Laut Medienberichten

Einer der gefürchtetsten Paten: Ehemaliger Mafia-Boss Toto Riina gestorben

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Mafia-Boss Toto Riina wird für mehr als 150 Auftragsmorde verantwortlich gemacht.

Der Mafioso Toto Riina, einst einer der gefürchtetsten Bosse der sizilianischen Mafia, ist laut Medienberichten gestorben. Der 87-Jährige starb in der Nacht zum Freitag.

Rom - Der einst meistgefürchtete Mafia-Boss Italiens ist tot. Salvatore „Totò“ Riina starb am Freitagmorgen - einen Tag nach seinem 87. Geburtstag - im Krankentrakt des Hochsicherheitsgefängnisses von Parma, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Der zu lebenslanger Haft verurteilte Riina hatte an Nierenkrebs und Herzproblemen gelitten. „Seine Geheimnisse hat er für immer mit ins Grab genommen“, kommentierte die Tageszeitung „La Repubblica“.

Der 1930 in Corleone auf Sizilien geborene Riina war einer der mächtigsten Bosse der Cosa Nostra, jahrzehntelang terrorisierte er Italien. Wegen seiner Brutalität nannte man ihn „la belva“ - „die Bestie“. In den 80er und 90er Jahren gingen viele der aufsehenerregendsten Mafia-Morde des Landes auf sein Konto - er soll die Aufträge für Anschläge auf hochrangige Politiker und Juristen gegeben haben. Am 15. Januar 1993 wurde er nach 24-jähriger Flucht gestoppt und in Palermo zu mehrmals lebenslanger Haft verurteilt.

Riina habe nie Mitleid mit seinen unschuldigen Opfern gezeigt, so die Vorsitzende der Anti-Mafia-Kommission im Parlament, Rosy Bindi. Unter seinem Kommando tötete die Cosa Nostra unter anderen 1992 die Top-Mafia-Jäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino sowie 1980 den damaligen sizilianischen Regionalpräsidenten Piersanti Mattarella, den Bruder des jetzigen Staatspräsidenten Sergio Mattarella.

Mafia stirbt nicht mit Riina - Kampf dauert an

Justizminister Andrea Orlando sagte laut Nachrichtenagentur Ansa, der Tod von Riina dürfe nicht dazu führen, weniger auf der Hut zu sein. „Das Ende von Riina ist nicht das Ende der sizilianischen Mafia, die ein kriminelles, höchst gefährliches System ist“, sagte die Präsidentin der italienischen Anti-Mafia-Kommission, Rosy Bindi. „Die Mafias sind nach wie vor stark, haben die Privatwirtschaft und die Behörden unterwandert“, sagte der Spitzenkandidat der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi di Maio. „Es gibt noch viel zu tun im Kampf gegen die Mafia.“

Riina war als „Boss der Bosse“ ein Mafioso, wie ihn sich Hollywood nicht besser hätte ausdenken können. Trotz Einzelhaft und Hochsicherheitstrakt schaffte er es, noch aus dem Gefängnis heraus Drohungen auszusprechen. 2013 soll er zu einem Mitgefangenen gesagt haben, der führende Antimafia-Staatsanwalt Nino Di Matteo mache ihn „wahnsinnig“. Er würde ihn gerne eigenhändig umbringen, wolle aus ihm einen Thunfisch machen, „einen leckeren Thunfisch“ - so wird Riina noch heute zitiert.

Als in diesem Sommer die Möglichkeit im Raum stand, dass Riina wegen seines schlechten Gesundheitszustandes vorzeitig das Gefängnis verlassen könnte, war der Aufschrei groß. Ein Gericht votierte schließlich dagegen. Anti-Mafia-Staatsanwälte sahen konkrete Anhaltspunkte, dass Riina im hohen Alter und als Gefangener immer noch Kopf der Cosa Nostra war. „Totò Riina hat Sizilien nie verlassen“, schrieb der „Corriere della Sera“ am Freitag.

Bei Vernehmungen und Festnahmen hatte Riina die Ermittler an der Nase herumgeführt. „Was ist die Cosa Nostra? Ich habe diesen Namen in der Zeitung gelesen“, verhöhnte er als 62-Jähriger einen Befrager. Riina gab den ahnungslosen Alten, den armen Bauern.

Letzter Abschied: Familienbesuch im Gefängnis

Wegen seiner Größe von 1,58 Meter wurde der Mafia-Boss auch „Toto u curtu“ genannt - Toto der Kurze. Sein Fahndungsfoto aus jungen Jahren hing in jeder Polizeiwache von Como bis Catania aus. Jahrzehntelang war das Bild des Mannes - dunkle Augen, volles Haar, dünner Schnurrbart, Anzug und Krawatte - der einzige sichtbare Hinweis auf den meistgesuchten Mann Italiens.

„Für mich bist du nicht Totò Riina, du bist mein Vater“, hatte der ebenfalls wegen Mafia-Verbrechen verurteilte Riina-Sohn Giuseppe Salvatore am Donnerstag anlässlich des 87. Geburtstages auf Facebook geschrieben. Justizminister Orlando sprach Medienberichten zufolge am Donnerstag eine Erlaubnis für die Familie aus, den Schwerkranken in Parma zu besuchen und Abschied zu nehmen.

„Riina stand für einen richtigen Krieg der Mafia gegen die Institutionen“, sagte die Abgeordnete der sozialdemokratischen Regierungspartei PD und Mitglied in der Anti-Mafia-Kommission des italienischen Parlaments, Laura Garavini, der Deutschen Presse-Agentur. „Er wollte die Macht der Mafia über den Staat siegen lassen.“

dpa

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