Corona-Mutante

Delta-Variante: Ansteckung, Symptome, Verlauf – das macht sie so gefährlich

Die Delta-Variante des Coronavirus konnte noch nicht gestoppt werden. Sie breitet sich weiter aus. Die Ansteckungsgefahr ist hoch, die Symptome schwerwiegend.

Hannover – Anfang Juli hat die bundesweite 7-Tage-Inzidenz Tiefststände erreicht. Doch wegen des Ausbruches der Delta-Variante in Europa steigt die Inzidenz erstmalig seit mehr als einem Monat wieder an – wenn auch nur leicht. Experten warnen, dass das nur der Anfang gewesen sein könnte. Die in Indien entdeckte Delta-Variante des Sars-CoV-2-Virus ist gefährlicher als die zuvor aufgetretenen Mutanten. Auch Geimpfte können sich anstecken* und das Virus kann unter Umständen sogar zu Hörverlust und Durchblutungsstörungen führen. Kann die Delta-Mutante eine vierte Corona-Welle auslösen? Das sollten Sie über die neue Mutation wissen.

Corona-Fälle Deutschland (Stand: 8. Juli)3,74 Millionen
Genesene Deutschland3,63 Millionen
Todesfälle Deutschland91.148
Corona-Fälle Niedersachsen261.437
Genesene Niedersachsen255.000
Todesfälle Niedersachsen5.791

Delta-Variante: Was ist die neue Corona-Mutation B.1.617 aus Indien genau?

Die Mutation, die als Erstes im indischen Bundesstaat Maharashtra entdeckt wurde, wird medizinisch B.1.617 betitelt. Diese Virus-Variante besteht aus mehreren Strängen, weshalb sie oft als „Doppel-Mutation“ oder „Dreifach-Mutation“ bezeichnet wird. Von diesen Strängen wurde aber nur eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „besorgniserregend“ eingestuft. Sie nennt sich B.1.617.2 und ist die bekannte Delta-Mutation.

Infektionszahlen und Ansteckungsgefahr der Delta-Variante von Covid-19

B.1.617 wurde mittlerweile schon in mindestens 80 Ländern nachgewiesen. Indien erlitt im Juni einen Notstand an Krankenhausplätzen und die Regierung meldete bereits im Juni circa 5.000 Corona-Tote innerhalb eines Tages. In Großbritannien verbreitet sich B.1.617.2 seit Juni ebenfalls schnell. Das Vereinigte Königreich ist das Land Europas mit der höchsten Inzidenz.

Wahrscheinlichkeit der Ansteckung bei Delta-Mutation wesentlich höher

Das RKI warnt davor, dass die Delta-Mutation ansteckender sei als die anderen bislang bekannten Corona-Varianten. Laut der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) liegt die Wahrscheinlichkeit, Menschen im eigenen Haushalt mit der Delta-Variante anzustecken, um 60 Prozent höher als zum Beispiel bei der Alpha-Variante, die zuerst Ende des Jahres 2020 in Großbritannien nachgewiesen wurde. Das verstärkt auch die Gefahr für Menschen, die erst eine Impfung gegen Corona erhalten haben.

Die Delta-Mutation des Coronavirus ist hochansteckend – mit teilweise dramatischen Folgen (24hamburg.de-Montage)

Die höhere Ansteckungsrate rührt Laborversuchen zufolge von einer stärkeren Vermehrung der Viren im Körper her. Virologin Sandra Ciesek berichtete im NDR-Podcast, dass die Vermutung einer schnelleren und leichteren Übertragung der Delta-Variante bestehe – vor allem im Gegensatz zur Alpha-Variante. „Ein bisschen unklar ist noch – aber die Befürchtung besteht aus frühen Daten aus England und Schottland, dass eine Infektion mit der Delta-Variante auch zu einem erhöhten Risiko für eine Hospitalisierung, also für eine Krankenhausaufnahme führt“, fährt Ciesek fort [Anm. d. Red.: Artikel wurde aktualisiert am 17.06.2021, 11:30 Uhr].

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat im RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) aber auch gute Neuigkeiten: Das Risiko einer Ansteckung im Sommer ist wohl wesentlich geringer als zu anderen Jahreszeiten. Das liegt daran, dass die Saisonalität der Delta-Variante viel ausgeprägter ist als bisher angenommen [Anm. d. Red.: Artikel wurde aktualisiert am 17.06.2021, 11:30 Uhr].

Delta-Variante Symptome: Gefahr von Hörverlust – diese Symptome können bei der Corona-Mutation auftreten

Die Symptome des Delta-Virus unterscheiden sich teilweise von den bereits bekannten Coronavirus-Varianten: Betroffene klagten über Kopfschmerzen, eine laufende Nase sowie eine raue Kehle. Auch Fieber ist ein häufig aufgetretenes Symptom der Mutation. Der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinn – ungewöhnliche Anzeichen, die bei allen anderen Coronavirus-Versionen häufig aufgetreten sind – wurden in einer britischen App zur Überprüfung der Corona-Symptome jedoch nicht mehr angegeben [Anm. d. Red.: Artikel wurde aktualisiert am 17.06.2021, 11:30 Uhr].

Viel dramatischer ist aber, dass sich laut indischen Ärzten eine Infektion mit der Delta-Mutation neben den gewöhnlichen „Erkältungssymptomen“ von Covid-19 noch durch ein gefährliches Risiko zur Taubheit* auszeichnet. Durch Blutgerinnsel und Durchblutungsstörungen sollen Hörverlust und Gangrän, das Absterben von Gewebe, verursacht werden können.

Delta-Variante Verlauf: Fälle von Amputationen in Indien

Die britische Daily Mail hat mit indischen Ärzten gesprochen, die von Fällen berichten, in denen wegen der Durchblutungsstörung Finger oder ein Fuß amputiert werden mussten. „Wir vermuten, dass es an der neuen Virusvariante liegen könnte“, sagt Dr. Ganesh Manudhane aus Mumbai der Zeitung. Man bräuchte aber noch mehr wissenschaftliche Untersuchungen, um einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen diesen Fällen und dem Virus nachzuweisen, betonte Dr. Abdul Ghafur aus Chennai zuletzt.

In Großbritannien, wo die Delta-Variante ebenfalls schon weit verbreitet ist, traten noch keine Fälle von Gangrän auf. Allerdings erlitten dort laut einem Bericht der University of Manchester tatsächlich 7,6 Prozent der Infizierten einen Hörverlust, 7,2 Prozent litten an Schwindel und 14,2 Prozent bekamen einen Tinnitus.

Biontech oder AstraZeneca: Welche Impfungen schützen am besten gegen die Delta-Variante

Laut einer Studie der britischen PHE wirken die Impfungen auch gegen die Delta-Variante des Corona-Virus*, allerdings nicht im gleichen Maße wie gegen die anderen Mutanten. Bei vollständigem Impfschutz soll die Impfung von Biontech/Pfizer normalerweise zu 93 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung schützen, gegen die Delta-Variante schützt sie nur zu etwa 88 Prozent. AstraZeneca wiederum schützt ohnehin nur zu 66 Prozent gegen eine Viruserkrankung, gegen die Delta-Mutante sogar nur zu 60 Prozent. Schwere Verläufe werden allersings offenbar in allen Fällen durch Impfungen weiterhin gut verhindert.

Dass Erkrankungen trotz Impfung wahrscheinlicher werden, liegt daran, dass die Antikörper, die das Virus im Körper bekämpfen, gegen die Delta-Variante nicht so gut wirken, wie gegen den Ursprungsvirus und die bisherigen Mutationen. Eine Studie des Francis Crick Instituts in London und eine Studie der University of Texas haben beide herausgefunden, dass Menschen mit Biontech-Impfung weniger Antikörper gegen die Delta-Mutante des Virus hatten als gegen die anderen Corona-Varianten.

Auch Personen, die bisher nur ihre erste Impfung erhalten haben, sind wesentlich weniger geschützt. Das trifft in besonderem Maße auf die Impfdosis von AstraZeneca zu, die normalerweise auch schon nach der ersten Impfung gut schützt. In Bezug auf die Delta-Variante fiel die Schutzwirkung nach nur einer Dosis jedoch wesentlich geringer aus [Anm. d. Red.: Artikel wurde aktualisiert am 17.06.2021, 11:30 Uhr].

Delta-Variante: So gefährlich ist sie für Hamburg

Hamburg galt Mitte Juni als eines der impfschwächsten Bundesländer*, in dem im Vergleich noch am wenigsten Menschen mit dem Impfstoff versorgt wurden. Wenn man einen Vergleich zu Großbritannien zieht, wo die meisten Delta-Infektionen Menschen mit nur einfachem oder gar keinem Impfschutz befallen haben, könnte für Hamburger im Durchschnitt eine etwas erhöhte Infektionsgefahr bestehen als in anderen Bundesländern. Einige Fälle sind bereits aufgetreten*.

Laut dem RKI sind in Hamburg bis jetzt etwas mehr als 1 Million der 1,8 Millionen Bewohner einmal geimpft worden. Erst 39,2 Prozent haben den kompletten Impfschutz. Damit liegt Hamburg hinter mehreren anderen Bundesländern zurück, Spitzenreiter Saarland hat eine Quote von 45,6 bei den vollständig Geimpften. (Transparenzhinweis: Der Artikel wurde aktualisiert am 08.07.2021, 11:48 Uhr) * 24hamburg.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa/Christian Ohde/IMAGO

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