Die Hausverwaltung kannte das Problem

Weil der Aufzug nicht ging: 63-Jähriger muss 135 Stufen laufen - und stirbt

Der 63-jährige Andreas S. schleppte sich in den neunten Stock bis zu seiner Wohnung. Der Aufzug war mal wieder kaputt. In der Küche brach er tot zusammen.

Berlin - Die 135 Stufen in den neunten Stock seines Wohnhauses im Berliner Stadtviertel Neukölln wurden einem 63-Jährigen zum Verhängnis. Andreas S. erlitt vor Jahren einen Herzinfarkt und war auf den Fahrstuhl angewiesen. Der war allerdings kaputt - mal wieder.

Seit Monaten funktionierte der Aufzug nicht zuverlässig, was dem ganzen Haus zu Schaffen machte. Die Tochter des 63-Jährigen sagt gegenüber bz-berlin.de: „Das ist eine Zumutung für die Mieter. Hier wohnen auch Familien mit kleinen Kindern, die schaffen all die Treppen kaum.“

Er ging mal wieder die 135 Stufen - das letzte Mal

Andreas S. hatte nur ein paar Besorgungen im Supermarkt gemacht und wollte seine Einkäufe in die Wohnung bringen. Wieder einmal ging er die 135 Stufen zu Fuß, weil der Aufzug außer Betrieb war. Er schaffte es noch in seine Küche, dort klappte er zusammen. Für ihn kam jede Hilfe zu spät, es konnte nur noch sein Tod festgestellt werden. Seine Tochter Natalie ist sauer auf die Hausverwaltung. Der war das Problem schon lange bekannt.

Eine Sprecherin der Wohnungsgesellschaft Degewo erklärte gegenüber der Tageszeitung, dass zur Modernisierung eines Aufzuges Mittel zur Verfügung gestellt und die Maßnahmen geplant werden müssen. „Hierfür benötigen wir die entsprechende Vorlaufzeit.“

Ältere Bewohner gingen kaum aus dem Haus

Weil sie die vielen Stufen nicht schaffen, gingen ältere Bewohner nur noch für das Nötigste nach draußen. Die 81-jährige Inge Hanke wohnt im fünften Stock des Hauses und litt ebenfalls unter dem defekten Fahrstuhl. „Ich geh kaum nach draußen, weil ich meinen Rollator nicht mit nach unten nehmen kann. Und auch meine Einkäufe bekomme ich kaum bis in meine Wohnung. Ich hoffe immer, dass ich einen Nachbarn im Treppenhaus treffe, der mir hilft“, erzählt die 81-Jährige.

Fahrstuhl mittlerweile repariert

Mittlerweile sind die Reparaturarbeiten im Wohnhaus in Gropiusstadt abgeschlossen. Der Aufzug geht wieder. Für Andreas S. allerdings zu spät.

Rubriklistenbild: © dpa

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