War alles doch anders?

Neue Studie soll zeigen: Das ist der Ursprung des Lebens auf der Erde

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Meteoriten könnten das Leben auf die Erde gebracht haben - und zwar in kleine Teiche.

Forscher aus Kanada und Deutschland bringen neue Erkenntnisse auf, die eine der wichtigsten Fragen aller Zeiten beantworten könnten: Wie entstand das Leben auf der Erde?

Hamilton - Wissenschaftler der McMaster University in Hamilton (Kanada) und des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA) in Heidelberg sind fest von ihren neuen Forschungsergebnissen überzeugt - und die betreffen die Entstehung des Lebens auf der Erde und haben einen entscheidenden Unterschied zu dem, wovon Forscher bisher ausgingen. 

Am Montag berichteten die Forscher dem Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences": Die bei der Entstehung unseres Sonnensystems gebildeten Grundbausteine für das Leben gelangten durch Meteoriten in „kleine warme Teiche“ auf unserem Planeten. Diese organischen Bausteine setzten die Voraussetzung für das Entstehen von selbstreplizierenden RNA-Molekülen.

Die RNA ist für die Welt, wie man sie kennt, lebensnotwendig. Auf ihren Bausteinen, den Nukleotiden, und deren besonderen Abfolgen, ist der genetische Code gespeichert, von dem durch die Selbstreplikation eine Kopie entsteht. Das Hervorbringen von langen RNA-Molekülen ist kein simpler Vorgang und wird durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst. Bislang verfolgte die Wissenschaft die Theorie, dass die ersten Etappen zum Leben in Quellen der Tiefsee entstanden. Doch dieses Szenario wirft viele Fragen auf, da es sehr umstritten ist, ob unter diesen Bedingungen die wichtigen langen RNA-Moleküle entstehen konnten. 

Schon Darwin stellte 1871 erstmals die Theorie auf, dass ein kleiner warmer Teich (aus dem Englischen: „warm little pond“) maßgeblich für den Ursprung des Lebens verantwortlich ist. Das Forschungsteam um Ben Pearce (McMaster University) und Thomas Henning (MPIA) greift diese Theorie sowie den heutigen Stand der Wissenschaft auf, um diese zu stärken. Das Besondere an dem Szenario der „kleinen warmen Teiche“ ist folgendes: Es gibt Phasen, in denen die flachen Teiche austrocknen aber auch Phasen, in denen sie durch starken Niederschlag wieder mit Wasser gefüllt werden. Dieser Zyklus begünstigt den Ablauf von chemischen Reaktionen, vor allem den der Bildung von RNA-Molekülen sowie deren Selbstreplikation. 

Zeitskala verschiebt sich

Den Wissenschaftlern nach ist die wohl interessante Entwicklung, die sich aus den Bemessungen und Forschungsergebnissen erschließt: Die komplette Zeitskala, mit der man bisher die Geschichte der Erde temporär einordnete, müsste sich verschieben. Das Leben entstand demnach nur wenige hundert Millionen Jahre, nachdem die Erde derart abgekühlt war, sodass Ozeane und Seen existieren konnten.

Für Ralph Pudritz, welcher in der Wissenschaft-Meldung des MPIA zitiert wird, ist klar: "Weil unser Modell so viele Ergebnisse aus so vielen verschiedenen Bereichen einschließt, ist es erstaunlich, dass alles so schlüssig zusammenhängt. Jeder Schritt unseres Modells führte ganz natürlich zum nächsten. Dass dabei am Ende ein klares Bild herauskam, ist für mich ein klares Indiz dafür, dass unser Szenario so falsch nicht sein kann.“

Herauszufinden, ob die Theorie, die durchaus ein plausibles Szenario für die Entstehung der Erde sein könnte, so tatsächlich in der Praxis stattfand, überlassen die Forscher nun den Experimentatoren. 

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