Zoff zum Fest

Weil diskriminierend: Man soll nicht mehr Weihnachten sagen – das will die EU

  • Bjarne Kommnick
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Die EU-Kommission empfiehlt, auf christliche Namen und Begriffe zu verzichten, weil sie Nicht-Christen diskriminieren könnten. Nun tobt eine hitzige Debatte.

Brüssel – Ein internes Dokument der EU-Kommission sorgt für Furore. Brüssel hat seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahegelegt, auf weihnachtlich Begriffe und Worte wie Weihnachten und biblische Namen zu verzichten. Dagegen regt sich nun Widerstand aus der katholischen Kirche, mehrere Bischöfe kritisieren demnach das Handbuch für EU-Kommissionsmitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei kam es erst kürzlich aus den eigenen Reihen zu einem ungewöhnlichen Änderungs-Vorschlag, denn die Jungen Katholiken wollen ab sofort Gott gendern.

RegierungsinstitutionEuropäische Kommission
HauptsitzBerlaymont-Gebäude, Brüssel, Belgien
Anzahl der Bediensteten32.000
Gründung1. Januar 1958

Um nicht zu diskriminieren: Auf Worte wie Weihnachten verzichten – das empfiehlt EU-Kommission

In dem Dokument werden Formulierungshinweise ausgeführt, wie zum Beispiel, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht unmittelbar davon ausgehen sollten, dass alle Menschen christlich seien und dementsprechend die dazugehörigen Feste feiern würden. Sie könnten sich durch Formulierungen ausgeschlossen fühlen. Als Prävention gegen dieses Problem sieht die EU-Kommission vor, nicht aktiv von der Weihnachtszeit zu sprechen und auch auf Namen wie „Maria“ und „Josef“ zu verzichten. Gerade erst war gefordert worden, Weihnachtskrippen umzugestalten, weil sie rassistische Klischees zeigten.

Laut einem EU-Dokument soll man christliche Begriffe wie „Weihnachten“ oder „Maria und Josef“ zu den Festtagen vermeiden. (kreiszeitung.de-Montage)

Grundlegend würde es die EU-Bischofskommission COMECE begrüßen, Schrift und Sprache diskriminierungsfrei zu halten. Doch es entstehe der Eindruck, „dass einige Passagen des Entwurfsdokuments von einer antireligiösen Voreingenommenheit geprägt“ seien. Mittlerweile habe die EU-Kommission das Dokument wieder zurückgezogen, erklärt Helena Dalli, Die EU-Gleichstellungskommissarin. Demnach wolle man die aktuelle Fassung überarbeiten und eine neue Version erstellen.

Bischöfe sauer wegen Verzichtsempfehlung fürchristliche Begriffe: Weihnachten Teil der europäischen Realität

Der COMECE-Vorsitzende Kardinal Jean-Claude Hollerich sagt: „Weihnachten ist nicht nur Teil der europäischen religiösen Traditionen, sondern auch der europäischen Realität“. „Die Achtung der religiösen Vielfalt kann nicht zu der paradoxen Konsequenz führen, das religiöse Element aus dem öffentlichen Diskurs zu verdrängen“, erklärt Hollerich. Immer wieder wird der Ruf nach Namensanpassungen laut. Einige fordern deshalb sogar auch, die Pizza-Hawaii und den Hawaii-Toast umzubenennen, weil sie rassistisch seien. Einige Kritiker fordern zudem, das Wort Curry abzuschaffen, weil der Begriff eine kolonialistische Beleidigung sei.

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Die rechtspopulistische italienische Tageszeitung „Il Gironale“ hatte die Debatte über das EU-Dokument gestartet. Es sei jedoch, unabhängig von politischer Einstellung nur eine Frage der Religionsfreiheit, erklärt COMECE-Generalsekretär Manuel Barrios Prieto. Doch „Wir hätten uns gleicherweise geäußert, wenn das Thema von Medien anderer politischer Ausrichtungen aufgebracht worden wäre. Selbstverständlich distanzieren wir uns von jeder Art der Instrumentalisierung von Religion.“

Auch der Kardinalstaatssekretär ist empört – man solle berechtigte Unterschiede respektieren

Auch der katholische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hält es für den falschen Weg, auf Begriffe wie „Weihnachten“ oder „Maria“ zu verzichten. „Die Tendenz geht leider dahin, alles zu vereinheitlichen und nicht einmal die berechtigten Unterschiede zu respektieren“, so Parolin. Auch dürfe man die Wurzeln Europas nicht vergessen, so der Kardinal.

„Natürlich wissen wir, dass Europa seine Existenz und seine Identität vielen Beiträgen verdankt, aber wir dürfen nicht vergessen, dass einer der wichtigsten Beiträge, wenn nicht sogar der wichtigste, das Christentum selbst war“, so Parolin. In anderen Bereichen scheinen Namensänderung nicht weniger absurd: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tausende Vogelarten mit ehemals rassistischen Namen umbenannt. Zudem fordert eine Initiative weiterhin, alle Mohrenapotheken in Deutschland umzubenennen. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Uwe Zucchi/dpa/Nicolas Economou/imago

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