschland müsse nun „alles tun“, um die Schweinepest zu bekämpfen und eine Ausbreitung zu verhindern. Der Verband hofft nun darauf, dass die Bundesregierung mit China zu einer Einigung über eine Regionalisierung kommt, damit zumindest mittelfristig der Export aus Gebieten ohne Schweinepest möglich wird.

Bayerische Landwirte werden wegen Schweinepest zu Teilnahme an Frühwarnsystem aufgerufen

Unterdessen forderte der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) Landwirte im Freistaat dazu auf, an einem Programm zur Früherkennung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) teilzunehmen. „Die Maßnahme kann helfen, Existenzen zu sichern“, sagte Glauber am Sonntag. Handelsbeschränkungen in Deutschland und der Europäischen Union müssten verhindert werden.

Nach Fall von Afrikanischer Schweinepest: Zweites asiatisches Land stoppt Import von deutschem Fleisch

Update vom 12. September, 17.33 Uhr: Nach Südkorea stoppt nun ein zweites asiatisches Land den Import von deutschem Schweinefleisch: Ab Samstag gilt das Einfuhrverbot für China. Das dürfte den deutschen Markt empfindlicher treffen als der Stopp aus Südkorea, denn China ist der größte Importeur für deutsches Schweinefleisch außerhalb der EU, etwa 17 Prozent der Exporte gehen dorthin. Das Bundesagrarministerium will sich bei der Regierung in Peking für Handelsmöglichkeiten einsetzen.

Afrikanische Schweinepest in Deutschland bestätigt: Südkorea stoppt Einfuhr

Update vom 10. September, 16.23 Uhr: Nach dem Nachweis der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland (siehe Ursprungsmeldung) hat Südkorea die Einfuhr von Schweinefleisch aus der Bundesrepublik gestoppt. Das Verbot gelte für Produkte, die von Donnerstag an ausgeliefert würden, teilte das südkoreanische Landwirtschaftsministerium mit. Schweinefleisch, das bereits aus Deutschland eingetroffen sei, werde vom Zoll gründlich untersucht. Auf deutsche Produkte entfielen den Angaben zufolge mehr als 420.000 Tonnen oder 18 Prozent der Schweinefleischimporte im vergangenen Jahr.

In Südkorea selbst hatten die Behörden im vergangenen Jahr den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest gemeldet. Daraufhin hatten sie damit begonnen, Tausende von Tieren zu töten. Die Krankheit war nahe der Grenze zu Nordkorea aufgetreten. Die Virusinfektion ist für Menschen ungefährlich, aber meist tödlich für Schweine. Eine Impfung dagegen ist nicht möglich.

Afrikanische Schweinepest: Was bedeutet das für die Landwirte?

Update vom 10. September, 14.23 Uhr: Albert Stegemann, agrarpolitischer Sprecher von CDU/CSU*, hat sich in einem Clip auf Twitter zum Thema Afrikanische Schweinepest (ASP) an die Follower gewandt und erklärt, dass die Seuche für den Menschen selbst dann ungefährlich sei, wenn er oder sie versehentlich kontaminiertes Schweinefleisch zu sich nehme - und warnt: „Wir müssen jetzt darauf achten, dass die Marktpreise für die Landwirte nicht allzu stark unter Druck geraten.“

Klöckner will Panikmache durch Schweinepest verhindern

Update vom 10. September, 11.57 Uhr: Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat nach dem erstmaligen Nachweis der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland (siehe Ursprungsmeldung) vor Panikmache mit Blick auf mögliche wirtschaftliche Folgen gewarnt. „Es ist ein Wildschwein gefunden worden in einem Landkreis“, sagte sie am Donnerstag in Berlin.

Nun gelte es festzustellen, ob es über den in Brandenburg entdeckten Kadaver hinaus eine Verbreitung in dem Gebiet gebe. Dann sei auch festzustellen, welche schweinehaltenden Betriebe es dort gebe. Ziel sei, das Geschehen einzugrenzen und einzudämmen. Sicherlich dürften nun Schweinehalter auch anderswo noch stärker in „Habachtstellung“ sein. Sie würden aber jetzt nicht in ganz Deutschland für einen Fund in einem Landkreis „verhaftet“.

Julia Klöckner (CDU) warnt angesichts der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland vor „Panikmache“.

Handel mit Schweinen und Schweinefleisch soll trotz Schweinepest aufrechterhalten werden

Klöckner betonte, dass der Handel mit Schweinen und Schweinefleisch innerhalb der EU weitgehend aufrechterhalten werden könne - von Einschränkungen betroffen wären nicht Betriebe in ganz Deutschland, sondern nur in dem konkret betroffenen Gebiet. Nach Angaben des Ministeriums ist aber davon auszugehen, dass Schweinefleischexporte aus Deutschland besonders nach Asien weitgehend wegfallen dürften. Das Ministerium sei aber in Kontakt mit mehreren Nicht-EU-Staaten, um ebenfalls nur regionale Beschränkungen zu vereinbaren, hieß es.

Klöckner: Vorkehrungen für Schweinepest sollen Ausbreitung verhindern

Update vom 10. September, 11.25 Uhr: Ein Maßnahmenplan soll nach Angaben von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest nach dem Fund eines infizierten toten Wildschweins verhindern. Dazu gehörten die Einschränkung des Personen- und Fahrzeugverkehrs innerhalb des betroffenen Gebietes und Absperrungen, sagte Klöckner am Donnerstag in Berlin. Außerdem gehe es um die Nutzung von Agrarflächen, die Suche nach verendeten Tieren und die Möglichkeit verstärkter Jagd durch Forstbeamte oder Berufsjäger.

Die Tierseuche wurde bei einem Kadaver in Brandenburg im Spree-Neiße-Kreis nachgewiesen. Nun soll möglichst schnell eine weitere Ausbreitung verhindert werden. „Es wird wichtig sein, das infizierte Gebiet möglichst schnell zu identifizieren, um dann entsprechend auch abgrenzen zu können“, sagte Thomas Mettenleiter, Chef des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI). Es müsse analysiert werden, ob der Wildschweinkadaver ein Einzelfall sei oder ob sich die Infektion schon ausgebreitet habe. Das tote Tier habe offensichtlich schon einige Zeit an der Stelle gelegen. Er sei sehr vorsichtig, ob der Fall auf die Ausbreitung in Westpolen im vergangenen Jahr zurückgehe.

Erster Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland

Update vom 10. September, 10.28 Uhr: Die Tierseuche Afrikanische Schweinepest ist in Deutschland angekommen. Es gebe einen ersten Fall, sagte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU*) am Donnerstag in Berlin. Ein am Mittwochabend gemeldeter Verdachtsfall bei einem Wildschwein-Kadaver in Brandenburg (siehe Ursprungsmeldung) habe sich bestätigt.

Der Kadaver war wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt im Spree-Neisse-Kreis gefunden worden. Eine Probe des Kadavers wurde am Mittwochabend ins Friedrich-Loeffler-Institut gebracht und dort virologisch untersucht.

Für Menschen ist die Schweinepest ungefährlich, wie Klöckner betonte. Für Haus- und Wildschweine hingegen ist die Seuche tödlich. Landwirte fürchten bei einer Ausbreitung große wirtschaftliche Schäden.

Seit Herbst 2019 waren mehrere Fälle von Afrikanischer Schweinepest in Westpolen bekannt geworden. Außerdem wurde die Tierseuche unter anderem schon im Baltikum, in Bulgarien und Rumänien sowie in Belgien nachgewiesen.

Afrikanische Schweinepest: Erster amtlicher Verdachtsfall in Deutschland

Ursprungsmeldung vom 9. September: Berlin -  In Brandenburg gibt es einen amtlichen Verdachtsfall der Afrikanischen Schweinepest. Das Landeslabor Berlin-Brandenburg habe den Verdacht bei einem Wildschwein-Kadaver festgestellt, der wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze im Spree-Neiße-Kreis gefunden wurde, teilte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft am Mittwoch mit. Eigentlich war ein fester Schutzzaun im Kreis Spree-Neiße an der Grenze zu Polen geplant, ist aber noch nicht gebaut. Ein mobiler Zaun steht dort bereits.

Eine Probe des toten Tieres werde jetzt im Friedrich-Loeffler-Institut virologisch untersucht. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) werde am Donnerstag über das Ergebnis informieren.

Der Sprecher des Verbraucherschutzministeriums Brandenburg, Gabriel Hesse, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir haben heute einen amtlichen Verdachtsfall für Afrikanische Schweinepest festgestellt.“ Erst wenn das nationale Referenzlabor den Verdacht ebenfalls bestätige, könne von einem Ausbruch gesprochen werden. Das Landeskrisenzentrum und die kommunalen Krisenzentren seien aktiviert. Erste Maßnahmen zum Schutz würden vorbereitet.

Die Afrikanische Schweinepest ist der Klassischen oder Europäischen Schweinepest (KSP) in Symptomen und Verlauf sehr ähnlich, ist allerdings vorwiegend in Afrika lokalisiert. In den letzten Jahren gab es immer wieder auch Fälle in Europa. In Deutschland ist die Erkrankung noch nie aufgetreten. Das könnte sich nun geändert haben. Für Menschen sind die Viren ungefährlich, für Wild- und Hausschweine aber meist tödlich. (as/dpa)

Rubriklistenbild: © Lino Mirgeler/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.