Nach 15 Jahren Bauzeit

Weltweit genaueste Waage beginnt mit Messungen

+
Das Hauptspektrometer der Anlage im Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Foto: Uli Deck

Auf diesen Tag haben Physiker jahrelang hingearbeitet: Die wohl genaueste Waage der Welt beginnt in Karlsruhe ihre Messungen. Für detaillierte Erkenntnisse braucht es allerdings Geduld.

Eggenstein-Leopoldshafen (dpa) - Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat die Projektangaben zufolge genauste Waage der Welt ihre Messungen begonnen.

Nach 15 Jahren Bauzeit wurde dort am Montag die Neutrino-Waage "Katrin" ("Karlsruhe Tritium Neutrino Experiment") gestartet. Sie soll das Gewicht der leichtesten Elementarteilchen bestimmen helfen.

Die auch Geisterteilchen genannten Neutrinos sind überall - mehrere Milliarden von ihnen durchströmen in jeder Sekunde den Finger eines Menschen. Von detaillierter Erkenntnissen über sie versprechen sich Physiker Rückschlüsse auf die Entstehungsgeschichte des Alls. "Das ist ein großer Tag fürs Universum - weil einer seiner Hauptbestandteile nun vermessen wird", sagte der KIT-Bereichsleiter Johannes Blümer bei der Einweihungsfeier.

Rund 200 Forscher von 20 Institutionen aus sieben Ländern sind an dem Projekt beteiligt. Im "Katrin"-Experiment entstehen beim Zerfall von Tritium Elektronen und Neutrinos. Der Aufbau hat immense Ausmaße: Allein der Vakuumtank hat rund zehn Meter Durchmesser und wiegt 200 Tonnen. "Der Druck dort drin ist so niedrig wie auf dem Mond", sagte KIT-Forscher Florian Heizmann.

Nach etwa fünf Jahren Messbetrieb erwarten die Forscher die genauesten Messergebnisse. Das Gewicht der Neutrinos zu bestimmen, gilt als wichtige Grundlagenforschung. Welche Rückschlüsse möglich sein werden, darüber lässt sich nur spekulieren. Heizmann: "Als die Kernspaltung entdeckt wurde, war auch noch völlig unklar, was daraus entstehen würde."

Katrin-Experiment

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.
Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.